Bei manchen sind die Hände und Arme frühmorgens so verkrümmt, dass die Hände erst warm werden, nachdem sie von den Betreuerinnen ein wenig massiert und dann auf einer Schiene fixiert wurden. Bewegungsübungen, die die spastischen Lähmungen und Kontraktionen ein wenig lindern helfen, stehen also ganz oben auf der Liste der Beschäftigungen in der Fördergruppe der Lebenshilfe Haßberge. Sie ist an der Lebenshilfe-Werkstatt in Augsfeld angesiedelt.

Die acht schwer behinderten Menschen widmen sich sehr gerne ihren Malstunden. Natürlich gibt es auch schlechte Tage, "an denen machen wir eben etwas anderes", meint Betreuerin Anni Düsel und schildert, wie ihr Schützling Stefan, der sich nur wenig mitteilen kann, über alle Backen strahlte, als er das erste Mal Farbe roch und einen Pinsel fühlte.
Das ging ihr, die mittlerweile 27 Jahre in der Behindertenarbeit tätig ist, ans Herz.

Blau ist Sabrinas Lieblingsfarbe

Ein wenig sprechen kann die pfiffige Sabrina, und sie ist sofort dabei, wenn es ums Malen geht, da gibt sie dann an, mit welcher Farbe sie malen möchte. "Blau", sagt sie, ist ihre Lieblingsfarbe.

Bei manchen wie bei Franz-Josef führen die Betreuer dessen Hand mit dem Pinsel. Auch mit der ganzen Hand dürfen die Behinderten in die Farbe greifen und diese auf dem grundierten Bild verschmieren. So genannte "Schmierbilder" entstehen dann, und ihre pädagogische Wirkung reicht tief in die Seele und in die Gefühlswelt der Menschen hinein. Ja, sagt Sabrina beim Pressetermin im Haßfurter Bürgerbüro am Donnerstag, in den Bildern steckt viel Gefühl.

Die Fördergruppe hatte sich mit Rollstühlen, Werkstattleiter Paul Diehm und vier Betreuern auf den Weg gemacht, um stolz ihre "Kunden" zu besuchen. Denn, wie Anni Düsel und ihre Kollegin Nicole Schnitzer erzählen, schon vor Jahren hatten Sommerfest-Besucher gefunden, diese schönen Bilder ließen sich doch auch verkaufen. 2011 fand die erste Vernissage in der Sparkassengalerie statt, 2012 die zweite, und da kaufte bereits die Haßfurter Baugenossenschaft ein, deren Vorsitzender Thomas Ringeisen ist.

Das wär' was für die Stadt

Er ist gleichzeitig Leiter des Ordnungsamts Haßfurt, und da schloss er sich mit Bürgermeister Rudi Eck kurz; die beiden waren sich schnell einig, dass man für die Ausstattung des Bürgerbüros im alten Rathaus doch ein paar Werke erwerben könnte. Jetzt hängen die an der Wand - und lockten die Urheber zum Besuch. Die Sparkasse und kleine Firmen haben schon Bilder gekauft, erzählt Anni Düsel, die "Rummelsberger" haben auch angeklopft. Man fertige gerne nach den Wünschen der Kundschaft das ein oder andere Bild an. "Hohen Respekt" und seine Anerkennung sprach der Haßfurter Bürgermeister seinem Besuch gerne aus.