Der Umgang vieler Menschen mit Lebensmitteln hat sich verändert. "Früher war es kaum vorstellbar, Lebensmittel verderben zu lassen oder gar frische Ware wegzuwerfen", erinnerte sich Landrat Wilhelm Schneider an seine Kindheit. Heute dagegen sei dies bei vielen Menschen Alltag geworden. Diese kritischen Worte fand er bei der Eröffnung der Ausstellung "Restlos gut essen" in der Haßfurter Sparkassengalerie.


Münzen und Geldscheine ausgemuster


Die Ausstellung ist ein gemeinsames Projekt des Umweltbildungszentrums, des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, des Abfallwirtschaftsbetriebs, des Bayerischen Bauernverbands und des Künstler Herman de Vries. Alle Beteiligten beschäftigen sich mit der Wertschätzung von Lebensmitteln und mit deren Verschwendung.


Peter Schleich, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse, erinnerte daran, dass das Thema Nachhaltigkeit vor einigen Jahren auch die Sparkassen beschäftigt habe. Nach der Umstellung von der D-Mark auf den Euro hätten die Banken Unmengen ausgemusterter Münzen und Geldscheine entsorgen müssen.

Die Bedeutung von Nachhaltigkeit in der Ernährung hob Landrat Wilhelm Schneider hervor: "Hunger und Landflucht stehen in direktem Zusammenhang mit der Frage nach restlos gutem Essen."


Drei Millionen Tonnen Brot im Müll


"Unser tägliches Brot gib uns heute - dieser Wunsch wurde uns längst erfüllt", meinte Herbert Lang, Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forstenin Schweinfurt. Er ging auch auf die Schattenseiten dieser Entwicklung ein: "Der Wunsch hat sich in einem Maße erfüllt, dass wir im zivilisierten Europa jedes Jahr drei Millionen Tonnen Brot wegwerfen." Von dieser Menge, so berichtete er, ließe sich ganz Spanien ernähren. "Unglaublich. 20 Prozent der Backwaren werden weggeworfen."

Dann stellte seine Mitarbeiterin Klaudia Schwarz die Wanderausstellung vor, die bis zum 29. April in der Sparkassengalerie zu sehen ist. "Der Kern der Ausstellung sind fünf Stationen und wurde von Kern konzipiert", sagte sie. Die Abkürzung Kern steht für Kompetenzzentrum Ernährung, eine Einrichtung des Freistaates Bayern. Entscheidend sei, dass die Stationen interaktiv sind. "Die Besucher lesen nicht einfach die aufgelisteten Informationen. Vielmehr gibt es in einem virtuellen Supermarkt die Gelegenheit, das eigene Einkaufsverhalten auf die Probe zu stellen."


Rezepte zur Restverwertung


Außerdem gibt es Schwarz zufolge viele nützliche Tipps und Rezepte zur Resteverwertung. Zudem werde darauf hingewiesen, welche Lebensmittel zu welcher Jahreszeit Saison haben. "War es früher noch so, dass es bestimmte Dinge nur zu einer bestimmten Jahreszeit gab, stehen heute viele Obst- und Gemüsesorten das ganze Jahr über in den Regalen. Man merkt im Supermarkt fast gar nicht mehr, welche Jahreszeit ist", sagte Klaudia Schwarz.

Nach den Wortbeiträgen konnten sich die Besucher selbst ein Bild von der Ausstellung zu machen. Für Wolfgang Aull vom Abfallwirtschaftsbetrieb ist das wichtigste Stück eine Tafel, auf die die Gäste schreiben können, wann ihrer Meinung nach ein Essen "restlos gut" ist. Aull verwies dabei auch auf Ausbeutung der Arbeiter in den Erzeugerländern vieler Lebensmittel und stellte die provokante Frage: "Ist ein Essen restlos gut, wenn die Kaffeebohnen von Kinderhand gepflückt wurden?"


Bilder aus Laub


Auf den Schautafeln des Abfallwirtschaftsbetriebs geht es auch um Gefahren, die durch Überdüngung entstehen, oder um Giftstoffe, die durch Plastikmüll in unseren Nahrungsmitteln landen.

Daneben hängen Bilder von Herman de Vries, die aus Laub vom Waldboden bestehen. Motto: "Die Natur macht's vor". Was darunter zu verstehen ist, verdeutlichte Wolfgang Aull so: "Wenn wir es so machen wie die Natur, brauchen wir keine Abfallwirtschaft mehr."