Fred Schmalz ist als Damaszener-Schmied in der ganzen Welt unterwegs, er war Bergsteiger, Fallschirmspringer, Gebirgsjäger und Biathlet - aber seine späte Liebe, das ist die Seefahrt. Gerade ist er zurück von einem großen Turn mit der "Alex II", dem Segelschulschiff "Alexander von Humboldt", zu deren ehrenamtlicher Besatzung er als Zweiter Ingenieur gehört. Viele kennen die imposante Dreimast-Bark mit den grünen Segeln aus dem Fernsehen - aber wohl keiner im Landkreis Haßberge kennt sie so gut wie Fred Schmalz.

Fred Schmalz ist in der Maingasse in Knetzgau aufgewachsen "da gehört der Main dazu und das Wasser lässt einen nicht mehr los", erzählt er. Schiffer oder Seemann wollte er werden, als er mit 14 die Schule abschloss, doch der Vater bestand darauf, "einen richtigen Beruf zu lernen. Du wirst Schlosser, die werden immer gebraucht", zitiert Fred Schmalz den Vater. Schon während seiner Gesellenzeit aber war Schmalz auf Binnenschiffen dabei, wenn Sand und Kies von Eltmann nach Schweinfurt und Würzburg transportiert wurde.


Erstmals auf hoher See

Aus dem Schlosser Fred Schmalz wurde der Schmiedemeister, der mit seinen Damaszener-Messern eine besondere Nische erschloss. Der Beruf nahm in stark in Anspruch, doch 1996 und 1997 machte er seine ersten beiden Segeltörns auf der Ostsee. 2008 dann die erste große Fahrt auf dem russischen Segelschulschiff "MIR". "Da hat es mich dann voll erwischt", erzählt Schmalz strahlend. Einige Male war er mit der "Sedov" unterwegs und dann kam die "Alexander von Humboldt". Auf all diesen Schiffen war er als Trainee unterwegs, also als mitarbeitender "Passagier". Schulschiffe wie die Alexander von Humboldt wollen besonders Jugendlichen die Erfahrung klassischer Seemannschaft vermitteln, den Umgang mit der Natur und die Gemeinschaft an Bord.


Zweiter Ingenieur im Ehrenamt


Fred Schmalz war nun nicht mehr so jugendlich, aber sehr engagiert. Weil er seine wachfreie Zeit meist bei den Maschinisten verbrachte, "gab mir der Kapitän den Rat, mich als Maschinist zu bewerben". Die Antwort aus Bremerhaven ließ nicht lange auf sich warten "und mein Jugendtraum wurde wahr. Ich konnte am 14. Dezember 2013 meinen Einweisungslehrgang auf der neuen Alex II antreten". Seitdem ist Fred Schmalz aus Knetzgau dank seines Meisterbriefes und seiner Berufserfahrung zweiter Ingenieur dieses stolzen Schiffes - ehrenamtlich.

"Aber aller Anfang ist schwer. Nach diesem Einweisungstörn war ich mir nicht sicher, ob ich weitermachen oder aufhören soll. Die umfangreiche Technik hat mich regelrecht erschlagen. Aber mit jedem Törn wächst man in die Materie hinein. Inzwischen habe ich weitere Maschinisten angelernt."


Jede Menge Technik

Auch wenn die "Alex" ein Segelschiff ist, geht ohne Technik nichts. Zur Stromerzeugung stehen zwei Dieselmotoren mit je 350 kW zur Verfügung, außerdem ein Notstromaggregat. Rudermaschine, Brücke, Verstellpropeller, Küche, Beleuchtung, Warmwasser - Strom wird überall an Bord benötigt. Zum Antrieb bei Flaute dient ein Sechszylinder-Reihenmotor mit 552 kW. Für die Frischwasserversorgung gibt es eine Umkehrosmose-Anlage, für das Abwasser eine Vakuumanlage, auch eine Vierkammer-Kläranlage ist an Bord. Eine Klimaanlage und ein Kühlraum sind zu betreuen.
Regelmäßig müssen die sicherheitstechnischen Prüfungen erfolgen, etwa an den Schotten (den wasserdichten Türen), an den Rauch- und Feuermeldern, den Feuerlösch- und Lenzpumpen. Die Reparaturen werden soweit möglich mit bordeigenen Mitteln erledigt - da ist dann der Schlosser richtig gefordert.


Ein Stück Freiheit

Viel Arbeit gibt es auf so einem Schulschiff, "aber auch viele schöne Begegnungen. Das Bordleben mit den jungen Leuten macht sehr viel Spaß. Und natürlich sieht man viel von der Welt", erzählt Fred Schmalz. "Ein Stück Freiheit genießen" könne man. Das hat er getan, erlebte die Karibik und die Bermudas. Von Malta nach Dubrownik ging es durch die Straße von Messina, rund um den Stromboli nach Mallorca. Vier Wochen war er rund um die Kanaren unterwegs und feierte an Bord seinen 66. Geburtstag. Törns auf der Ost- und Nordsee sind kürzere Reisen, hinterlassen aber auch bleibende Erinnerungen, wie die Fahrt mit vollen Segeln durch die Tower Bridge in London - damals noch mit weißen Segeln.

Die grünen Segel hat eine bekannte Bremer Brauerei spendiert - auch für den bekannten Werbespot. Eigner des Segelschiffes ist die gemeinnützige "Deutsche Stiftung Sail Trading". Stiftungszweck ist es, Menschen für das Segeln auf Großseglern zu begeistern und interessierte, vor allem junge Menschen entsprechend auszubilden. Viele ehrenamtliche Crewmitglieder wie Fred Schmalz machen das möglich. "Da kenne ich beispielsweise einen Kapitän, der fährt riesige Frachtschiffe - und im Urlaub die Alex II". Das ist dann wohl so, wie wenn ein Brummi-Fahrer im Urlaub eine Motorrad-Tour macht.


Regatta vor de Küste Kanadas

Ganz frisch sind noch die Eindrücke von der letzten Tour, die aus vier Etappen bestand. Von Boston aus fuhr die "Alexander von Humboldt II" mit Fred Schmalz die Regatta "Tall Ship Race" nach Halifax, die anlässlich des 150. Geburtstags von Kanada ausgetragen wurde. Einen guten Mittelplatz hat die Crew belegt.

Der deutsche Botschafter in Kanada gab sogar einen Empfang auf der "Alex II". "Da machen wir dann schon mal die Streifen drauf", erklärt Fred Schmalz. Natürlich hat er eine Ausgehuniform der Handelsmarine, auch wenn bei der täglichen Bordarbeit eher die Latzhose gefragt ist. Nach der Regatta ging es nach Sommersite, Gasbe, Montreal, Quebec und zurück nach Halifax.

Die An- und Abreise zahlen die Crewmitglieder selbst, "aber dann haben wir natürlich Kost und Logis frei - und den ganzen Spaß", lacht Fred Schmalz, den auch 36 Meter hohe Masten nicht schrecken.
Zu Allerheiligen revanchiert er sich für seine Einzelausflüge und macht ein paar Tage Urlaub mit Ehefrau Renate - in Hamburg "und übernachtet wird im Seemannsheim", grinst er.

Am 27. Februar steigt er dann schon wieder in den Flieger und löst auf Teneriffa ab; im Mai wird er erstmals den kompletten Hafengeburtstag in Hamburg mitfeiern. Man merkt: Fred Schmalz hat sich einen großen Traum erfüllt und man wünscht ihm, dass er noch oft die jährliche Seetauglichkeitsprüfung besteht, denn zwei große Ziele hat er noch: "die Umrundung von Kap Hoorn und einmal die Südsee. . ."