Ihr Brot wurde "gebacken" - und zwar in einer Amtsstube. Von Behördenseite. Carola Sieghörtner aus Pettstadt verkauft ihre leckeren und knusprigen Laiber nicht mehr. Beim Eberner Bauernmarkt am Freitag fehlte sie erstmals. Auflagen der Lebensmittelüberwacher aus dem Landratsamt machten ihr das Leben so schwer, dass sie ihr Gewerbe komplett abgemeldet hat. "Wir backen nur noch für uns selber", sagte Ehemann Helmut Sieghörtner auf Nachfrage.

Dass der Aufwand immer größer wird, dafür sorgen nach Überzeugung der Standbeschicker am Eberner Bauernmarkt auch die behördlichen Aufseher. Christina Seebach-Künzel, die für die Tourismus- und Werbegemeinschaft die monatliche Veranstaltung organisiert, weiß von ihren Partnern, die auch auf Märkten in Schweinfurt, Coburg und Bamberg vertreten sind, dass "die Gesetze überall gleich sind, in den Haßbergen aber ganz genau hingeschaut wird".

Das
sieht auch Helmut Sieghörtner so. Frustriert stellt er fest, dass unsere Knetmaschine "seit 30 Jahren im Einsatz war und erst vor sechs Jahren frisch verzinkt wurde".

Und jetzt soll sie nicht mehr taugen? Nach einer Hofkontrolle kam ein entsprechendes Schreiben aus dem Landratsamt", das zur Entscheidung der Sieghörtners führte, die Brotbackerei komplett einzustellen. "Ein Neukauf für 18 000 Euro hätte sich nicht mehr rentiert."


Daran knabbern viele Eberner

Ein Entschluss, an dem nicht nur die vielen Kunden in Ebern zu knabbern haben. "Die war doch in jedem Monat ausverkauft", trauerten Eberner Geschäftsleute jüngst bei der TWG-Jahresversammlung dem Verlust an Genuss und Tradition nach. "Ich habe so viel eingekauft, dass es - im Kühlschrank aufbewahrt - bis zum nächsten Bauernmarkt reichte", schwärmte ein Einzelhändler. Und TWG-Vorsitzender ergänzt: "Frau Sieghörtner war vom ersten Tag dabei und es gab nie Klagen über Qualitätsmängel."

In diesem Zusammenhang hob eine Welle der Beschwerden über behördliche Gängelei an. "Welcher Besucher des Glühweintreffs legt denn Wert auf einen Eichstrich? Kein Mensch, aber neue Tassen mussten angeschafft werden", erinnerte Manfred Künzel an noch so eine Auflage. Unserer Redaktion ist der Fall einer Gastwirtin bekannt, die das Brot backen für das eigene Dorfwirtshaus einstellte, nachdem zwei tote Fliegen auf dem Fensterbrett dem Besucher aus der Lebensmittelüberwachung ein Behördenschreiben wert war.

Der Abschied ist Carola Sieghörtner bestimmt nicht leicht gefallen. Denn im Verlauf der 19 Jahre hatten sich viele persönliche Beziehungen entwickelt. "Wir hatten viele Stammkunden. Die legten sogar ihre Behörden- oder Arzttermine so auf einen Freitag, dass sie dies mit einem Abstecher zum Bauernmarkt verbinden konnten", erklärte die Bäckerin vor einigen Jahren. Bei manchen Stammgästen kennt die Pettstadterin "die halbe Familie".

Über die Kollegen meinte sie: "Wir waren ein ganz schönes Trüppla", das sich gegenseitig in der Überzeugung bestärkte, dass "Beständigkeit und Durchhaltevermögen das A und O sind, auch wenn einmal nicht so viel Geld in der Kasse klingelte", war Carola Sieghörtner eines der "Zugpferde": "Da munterte der eine den anderen auf."


Treue Laufkundschaft

Eine Einschätzung, die die anderen gestern auch noch teilten: "Gemeinsam sind wir stark. Und Ebern hat ein besonderes Flair, denn wir haben eine treue Kundschaft, die bei Wind und Wetter kommt. Das ist in den größeren Städten nicht immer der Fall", lautet das Fazit eines Standbetreibers. Beim Coburger Bauernmarkt habe die Hälfte der Anbieter schon aufgegeben.

Am Freitag standen in Ebern im Schneegestöber: Biolandhof Burkard mit Käse, Milchprodukten, Eiern, Brot, Getreide, Getreideprodukte, (seit Februar 2004 in Ebern), Bio Benni : Biogemüse und Obst (seit 2015), Rudolf Koch: Liköre und Schnäpse (auch seit März 1997, also von Anfang an dabei) , Uwe Suhl mit Wurstspezialitäten und Fleisch (seit September 2007 sowie Vondran mit Fischen.

"Ich frage halt herum und suche, die anderen Marktbeschicker helfen mir dabei", umreißt TWG-Vorsitzende Christina Seebach-Künzel ihre Bemühungen um einen Nachfolger, was bei früheren Wechseln nach mühseliger Suche stets erfolgreich waren. Einen Brotbäcker hat sie dabei schon im Auge. "Aber die backen immer freitags, haben somit niemanden für den Verkauf."
F
ür Unverständnis bei vielen Eberner Kunden sorgen die kontraproduktiven Auflagen der Behörden aus einem anderen Grund. "Das Landratsamt war doch damals am Aufbau des Bauernmarktes beteiligt", erinnerte sich eine Frau. In der Tat: Die Stände wurden vom Aurena-Projektes des Landkreises gebaut, die Anschubfinanzierung erfolgte aus Staatsmitteln. Jetzt hätten staatliche Aufseher einer bewährten Teilnehmerin den Garaus gemacht.


"Nur kleinere Beanstandungen"

Aus dem Landratsamt hieß es dazu, dass der Betrieb im vergangenen Jahr insgesamt drei Mal kontrolliert wurde - in der Backstube und auch auf dem Eberner Bauernmarkt. Dabei wurden verschiedene Mängel festgestellt. Bis auf eine Ausnahme handelte es sich um leicht abzustellende Mängel. Dazu zählen die Lebensmittelüberwacher die "suboptimale Allergenkennzeichnung und das verbesserungsbedürftige Schädlingsmonitoring", wie es wörtlich in einer Erklärung heißt.

Landratsamtssprecherin Monika Göhr: "Der Hauptmangel in der Backstube betrifft die Schüssel der Brotteig-Knetmaschine, die stark verbraucht und dadurch schwer zu reinigen war.
Bei einer Nachkontrolle - einen Monat später im September 2015 - wurden im Prinzip nur kleinere Hygienemängel festgestellt, die ohne großen Aufwand zu beheben wären. Ausnahme: die Schüssel der Knetmaschine, die instand gesetzt oder erneuert werden müsste."

Und weiter heißt es aus der Behörde in Haßfurt: "Unser Verbraucherschutz hat dem Betrieb eine Frist bis Ende des Jahres gegeben, um den Mangel der Knetmaschine zu beheben. Außerdem wurde der Tipp gegeben, dass es auch die Möglichkeit gibt, von aufgelassenen Bäckereien eine gebrauchte Maschine günstig zu erwerben. Offenbar hat sich der Betrieb entschlossen, nicht mehr zu investieren."