Die für viele Zuhörer überraschende Wende kam nach eineinhalb Stunden: Richter Uwe Bauer bat die Prozessbeteiligten ins Besprechungszimmer. Danach wurde am Bamberger Landgericht am Donnerstag die Berufungsverhandlung gegen den Rentweinsdorfer Bürgermeister Willi Sendelbeck (SPD), der den Jagdhund "Alex" eines Nachbarn angeschossen haben soll, gegen eine Geldauflage von 5000 Euro eingestellt.

Zu diesem Zeitpunkt hatte das Schöffengericht zwei der zehn geladenen Zeugen und den Angeklagten gehört. "Ich hab' auf den Hund nicht geschossen, deshalb bin ich unschuldig und erwarte einen Freispruch", verkündete Sendelbeck, der zwischenzeitlich auch seinen Verteidiger gewechselt hatte, gleich zu Prozessauftakt.

Nach dem Richterspruch klang's entsprechend anders: "Ich bin von der Einstellung nicht begeistert, weil ich zahlen muss, obwohl ich nichts Unrechtes getan habe", sagte der 65-Jährige. "Ich kenne die Akte in- und auswendig, hatte schlaflose Nächte." Sein Verteidiger besänftigte ihn: "Es ging um die Frage, ob nach den vorliegenden Aussagen auch ein Verurteilung erfolgen muss?"

Zwischenzeitlich hatte man Sendelbeck heftig gestikulierend im Gespräch mit seinem Verteidiger, Anwalt Christoph Lang aus München, auf den Gängen des Bamberger Justizpalastes beobachten können, während Staatsanwalt Dr. Christopher Rosenbusch sich in Richtung Chefetage zurückzog.

Neue Erkenntnisse

Zwei Stunden nach Verhandlungsauftakt verkündete Richter Bauer denn auch "die Zustimmung zum angedachten Verfahren" - die Einstellung, da sich neue Anhaltspunkte ergäben hätten, die einen anderen Ablauf der Geschehnisse am Gründonnerstag 2011 für denkbar machten.

Der Kammervorsitzende zweifelte nach Anhörung von Tierarzt und Kripobeamten die Glaubwürdigkeit der weiteren Zeugen an. Dies auch vor dem Hintergrund, dass der Verteidiger einen Ortstermin beantragte hatte, um den Grenzbereich der Nachbargrundstücke anzuschauen. Dabei sollte geklärt werden, ob der Nachbar aufgrund des vom ihm angegebenen Standortes überhaupt die Möglichkeit hatte, die Position Sendelbecks an diesem Morgen um 6.30 Uhr einzusehen. Der Richter: "Ich denke, der Angeklagte hat die Örtlichkeit ehrlich dargestellt." Keinen Hehl macht der Richter aus der Tatsache, dass ihm an einem Ortstermin nicht gelegen war. "Herr Verteidiger, mit dem Antrag auf Inaugenscheinnahme hatte ich schon gerechnet und mich entsprechend auch kundig gemacht."

Kritik an Ermittlern

Gleichzeitig rügte er die Ermittlungen der Kriminalpolizei, die "im April 2012 schon Aufnahmen von den Gegebenheiten hätte machen können". Staatsanwalt Rosenbusch erkannte an, dass "die Situation vom April 2011 kaum nachvollziehbar ist".

Richter Bauers Bedenken; Die unterschiedliche Bewertung des Standortes eines der Hauptzeugen, der Sendel-beck an diesem Morgen mit Gewehr haben wollte, anhand einer Karte des Kripobeamten sowie die Aussage des Tierarztes, der den Hund zuletzt behandelt, geröntgt und operiert hatte. Demnach war der Hund "nicht mehr in einem Topzustand", so des Richters Zusammenfassung, trotz der zwei metallischen Partikel im Körper des Tieres. Der Tierarzt räumte ein, dass diese Schrotkugeln auch schon früher verpasst worden sein könnten und die inneren Blutungen eher von einer Schreckreaktion bzw. einem Tritt oder Sturz herrührten.