Seit Monaten wird das Thema der Errichtung einer zentralen hausärztlichen Bereitschaftspraxis für den gesamten Landkreis am Haßfurter Krankenhaus in der Bevölkerung heiß diskutiert. Daran hat sich, zumindest was den Raum Ebern und Umgebung betrifft, auch nichts geändert, nachdem ind er vergangenen Woche ein Vertrag zwischen der kassenärztlichen Vereinigung (KVB) und wichtigen Entscheidungsträgern in Haßfurt unterzeichnet wurde. Damit scheint for mal alles entscheiden zu sein. Doch damit wollen sich die Kritiker, allen voran Mitglieder der Frauen-Union (FU) Ebern laut einer Pressemitteilung nicht zufrieden geben.

Vielen Bewohner aus dem nördlichen Landkreis fürchten laut Mitteilung der FU-Vorsitzenden Simone Berger aus Rentweinsdorf nach wie vor, dass es zu einer Verschlechterung im Krankheitsfall kommt, "weil dann kein Hausarzt in und um Ebern mehr an Wochenenden und an Feiertagen da ist, sondern die Bürger die
zentrale Bereitschaftspraxis am Haßfurter Krankenhaus nutzen müssen".

Diese Bedenken hatten die FU Ebern dazu bewogen, zusammen mit der CSU vor Ort, Unterschriften gegen die Pläne zu sammeln, die Bereitschaftsdienste an nur einem Ort im Landkreis, also in Haßfurt, zu zentralisieren. Wie FU-Ortsvorsitzende Simone Berger mitteilt, sind insgesamt über 3000 Unterschriften gesammelt worden, die nun im Bayerischen Landtag in München an die Bayerische Staatsministerin für Gesundheit und Pflege Melanie Huml in München übergeben wurden.

Über eine Stunde nahmen sich den Angaben zufolge die Ministerin, Mitarbeiter ihres Hauses, MdL Vogel und die Vertreter des KVB Zeit, um die Beweggründe für die Einführung einer zentralen Bereitschaftspraxis zu erläutern, aber auch um der Eberner Delegation zuzuhören. Den Ebernern ging es vornehmlich um die Idee, in Ebern eine ergänzende Bereitschaftspraxis zu installieren, um den Menschen im östlichen Landkreis und im Itzgrund unzumutbar weite Wege und lange Fahrtzeiten zu ersparen.

Die Ministerin machte deutlich, dass die Organisation der ärztlichen Versorgung, der sogenannte Sicherstellungsauftrag, auf die KVB als Selbstverwaltungskörperschaft übertragen sei und das Ministerium nur dann eingreifen könne, wenn die KVB etwas offensichtlich Rechtswidriges machen würde.


Teil eines Pilotprojekts

Die KVB hat dabei klargestellt, dass eine zentrale Bereitschaftspraxis in Haßfurt eingerichtet werde und daran aus ihrer Sicht auch nicht mehr gerüttelt werden wird. Sie sei Teil eines von sieben Pilotprojekten in Bayern, die wissenschaftlich begleitet, sensibel geprüft und gegebenenfalls nachgebessert würden. Diese Pilotprojekte enden jeweils nach 18 Monaten, wie es Dr. Christian Pfeiffer, der Vorstandsbeauftragte der KVB für Unterfranken, darstellte.

Die Eberner Vertreter stellten ihrerseits heraus, dass es ihnen nicht um die Frage Haßfurt oder Ebern gehe, sondern darum, dass der Landkreis zu groß sei und man deshalb sowohl in Haßfurt, als auch in Ebern eine solche Bereitschaftspraxis wolle.

Diesem Anliegen konnte oder wollten die KVB-Vertreter laut Simone Berger nicht entsprechen. Sie betonten vielmehr, dass man für zwei Bereitschaftspraxen nicht genügend Ärzte finden würde, da die Mediziner nach dem derzeitigen Modell an der Grenze der Belastbarkeit seien. Auch versicherten die KVB- Vertreter, dass es sich um ein Modellprojekt handle und man laufend überprüfe, ob die Bevölkerung versorgt sei oder nicht.

Auch wenn sich die Ministerin betont für eine regionale Versorgung, insbesondere der Bevölkerung in ländlich strukturierten Bereichen aussprach, konnte eine zusätzliche Bereitschaftspraxis für den nördlichen Bereich des Haßberg-Kreises im Eberner Krankenhaus für die erste Laufzeit des Projektes nicht in Aussicht gestellt werden.
Für Skepsis in der Bevölkerung gegenüber Neuerungen habe man Verständnis, in den Regionen, in denen das neue Modell der zentralen Bereitschaftspraxen bereits eingerichtet wurde, habe es aber nur positive Rückmeldungen gegeben, sagten die KVB-Vertreter.
"Zudem ist gesetzlich geregelt, dass stets die Bevölkerung ausreichend versorgt werden müsse", erklärte Rainer Allert, Leiter des Referats vertragsärztliche Versorgung im Staatsministerium. Dies werde in allen Bereichen des Haßberg-Kreises ergänzend mit einem dynamischen Fahrdienst gewährleistet.
Als die CSU-Vorsitzende Gabriele Rögner einwarf, dass ja bekanntlich nichts "in Stein gemeißelt ist, schon gar nicht in der Politik! "- erklärte die Ministerin, dass sie aufgrund der Unterschriften als Rechtsaufsicht sensibilisiert sei und ein besonderes Auge darauf haben werde, ob das Politprojekt gerade auch für die Menschen in und um Ebern gut laufen wird. Ebenso falls Nachbesserungen erforderlich werden, würden diese bewertet und mit einfließen.
Simone Berger merkte an, dass große Verunsicherung in der Bevölkerung herrsche. Die Frauenunion und die CSU wollen jetzt eine Informationsveranstaltung mit allen Vertretern der KVB organisieren und alle interessierten Bürger einladen, mitzudiskutieren.