Das Landratsamt Forchheim hat erstmalig eine Konferenz vollständig online durchgeführt, mit laut Pressemitteilung positiver Resonanz der Teilnehmer.

Nach dem Fachvortrag von Professorin Nicole Strüber zum Schwerpunkt, warum Kleinkinder die "echte" Welt zum Lernen und Verstehen brauchen und nicht die digitale, ging es in zwölf verschiedenen Arbeitsgruppen darum, wie wichtig das Vertrauensverhältnis der Eltern zu ihren Kindern ist. Im Internet kann Kindern schnell etwas passieren, was sie nicht überblicken oder wovor sie sich ängstigen. Deshalb seien der gütige, jedoch kritische Blick der Eltern und das offene Gespräch unersetzbar.

In der Gruppe "Tablet und Teddybär", moderiert von Annette Krautheim-Schneider und Tanja Kipka von der Erziehungsberatungsstelle der Caritas in Forchheim, konnten die Teilnehmer über ihr eigenes Medienverhalten und die Auswirkungen auf das Zusammenleben mit ihren Kindern reflektieren. Anschaulich wurde gezeigt, wie irritiert Kinder reagieren, wenn ihre Eltern durch das Handy abgelenkt sind und dadurch die Kommunikation mit ihren Kindern gestört wird. Tipps zu Medienregeln mit Kleinkindern in der Familie und wie man zu viel Medienkonsum erkennen kann, rundeten den Workshop ab.

Daniel Schiller von der Akademie für Philosophische Bildung und Werte-Dialog der Gesellschaft zur Förderung beruflicher und sozialer Integration (GFI) konnte in einem intensiven Austausch über die digitale Welt vermitteln, dass Philosophieren nützlich sein kann, sich wieder mit der realen Welt zu verbinden.

Im Arbeitskreis von Stefan Kraus, Beratungsrektor digitale Bildung und Experte im Referentennetzwerk der Stiftung Medienpädagogik Bayern, zu den Kindergartenkindern interessierte eine Fragestellung nahezu alle Eltern: Wie viel Bildschirmzeit ist für Kinder in Ordnung? Die Quintessenz war: Es gibt zum einen das eher passive Konsumieren von Medieninhalten (manchmal auch von fragwürdiger Qualität) und auf der anderen Seite die Möglichkeit, aktiv und kreativ mit Medien umzugehen: Medien als Werkzeug, eigene Medienprodukte zu schaffen. Während im ersten Fall eine eher enge zeitliche Begrenzung noch sinnvoll erscheint, greifen rigide zeitliche Limits bei kreativem Medienumgang schnell zu kurz.

Auch bei den Jugendlichen gilt, egal ob digitale Spiele oder soziale Medien - die Dosis macht's. Daher empfahlen Hendrik Odendahl von "Digitaltraining" und Veit Schott, Beratungsrektor und Experte im Referentennetzwerk der Stiftung Medienpädagogik Bayern, klare Regeln für Eltern und Kinder wie einen "Mediennutzungsvertrag" - Vorlagen unter www.mediennutzungsvertrag.de. Auch der Austausch mit den Eltern der Freunde der Kinder sei hilfreich, um sich über alternative Messengerdienste zu Whatsapp zu entscheiden.

Verrohung der Sprache

Verrohung der Sprache, Hass und die Verbreitung heimlich aufgenommener Fotos muss niemand einfach hinnehmen, sondern jeder kann sich wehren: sei es mit Unterstützung der Polizei und dem Rechtsweg oder auch durch Runde Tische an den Schulen. Rechtsanwalt Steffen Batscheider, Ines Hensch von "Love-Storm" (Bund für Soziale Verteidigung) und Hendrik Odendahl von "Digitaltraining" erklärten anhand von realen Beispielen, wie man gemeinsam mit Zivilcourage und rechtlichen Grundlagen eine Basis für ein kollegiales Miteinander schaffen kann.

"Wenn etwas bei Whatsapp eingestellt ist, gehört es nicht mehr mir", erläuterte Matthias Dossenbach, Fachberater Informatik für Oberfranken, die Freigiebigkeit, mit der Nutzer heutzutage in den sozialen Medien vieles preisgeben, was ihnen möglicherweise zu einem späteren Zeitpunkt Probleme bereiten kann. Niemand käme auf die Idee, dass ein Vortrag aus der Schulzeit noch Jahrzehnte später die Einreise in ein Urlaubsland erschweren könnte.

Für den Heimunterricht

Zu den für den Heimunterricht benötigten Videokonferenz-Werkzeugen, vorgestellt von Stefan Kraus, Beratungsrektor und informationstechnischer Berater digitale Bildung für Grund- und Mittelschulen, und Christopher Schön, Leiter des Medienzentrums Forchheim, waren die Teilnehmer sehr interessiert daran, welche Programme mit gutem Gewissen datenschutzrechtlich eingesetzt werden können. In diesem Bereich sieht sich der Landkreis Forchheim seit dieser Woche sehr gut aufgestellt: Der Landkreis finanziert im Schulamtsbezirk Forchheim die Bereitstellung eines eigenen Videokonferenzservers, der unter Einhaltung der datenschutzrechtlichen Vorgaben (DSGVO) exklusiv für die Schulen betrieben wird. Die Fortbildungsveranstaltungen für Lehrkräfte finden dazu in den Herbstferien statt, online.

Zum kritischen Medienkonsum startet im November die Kampagne mit dem Tipp des Monats für Eltern: "Posts auf Facebook oder Whatsapp strafbar?!" red