Nach fast eineinhalb Jahren teilweisem bis völligem Lockdown in der Corona-Pandemie schwant Kai Konrad nichts Gutes. Der Gruppenchorleiter der Sängergruppe Bayreuth-Hof-Kulmbach-Wunsiedel ist zumindest gespannt, wie und ob sich die bislang 129 Gesangvereine mit 3836 Aktiven der Sängergruppe nun wieder zusammenfinden. Die Laienchöre leiden schon seit Jahren ohnehin unter Nachwuchsmangel. Nach der monatelangen notgedrungenen Proben- und Konzertpause fürchtet er, dass nun auch die älteren Sängerinnen und Sänger nicht mehr zurückkommen könnten und "nach Corona im ganzen Land ein massives Chor-Sterben einsetzen könnte". Deshalb sieht er jetzt nicht nur die musikalischen Leiter, sondern insbesondere auch die Vereine selbst in der Pflicht, die Aktiven wieder zusammenzubringen und gegebenenfalls neue Wege zu gehen.

Soweit in der jüngsten Zeit überhaupt erlaubt, habe es "viele Chöre gegeben, die gerne geprobt hätten, aber nicht die Räume dafür hatten". Denn vorgeschrieben war ein Abstand von mindestens zwei Metern von Sänger zu Sänger. Der Proberaum musste sich zudem gut belüften lassen. Am besten sollte es getrennte Ein- und Ausgänge geben. "Aber viele proben in Vereinsheimen und Gaststätten. Da sind diese Voraussetzungen meist nicht gegeben", sagt Konrad. Deshalb hätten viele Chöre seit März 2020 eigentlich gar nicht mehr geprobt. Trotz der jetzigen Lockerungen hält Konrad dennoch gravierende Folgen für unvermeidlich: "Die meisten Chöre haben viele ältere Sänger, oft über 70. Die sagen sich vielleicht: Jetzt habe ich so lange nicht mehr gesungen, da fange ich nicht wieder damit an." Die Chöre würden damit weiter schrumpfen.

Gegen Konkurrenzgedanken

Deshalb empfiehlt der Kreis-Chorleiter, dass sich Chöre und Gesangvereine im Notfall zusammenschließen sollten - eine Praxis, wie sie bei Sportvereinen in der Region längst üblich ist. Die einzelnen Chöre müssten sich von der Mentalität verabschieden, nur sich selbst und benachbarte Gesangvereine als Konkurrenz zu sehen. Wenn schon nicht gleich an Zusammenschluss, so sollte man an Zusammenarbeit denken.