Ebermannstadt —  Die Ebermannstadter Seniorenvertretung "55 Plus" veranstaltet seit Jahren Radtouren mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad für Senioren. Diese werden organisiert und geführt vom Vereinsvorsitzenden Wolfgang Mehrer. Als er und Kollegin Ilse Foegelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes sahen, waren sie überrascht. "Denn nach Personenkraftwagen sind Fahrer von Fahrrädern Hauptverursacher von Unfällen mit Personenschaden", erzählt Mehrer.

Radfahrer oft Unfallverursacher

Laut dieser Statistik haben im Jahr 2019 bundesweit 43 018 Fahrradfahrer Unfälle verursacht. In den Jahren zuvor waren es weniger. Fahrer von Personenkraftwagen waren in 199 369 Fällen die Verursacher von Unfällen mit Personenschäden.

Hier ist die Tendenz sogar rückläufig, wie auch bei den Krafträdern. "Dabei wird das Radfahren immer beliebter, auch in Corona-Zeiten. Fahrräder sind kaum noch verfügbar und man muss lange darauf warten, wenn man eines gekauft hat", berichtet Mehrer und erzählt, dass er viele Senioren kennt, die das Fahrradfahren eigentlich komplett aufgeben hatten, doch nun Räder mit elektrischer Unterstützung nutzen würden.

Die Zahlen gaben Mehrer und Foegelle zu denken und sie organisierten daher für die Senioren der Region einen Vortragsabend zum Thema "Als Radler sicher durch den Verkehr". Dazu luden sie auch Polizeihauptmeister Johannes Götz von der Polizeiinspektion Ebermannstadt ins Gemeindezentrum der Pfarrei Sankt Nikolaus ein. Er sollte mit den Senioren über neue Verkehrsregeln und falsches Verhalten von Radlern sprechen.

Geisterfahrer sind gefährlich

"Prinzipiell ist es wichtig, immer auf der in Fahrtrichtung richtigen Fahrbahnseite die Straße, aber auch den Radweg, zu benutzen. Autofahrer rechnen meist nicht damit, dass auf dem Radweg oder der Fahrbahn ein ‚Geisterradler‘ entgegenkommt", sagt Mehrer.

Er wundert sich immer wieder, dass es nach wie vor Radler gibt, die nachts in dunkler Kleidung und ohne Licht am Fahrrad unterwegs sind: "Die Sichtbarkeit von Fahrrädern und Fahrern ist lebenswichtig! Daher muss gerade in der jetzigen Jahreszeit die Beleuchtung des Fahrrades funktionieren und auch genutzt werden. Ergänzt soll das Ganze durch eine helle und - wenn möglich - reflektierende Kleidung werden."

Außerdem empfiehlt er Helme, die zwar für Radfahrer nicht vorgeschrieben sind, aber im Falle eines Sturzes den Kopf ungemein schützen. Das sei gerade im Alter wichtig.

Ampel gilt auch für Radler

"Viele Radler wissen nicht, dass für sie die Ampel der Autofahrer gilt, auch wenn sie selbst auf dem Radweg fahren und keine Ampel für Radfahrer vorhanden ist", berichtet Mehrer und weist darauf hin, dass Eltern seit 2017 den Fußweg mitbenutzen dürfen, wenn sie mit ihren Kindern auf dem Rad unterwegs sind.

"2020 hat sich ja auch einiges geändert. Zum Beispiel dürfen die Radfahrer die grünen Abbiegepfeile von Autos nutzen. Da sind ja für Radler eigene grüne Abbiegepfeile geplant", so Mehrer. Außerdem dürfen Radfahrer nebeneinander fahren, dabei aber keine anderen Verkehrsteilnehmer behindern.

Autos müssen beim Überholen innerorts 1,5 Meter und außerorts zwei Meter Abstand halten. "Nicht neu, aber was vielen Radlern nicht bewusst ist, die runden blauen Schilder, auf denen ein Rad abgebildet ist, weisen darauf hin, dass der Radweg benutzt werden muss", sagt Wolfgang Mehrer. Da es beim Vortrag viele Frage gab, hat sich die Seniorenvertretung entschlossen, solche Vorträge zukünftig zusätzlich zu den Radtouren anzubieten.