Theresa schiffl Landwirte haben es nicht leicht: Oft stehen sie wegen zu hohen Nitratwerten im Grundwasser, der Glyphosat-Debatte oder generell dem Artenschutz in der Kritik. Gerade was die Glyphosat-Debatte betrifft wird sich in Zukunft einiges ändern, denn die technischen Möglichkeiten im Bereich der Unkrautbekämpfung werden ständig weiterentwickelt. Außerdem wird die Zusammenarbeit zwischen konventionellen und Bio-Bauern immer besser.

Georg Schauer, Landwirt in Neudorf und Dozent an der der Weihenstephan Universität in Triesdorf, sagt: "Es werden schon viele neue Technologien entwickelt, aber das dauert, bis es in der Praxis eingesetzt werden kann."

Neue Technologien gegen Unkraut

Mittlerweile gibt es erste Geräte wie von Blue River oder Amazone, die Unkraut erkennen und dann gezielt ein Pflanzenschutzmittel versprühen. Damit wäre kein großflächiges Versprühen von chemischem Mitteln mehr nötig. Mit Kameras fotografieren die Maschinen die Pflanzen, ein Computer wertet die Bilder aus und nur das unerwünschte Unkraut wird mit einem Pflanzenschutzmittel besprüht. Einen Haken gibt es jedoch: "Und gerade für kleinere Betriebe ist vieles nicht praktikabel und auch sehr teuer", sagt Schauer. Allgemein kosten landwirtschaftliche Maschinen viel Geld: Deswegen mieten Schauer und Sebastian Dirauf, der Bio-Eier verkauft, das Güllefass von Markus Weiss. Und Schauer vermietet sein Gerät zur Aussaat von Mais wiederum an Dirauf. "Es sollten nicht mehr alle so sehr als Einzelkämpfer denken", sagt Schauer und Dirauf nickt zustimmend.

Alles hat seine Vor- und Nachteile

Eine weitere Möglichkeit ist die mechanische Bearbeitung von Feldern wie mit einem Striegel, wie es viele Bio-Bauern machen. "Das Problem ist, dass es keine perfekte Lösung gibt. Wenn auf meinem Feld ein Käfer auf einer Pflanze sitzt, stirbt er durch den Einsatz von Spritzmitteln, bei Basti kann es sein, dass er unglücklicherweise einmal Hasen bei der mechanischen Bodenbearbeitung erwischt", so Schauer. Außerdem wird bei der mechanischen Bodenbearbeitung mehr Diesel pro Hektar benötigt, Humus wird abgebaut und somit CO2 freigesetzt. Alles habe seine Vor- und Nachteile. "Das ist wie bei Medikamenten: Einerseits helfen sie gegen eine Krankheit und auf der anderen Seite haben sie Nebenwirkungen", meint stellvertretender Kreisobmann Lothar Teuchgräber vom Bayerischen Bauernverband.

Ein Problem sei außerdem, dass es kaum mehr kleinere Metzgereien und Bäckereien in den Dörfern und Städten gibt. "Die Transportwege waren kürzer und die Leute haben zum Beispiel bei Fleisch und Wurst gesehen, wie alles produziert wurde. Außerdem war noch mehr Nähe zur Landwirtschaft da. Viele wissen gar nicht mehr, was auf einem Bauernhof passiert", so Teuchgräber. Das sei oft sehr zermürbend. "Wenn man nur immer kritisiert wird, höhlt einen das irgendwann aus und man ist extrem gefrustet."

Eine weitere Herausforderung sind immer höhere Standards bei der Produktion. "Das ist prinzipiell gut, aber deshalb sind die ganzen kleinen Familienunternehmen verschwunden", sagt Schauer. Gerade für seinen Kollegen und Nachbarn Sebastian Dirauf sei das belastend. "Wenn bei konventionellen Landwirten die Auflagen immer höher werden, muss ein Bio-Bauer noch mehr leisten", erklärt Schauer.

Der internationale Handel sei ebenfalls ein wichtiger Aspekt der Landwirtschaft: acht Millionen Tonnen Getreide wurden von Deutschland in andere Länder geliefert. Ein Nachteil ist, dass beim Import Bio-Waren aus dem Ausland kommen, die von den Standards her unter den deutschen liegen. "Trotzdem steht aber Bio auf der Verpackung", kritisiert Schauer.

Diese Herausforderungen und der Druck, unter dem Landwirte stehen, bleiben den Konsumenten verborgen. Mittlerweile ist Klima- und Umweltschutz in aller Munde. Und dennoch kaufen viele vor allem eins: billige Produkte. "Gute Lebensmittel und gute Qualität kostet einfach mehr Geld", sagt Schauer. Trotzdem greifen viele zur Wurst aus der SB-Theke, kritisiert Lothar Teuchgräber. "Wenn die Nachfrage nach Bio-Produkten größer wäre, würden wir da sofort reagieren."