Schön war sie nicht, die jüngste Versammlung des Obst- und Gartenbauvereins in Oberreichenbach. Elke März-Fährmann hätte die außerordentliche Sitzung lieber nicht einberufen. Aber es gab keinen anderen Ausweg mehr: "Da sich in den letzten Versammlungen kein neuer Vorstand gefunden hat, sehen wir uns nach fünf Jahren der Stilllegung nun leider gezwungen, den Verein aufzulösen", erklärte die Vorsitzende.
Ihr fiel es sichtlich schwer, den Antrag auf Auflösung des seit 1985 bestehenden Vereins zu stellen. Den Großteil der Mitglieder schien das indes nicht zu interessieren: Obwohl auf der Mitgliederliste 114 Namen stehen, waren neben der Vereinsführung nur drei Mitglieder anwesend. Darunter auch Bürgermeister Klaus Hacker: "Das ist heute kein erfreulicher Anlass, auf dem Weg hierher war es mir, als ginge ich zu einer Beerdigung", bedauerte das Gemeindeoberhaupt. Der Verein habe das Dorfbild maßgeblich mitgestaltet und trug nicht nur zur Dorfverschönerung bei, sondern kümmerte sich auch um den Baumschnitt. "Es ist schade, dass die meisten Leute nicht mehr für ein Ehrenamt zu motivieren sind und deshalb dieser Schritt getan werden muss."


Zu wenig Engagement

Auch der Kreisvorsitzende Otto Tröppner bedauerte die Auflösung des Vereins und vermisst in vielen Bereichen das ehrenamtliche Engagement. "Es ist nicht leicht, aber man muss sich der Realität stellen." Tröppner glaubt, das liegt auch daran, dass die typischen Hausgärten mehr und mehr verschwinden und immer weniger Gemüse angebaut wird. Vor allem junge Berufstätige mit Familie wollten demnach keinen Gemüsegarten mehr der Arbeit mache, schließlich gäbe es alles im Supermarkt. Dabei brach Tröppner eine Lanze für selbst angebautes Gemüse, denn da weiß der Gärtner selbst, dass es chemiefrei wächst. "Es ist halt eine Entwicklung, die Gesellschaft hat sich verändert." Auch die Vorträge bei den Gartenbauvereinen seien nicht mehr so gefragt wie früher, schließlich komme man inzwischen auch per Mausklick im Internet an sämtliche Tipps und Ratschläge.


Reaktivierung möglich

Sowohl der Bürgermeister als auch der Kreisvorsitzende, brachten jedoch zum Ausdruck, dass der Schritt ja nicht unumkehrbar sei. Der Verein lasse sich schließlich jederzeit wieder aktivieren. Bis dahin könnten sich die verbliebenen interessierten Mitglieder den benachbarten Vereinen in Weisendorf und Aurachtal anschließen. Michèle Becker vom Heimat- und Gartenbauverein Aurachtal bekräftigte, dass Zuwachs aus Nachbargemeinden durchaus willkommen sei.
Nach dem Kassenbericht und der Zustimmung der zehn Stimmberechtigten blieb der Vorsitzenden nur noch das Schlusswort. Zuvor ließ Elke März-Fährmann über das Vereinsvermögen abstimmen, das laut Satzung der Gemeinde für gemeinnützige Zwecke zufällt. Auch die vorhandenen Geräte und Werkzeuge werden dem gemeindlichen Bauhof übergeben, der künftig einige Pflegemaßnahmen mehr durchführen muss. Das Vermögen möchte der Bürgermeister für Bäume und Bienenweiden verwenden.
Die Vorsitzende bedankte sich abschließend bei der Gemeinde und der Vereinsführung und fand noch ein paar tröstliche Worte: "Der Verein hat bei seinen Veranstaltungen Menschen zusammengeführt und vor allem auch Neubürger in das Dorfleben integriert."