So etwas sieht man nicht alle Tage: Das halbe Dorf war auf den Beinen, als sich die Mitglieder des Bau- und Umweltausschusses am Montagabend im Baugebiet "Am Bühl" in Windheim trafen. Der Grund: Bei der Stadtratssitzung zuvor hatte sich eine Windheimerin über das Einebnen einer Blumenwiese beschwert. Daraufhin hat Bürgermeister Michael Kastl (CSU) für die Sitzung am Montag kurzfristig einen Vor-Ort-Termin anberaumt. Zwar seien noch nicht alle Fragen beantwortet, sagte er, aber: "Es geht nichts über die Ortseinsicht." Und die nahmen auch viele Windheimer wahr, die ihrem Ortsreferenten Klaus Schebler den Rücken stärken wollten.

Von Klaus Schebler genehmigt

Die Beschwerde der Windheimer Familie in Kurzform: Nach ihren Angaben wurde eine Blumenwiese auf einem städtischen Grundstück "Am Bühl" eingeebnet und "tiefer gelegt". Dies habe Umweltreferent Klaus Schebler genehmigt. Als Grund sei angegeben worden, dass bei Starkregen Verschmutzungen bei der Fassade des Nachbarn entstanden seien. Nach Ansicht der Familie müssten solche Entscheidungen aber von den Stadt-Organen getroffen werden und nicht eigenmächtig von einem Stadtratsmitglied als Gefälligkeitsdienst für den Anwohner, mit dem Klaus Schebler befreundet sei.

In der Beschwerde verweist die Familie auch noch auf andere scheinbare Ungereimtheiten. Es wird auch auf eine bisher unbearbeitete vorherige Beschwerde verwiesen, nach der ein anderer Anwohner das Regenwasser eines überdachten Stellplatzes auf das Nachbargrundstück (Weg) entsorgt.

Keine Kosten für die Stadt

Klaus Schebler hat dazu eine Stellungnahme verfasst und diese mit Bildern unterlegt. Diese zeigen unter anderem, wie das Wasser am Haus des Nachbarn steht, bevor die Blumenwiese eingeebnet wurde. Ein weiteres Foto zeigt das Grundstück nach dem Eingriff, bei dem auch ein Graben gezogen wurde, damit das Wasser abfließen kann. Die Arbeiten seien auf Kosten des Nachbarn ausgeführt worden, der nun auch wieder eine Blumenwiese angesät habe. "Unsere Aufgabe als Stadträte ist es unter anderem auch, Schaden vom Bürger abzuwenden, und genau dieses habe ich als Ortsreferent getan", schreibt Klaus Schebler in der Stellungnahme. Er sieht auch bei der Entwässerung des Stellplatz-Daches des anderen Anwohners kein Problem.

"Das Thema macht die Runde", sagte Michael Kastl bei der Ortseinsicht. Deshalb wollte er es auch noch vor der Sommerpause angehen. Zwar seien noch nicht alle Punkte geklärt, das Wesentliche sei aber erfasst.

Der Boden lasse kein Wasser durch, außerdem habe es früher hier sogar einen See gegeben, erläuterte Klaus Schebler. Vom Nachbarn des städtischen Grundstücks mit der früheren Blumenwiese sei er auf das Problem mit dem Wasser aufmerksam gemacht worden. "Ich war entsetzt, wie das Wasser rüber gelaufen ist", betonte er. Die Gefahr hätte beseitigt werden müssen, deshalb habe er die Arbeiten erlaubt. Der Stadt seien keine Kosten entstanden, weil der Nachbar die Baggerarbeiten bezahlt hat. Der Nachbar habe auch den Blumenwiesen-Samen gekauft. Dann wurde Klaus Schebler deutlich: "Wenn jemand meint, dass es die falsche Entscheidung war, dann höre ich auf", sagte er. Die vielen Ortsbewohner, die dabei waren, machten allerdings deutlich, dass sie hinter ihm stehen und das nicht wollen. Viele sahen eher in der Beschwerde führenden Familie das Problem. Norbert Schreiner (Forum aktiv) wollte wissen, ob auf dem städtischen Grundstück Erdaushub gelagert wurde. Das sei mehrfach der Fall gewesen, sagte Klaus Schebler dazu, aber das sei schon länger her. Dass die Überschwemmung bei dem Nachbarn durch gelagerten Erdaushub entstanden sei, schloss der Ortsreferent definitiv aus. Während der Diskussion machte er auf ein früheres Problem an einer anderen Stelle in Windheim aufmerksam, wo es ebenfalls Probleme mit Überschwemmungen bei Starkregen gab. "Da oben handeln wir, und hier lassen wir sie absaufen?"

Dann drohte die Situation ein wenig aus dem Ruder zu laufen, weil ein Windheimer das Wort übernahm und die Beschwerde führende Familie angriff. Er könne das Wort nicht erteilen, sagte der Bürgermeister. Klaus Schebler schlug vor, das Thema bei der anstehenden Bürgerversammlung anzusprechen und bat die anwesenden Windheimer, die Regeln zu beachten. "Ich weiß, dass euch der Kittel brennt, mir auch, aber es geht nicht anders", sagte er.

Ihm sei es wichtig gewesen, dass es dieses Treffen gibt, das Thema lasse sich eh nicht unter dem Deckel halten, sagte der Bürgermeister. Die Verwaltung sei dran, es gebe noch ein paar Fragen zu klären. Der Stadtrat müsse objektiv und emotionslos entscheiden, betonte das Stadtoberhaupt. Anschließend sahen sich alle noch die Entwässerung der Stellflächen-Überdachung an.

Noch offene Fragen

Bei der anschließenden Sitzung in der Münnerstädter Alten Aula nahm Michael Kastl das Thema noch einmal kurz auf. Die Ortseinsicht sei wichtig gewesen, weil jeder Stadtrat auf das Thema angesprochen werden könnte. Er betonte noch einmal, dass die Aktion nicht über die Verwaltung und den Bürgermeister gelaufen ist. "Wir haben einiges zu klären", sagte er: "Wer hat was gemacht, was hat das für Folgen, und wie gehen wir damit um?"