Drei Männer stehen in einem Maisfeld rund 600 Meter hinter Blumenrod. "Da hinten soll es hin", sagt Marius Steiner, dem der Acker gehört. "Es", das ist ein Folienerdbecken für Gülle. Ein anderes Wort ist Güllelagune. "Das klingt halt schlimm", sagt Thomas Knoch. Er ist, wie Matthias Kempf, einer der drei Bauherren für das Becken und sie nennen es lieber ein wenig neutraler Erdfolienbecken. Umstritten ist es so oder so.

Die drei Männer verstehen die Aufregung nicht. "Wir bauen das nicht zum Spaß, sondern um unsere Familien weiter ernähren zu können", sagt Marius Steiner. Und: "Letztendlich geht es doch um Umweltschutz." Tatsächlich sind es Umweltvorschriften, die den Bedarf nach mehr Stauraum für die Landwirte mit Tierhaltung verursacht haben. Die Landwirte dürfen nicht mehr so viel Gülle pro Hektar ausbringen wie früher. Die Zeit, in der sie das dürfen, ist kürzer geworden, und es gibt immer mehr Flächen, auf die sie gar keine Gülle mehr fahren dürfen.

Der Bausenat der Stadt hat das Vorhaben allerdings abgelehnt - sein Einvernehmen nicht erteilt, wie es behördlich heißt. Bürgermeister Marco Steiner (FW) sagt: "Wenn es nur um eine Lagermöglichkeit für den Betrieb von Marius Steiner gegangen wäre, hätte es anders ausgesehen." So aber würde Gülle von drei Landwirten nach Blumenrod gebracht und später wieder abgeholt. Bürger fürchten Emissionen und der Senat den Beginn einer Serie von immer weiteren Güllebecken.

Dass etwas im Außenbereich gebaut werden darf, erfordert eine so genannte Privilegierung. Ob die in diesem Fall gegeben ist, erschließt sich dem Bausenat anhand der vorgelegten Unterlagen nicht, sagt Marco Steiner. Der Senat hätte sich genaue Angaben über Viehbestände und bisher vorhandenen Stauraum für Gülle gewünscht, um das prüfen zu können, habe das aber nicht bekommen.

Dem widersprechen die Bauwerber. Das alles mussten sie einreichen, damit das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) den Bedarf und den Status als privilegiertes Bauvorhaben prüfen kann. Von dort, oder vom Landratsamt hätte das ihrer Meinung nach das Bauamt der Stadt auch bekommen können. "Da Bürgermeister Steiner gelernter Verwaltungsmann ist, dürfte ihm bekannt sein, wie Genehmigungsunterlagen zu lesen sind und wo man welche Berechnung findet", sagt Martin Flohrschütz, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV). Für ihn steht fest: "Der Bausenat hat nur darüber zu entscheiden, ob das Erdbecken genehmigungsfähig ist oder nicht." Nach seinem Kenntnisstand erfülle das Becken alle Voraussetzungen, die zur Genehmigung erforderlich sind. Und er sagt: "Alle, ausnahmslos alle notwendigen Unterlagen zur Genehmigung lagen der Stadt vor."

Die hat als bisher letzten Beschluss dazu weiter ihre Zusage verweigert. Das Landratsamt hat allerdings den Bauherren signalisiert, dass es das Vorhaben genehmigen wird. Das Einvernehmen der Stadt wird dabei ersetzt. Daher hat der Senat vorsorglich beschlossen, dass sich die Stadt vorbehält, gegen eine Genehmigung zu klagen. Steiner weiß dabei, dass ihm persönliche Gründe vorgeworfen werden könnten. Schließlich wohnt er selbst in Blumenrod. Doch er verweist auf mehr als 100 Unterschriften gegen den Bau, die im Dorf gesammelt wurden.

Wenn die Bauherren trotz Klage der Stadt mit den Arbeiten beginnen, riskieren sie, dass die Stadt Recht bekommt und sie auf eigene Kosten alles zurückbauen müssen. "Das müssen wir uns dann genau überlegen", sagt Marius Steiner. Dürfen sie gar nicht bauen, müssten sie ihre Tierbestände reduzieren, um mit dem vorhandenen Stauraum auszukommen. Dann sei auf Dauer nichts mehr verdient, fürchten sie.

Gerne würden sie ihr Projekt Bürgern, Stadtrat und Bausenat vorstellen. "Das Angebot für ein Gespräch mit allen Beteiligten steht immer noch", sagt Martin Flohrschütz. "Die Leute wissen ja gar nicht, wie so was aussieht, dass es eingegrünt wird und im Sommer gar nicht gefüllt ist, wenn die Gülle ausgebracht ist", sagt Marius Steiner.

Der BBV erinnert daran, dass die Zahl der Tierhaltungsbetriebe in der Region schon länger rückläufig ist. Ein Grund seien die die höheren Auflagen. Verbraucher sollten aber bedenken, dass mit weniger Betrieben im Inland immer mehr Fleisch aus dem Ausland kommt - wo es möglicherweise unter weit geringeren Umweltauflagen produziert werde.