Längst vorbei sind die Zeiten, in denen die Feuerwehrleute im Einsatz auf Holzleitern und Kübelspritzen angewiesen waren. Die Anforderungen an sie sind gerade in den vergangenen Jahren exponentiell gestiegen: Vielfältige Aufgaben erfordern ein hohes Fachwissen, machen aber auch eine adäquate Ausstattung unabdingbar.

In diesem Punkt haben die Stadt Stadtsteinach und der Markt Thurnau einen Riesenschritt nach vorne gemacht. In beiden Kommunen ist seit kurzem je eine Drehleiter stationiert, die die Schlagkraft im Löschwesen wesentlich steigert. Die Fahrzeug sind schon seit Mitte vergangenen Jahres im Einsatz, wegen der Corona-Problematik wurden sie allerdings erst am Samstag offiziell vorgestellt und gesegnet (siehe Berichte unten).

Zwei baugleiche Exemplare

Für die Anschaffung mussten erhebliche Summen aufgebracht werden: Je rund 650 000 Euro kosten die absolut baugleichen und gemeinsam ausgeschriebenen Rettungsfahrzeuge, die mit einer umfangreichen Ausstattung aufwarten. Damit kann jetzt im nördlichen und im südlichen Landkreis die gesetzlich vorgeschriebene Hilfsfrist von höchstens zwölf Minuten eingehalten werden. Der Stadtsteinacher Kommandant Manuel Steinl wies im Gespräch mit der BR auf die Vorzüge des Fahrzeugs hin, das einem Quantensprung gleichkomme. Die fünfteilige Leiter könne auf eine Nennrettungshöhe von 32 Metern ausgefahren werden. "Gerade bei Dachstuhlbränden haben wir jetzt erheblich bessere Möglichkeiten."

Hilfreich dabei ist, dass er erste Teil der Leiter auf einer Länge von 4,2 Metern abknickbar und gesondert ausfahrbar ist. Das erweitert den Aktionsradius über Dächern oder Gruben. Im Ernstfall stößt ein variabler Wasserwerfer bis zu 2400 Liter pro Minute aus.

Aber auch die Fahrzeugtechnik hat einige Gimmiks auf Lager. So ist die Hinterachse des Wagens per Luft heb- und senkbar, um kritische Rampenwinkel zu meistern, bei denen das Fahrzeug aufsitzen würde. Ein vollautomatisches Wandlergetriebe sorgt für höchstmögliche Manövrierbarkeit, was in schwierigem Terrain von großem Vorteil ist.

Viele Extras

Neben dem klassischen Gebiet des Löschens müssen die modernen Feuerwehren immer mehr technische Hilfeleistungen bieten. Auch auf diesem Sektor ist das neue Fahrzeug bestens gerüstet. Es verfügt über einen wendigen Kompakt-Korb für Einsätze in beengten Bereichen. Bis zu vier Personen (400 Kilo Tragkraft) finden darin Platz. Auf der Konstruktion kann eine Trage montiert werden.

Bei der Konstruktion des Wagens haben die Ingenieure nicht nur an Menschen gedacht: Auch die Rettung von Tieren mit bis zu 500 Kilogramm ist möglich. Das Leben der Feuerwehrleute erleichtern viele intelligente Optionen wie ein computergesteuertes Schachtrettungssystem. Der sogenannte Sprungretter fängt Personen ab, die sich von einer Höhe von bis zu 16 Metern im freien Fall retten müssen. "Wir haben alle Möglichkeiten bei Tiefen - oder Höhenunfällen", unterstreicht Steinl.

Fundierte Ausbildung nötig

Um die Einsatzkräfte selbst vor Verletzungen zu schützen, stehen zahlreiche Systeme der passiven Sicherheit zur Verfügung. Hierfür gibt es ein umfangreiches Kamerasystem, das dem Maschinisten einen Überblick gewährt, wenn er von seinem Standort aus keine freie Sicht mehr hat auf das Geschehen. Sicherungseinrichtungen verhindern zudem, dass beim Ausfahren der Drehleiter eventuelle Freileitungen touchiert werden. Der sogenannte Sky-Beam schwenkt dazu Scheinwerfer nach oben, um die Szenerie auch in stockdunkler Nacht zu erhellen.

Weitere Vorkehrungen verhindern das Ausfahren der Leiter, wenn sich Einsatzkräfte auf den Sprossen befinden: Andernfalls wären schwerste Verletzungen an den Gliedmaßen die Folge. Bei dieser Fülle von Funktionen versteht es sich von selbst, dass die Maschinisten eine fundierte Ausbildung benötigen.