Sportliche Betätigung ist wichtig für die Gesundheit und macht darüber hinaus auch noch Spaß - und zwar in jedem Alter, egal ob mit oder ohne Behinderung. Doch der erste Schritt fällt oft schwer, gerade in Corona-Zeiten. Um Interessenten den Zugang zum Sport zu erleichtern, haben sich der TV 1848 und der Vitalsportverein Coburg (VSV) ein neues Angebot ausgedacht. Jeder soll sich sportlich ausprobieren können und herausfinden, welche Sportart für ihn die richtige ist. Und welcher Tag würde besser für die Vorstellung des Angebots passen als der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung, der immer am 5. Mai stattfindet.

Beide Vereine bieten zusammen fast 40 verschiedene Kurse an, die Interessenten als einmaligen Schnupperkurs kostenlos und unverbindlich besuchen können. Von verschiedenen Gymnastikvarianten, über Leichtathletik und Schwimmen bis hin zum Nordic Walking ist alles vertreten. Sogar exotisch klingende Sportarten können ausprobiert werden.

Der TV 1848 bietet zum Beispiel für Kinder und Jugendliche eine Gruppe an, die "Hobby Horsing" betreibt. Dabei handle es sich um eine finnischen Nationalsportart, wie Astrid Hess vom TV 1848 in einem Online-Pressegespräch erläuterte. Der Begriff "Hobbyhorse" bedeutet auf Deutsch Steckenpferd und genau damit ausgerüstet absolvieren die Teilnehmer einen Hindernis-Parcours, ähnlich dem beim Springreiten.

Bei den "Ninja Warriors" - ebenfalls für Kinder und Jugendliche - werden, wie in der gleichnamigen japanischen Wettkampfshow, Hindernisse überwunden. Die Teilnehmer springen über Kästen und Bänke, balancieren auf Balken und Reckstangen oder hangeln sich an Ringen vorwärts. Die teils akrobatischen Übungen sollen Kraft, Präzision und Körpergefühl fördern.

Alle Angebote im Freien

"Weil die Sporthallen coronabedingt zur Zeit noch geschlossen sind, haben wir versucht, alle Sportangebote ins Freie zu verlegen", erklärte Astrid Hess. Mit dem Schnupperangebot sollen Menschen erreicht werden, die momentan wenig Zugang zum Sport haben, so Hess, die auch Inklusionscoach in der deutschen Turnerjugend ist. Dabei denke sie an Menschen mit und ohne Behinderung, ausdrücklich auch mit geistiger Behinderung, aber auch an Menschen mit Migrationshintergrund und Kinder aus sozial schwachen Familien. "Sie finden oft nur schwer den Zugang zum Sportverein", so Hess.

Wie wichtig Sport gerade mit Behinderung ist, berichtete Fabian Müller. Er hat mit Astrid Hess' Unterstützung innerhalb von zwei Jahren eine Rollstuhl-Basketballgruppe in Coburg aufgebaut. "Wir sind sieben, acht Leute, die sich immer mittwochs treffen", so Müller. In erster Linie gehe es darum, gemeinsam erfolgreich zu sein, weniger um die Leistung an sich.

Da konnte die Vorsitzende des Vitalsportvereins (bis 2003 Versehrtensportverein), Ursula Hegendörfer, nur zustimmen. Im VSV gelte: "Egal, ob jemand eine Übung nur in eingeschränktem Maße machen kann, Hauptsache, es findet überhaupt körperliche Betätigung statt." Die Angebote des VSV richten sich in erster Linie an Erwachsene mit und ohne Behinderung. Geboten wird Reha- und Behindertensport, aber auch Klassiker wie Gymnastik, Volleyball und Schwimmen. Das detaillierte Programm ist im Internet auf www.coburg.de/sportfueralle zu finden.

Den Protesttag gibt es seit 1992, berichtete Dritter Bürgermeister Thomas Nowak. "Er soll darauf aufmerksam machen, dass es immer noch Hemmnisse beim Thema Gleichstellung von Menschen mit Handicap gibt." In Coburg liege der Schwerpunkt auf dem Prinzip Mitmachen. Es sei ein großes Anliegen, dass das Thema Inklusion im Sport vorangetrieben werde, so Nowak. Er würde sich daher freuen, wenn sich noch weitere Coburger Vereine mit eigenen Angeboten dazu gesellen würden.