Nach der Öffnung der Umgehung ist der Durchgangsverkehr mitsamt den 40-Tonnern nun raus aus der Stadt. "Nun gilt es, die Entwicklung unserer Stadt neu zu justieren", stellte Bürgermeister Roland Wolfrum zur Eröffnung des ersten Treffens des Stadtsteinacher Stadtentwicklungsforums fest, das SPD-Stadtrat Wolfgang Hoderlein bereits im Frühjahr 2020 angeregt hatte. In ihm sollen Anregungen und Wünsche der Bürger für eine lebenswertere Stadt zusammengetragen werden.

Es wird zudem professionell von einem Büro für Stadtentwicklung, "Planwerk" mit Sitz in Nürnberg, organisiert, das sich auch im Stadtsteinacher Rathaus ansiedeln wird. Das Büro soll nicht nur Ideen sammeln, sondern auch deren Umsetzung im Blick haben, Förderungen "an Land ziehen", wie Maximilian Stöhr von Planwerk sagte, und auch Bürger persönlich beraten. Denn im Zuge der Stadtverschönerung wird es auch Zuschüsse und Sonderdarlehen für die Renovierung von Privathäusern geben.

Interesse der Bürger ist groß

Auch wenn der Stadtrat das letzte Wort haben wird: Zuvor soll der Bürger gefragt werden. Das Interesse, mitzureden, war beim ersten Treffen bereits groß. Die Steinachtalhalle war unter strengen Corona-Bedingungen quasi voll besetzt.

Tempo 30 in der ganzen Stadt oder nur in Teilen, verkehrsberuhigte Zonen, auf jeden Fall bessere Gehwege für Fußgänger und Fahrstreifen für Radfahrer; alle sollen sich gleichberechtigt in der Stadt bewegen können; die jetzige Bevorzugung des motorisierten Verkehrs wird abgeschafft. Das alles wurde im Stadtrat bereits andiskutiert und trifft auch die Intentionen der Bürger.

Diana Krauß, direkte Anwohnerin der ehemaligen Bundesstraße, hatte einen ganzen Katalog von Anregungen vorbereitet. Sie verkündete aber als Erstes: "Wir fühlen uns jetzt wie im Urlaub." Der Verkehr und Krach sei endlich weg vor ihren Fenstern. Bei der Neugestaltung des Straßenraums solle man aber an Parkmöglichkeiten für die Anwohner denken, die in der Innenstadt ja keine eigenen Flächen zum Abstellen ihrer Autos haben. Außerdem wäre vielleicht eine gastronomische Versorgung über die TSV-Gaststätte möglich, regte sie an, wenn Innenstadtbewohner ohne Garten sich mit ihren Kindern im künftigen Stadtpark aufhalten. Schließlich sollten die Pflastersteine neben der Fahrbahn weg; ihre Mutter könnte darüber stolpern und im Winter könne man dort nur schlecht Schnee räumen.

Das Kopfsteinpflaster ist auch Rudolf Graß, 91, ein Dorn im Auge. Seine Lebensgefährtin sei am Marktplatz gestolpert, habe sich einen Oberschenkelhalsbruch zugezogen und sei darüber verstorben. So wie die Pflasterfugen jetzt auf der einen Seite des Marktplatzes aufgefüllt sind, sei es besser. Anscheinend sei es falsch gewesen, wenn die Pflasterer damals behauptet hatten, dass Fugen bleiben müssen, damit das Wasser abläuft. "Auf dem verfüllten Pflaster bleibt jetzt ja auch kein Wasser stehen".

Laut Sepp Madl, Frankenwaldvereinsaktivist und Wanderführer, sind am Marktplatz Parkplätze und Autos "überhaupt ein Problem". Er stellt sich den zentralen Platz der Stadt an sich ganz ohne Autos vor. "Man kann doch sein Auto unterhalb des Marktplatzes abstellen und die paar Meter hochlaufen." Aber vor allem vor dem Rathaus sollten sie ganz weg und das ganze Gelände dort sollte auf ein gleiches Niveau gebracht werden, stellt er sich vor.

Pia Krauss, Stadtsteinacher Grünen-Kreisrätin, hielt Tempo 30 in der Stadt generell für gut. Sie regte zudem an, an allen Parkplätzen gleich Ladesäulen aufzustellen, da der Inidividualverkehr ja elektrisch werde. Inbesondere sollte man dies aber an den Stellplätzen tun, die Anwohner nutzen werden. Zudem wünscht sie sich in jedem Fall den Marktplatz grüner.

Markus Klostermann schließlich wies auf einen Knackpunkt all der Verbesserungsvorhaben hin: "Können wir uns das alles leisten?" Geld spielt laut Maximilian Stöhr immer eine Rolle. Allerdings gebe es auch Zuschüsse über die Städtebauförderung, bis zu 80 Prozent. Zudem werde nichts von heute auf morgen passieren. "Der Stadtumbau wird Jahre dauern."

Noch kein neuer Termin

Wolfgang Heiß, dienstältester Stadtsteinacher Stadtrat (CSU), wies insbesondere darauf hin, dass der Stadtumbau nicht gleich geschieht und dass es auch Zwischenlösungen geben wird. Der Verkehr, der nichts direkt in der Stadt zu tut hat, sei ja nun raus. Lkws generell aus der Stadt herauszuhalten, sei allerdings kaum möglich, denn es müsse weiterhin angeliefert werden. In Sachen Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer und Rücksichtnahme empfahl er schließlich, dass da "jeder an sich arbeiten" muss.

Ein Termin für das nächste Stadtentwicklungsforum ist noch nicht festgelegt. Unter Corona-Einschränkungen sei dies die nächste Zeit wohl eher schlecht möglich - vielleicht in einem halben Jahr, schätzt Maximilian Stöhr von Planwerk.