Es soll (vor allem) Jungs geben, die gar nicht so böse sind, wenn sie in diesem Jahr schon wieder nicht beim traditionellen Neustadter Tanz zum Kinderfest mitmachen müssen. Doch nicht nur das "Rutsch hie, rutsch haa" fällt dem Kampf gegen Corona zum Opfer. Viel Kinderfest geht heuer nicht, wie der Kultursenat bei seiner Sitzung am Mittwoch beschloss. Aber: "A bissl was geht immer!" Und Zweiter Bürgermeister Martin Stingl (SPD) stellte mit großer Bestimmtheit klar: "Wir halten am Neustadter Kinderfest in seiner traditionellen Form fest." Er hofft, dass im kommenden Jahr alles wieder so sein kann, wie es die Neustadter kennen und lieben.

Martin Stingl machte den Mitgliedern des Senats angesichts der zurzeit geltenden Pandemiebestimmungen keine Hoffnung: "Eine Teilnahme am Fest in der gewohnten Form ist überhaupt nicht darstellbar." Medienberichte zur erneuten Absage des Kinderfests in diesem Jahr basierten nicht auf einem Beschluss des Senats, sondern auf der Einschätzung angesichts der geltenden Regeln. Die aktuell gültige Dreizehnte Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung (BayIfSMV) ließe Veranstaltungen nur mit sehr begrenzter Teilnehmerzahl überhaupt zu. Dafür müssten aber vorab Tickets verkauft werden. Die Besucher müssten ihre Plätze zugewiesen bekommen. "Da beginnt es schon mit der Frage, wer darf kommen, wer bekommt eine Karte?", sagt Martin Stingl.

Jetzt zu planen, werde außerdem dadurch erschwert, dass bereits die 14. BayIfSMV angekündigt ist, und niemand wisse, was sie erlaubt und was nicht. Wie auch immer: Das Kinderfest soll auch im zweiten Corona-Jahr nicht in Vergessenheit geraten. "Die Weckrufe am Morgen werden stattfinden", kündigte Martin Stingl an. Die Blaskapellen zu bewirten, ist unter den gegebenen Bestimmungen ebenfalls möglich.

Kinder bekommen Gutscheine

Wie im vergangenen Jahr sollen die Kinder der entsprechenden Jahrgangsstufen auch heuer ihre Gutscheine für Bratwurst und Limo bekommen. Diese werden durch die Schulen verteilt. Die "Neifeier" und das Marktfest können wegen der Beschränkungen nicht stattfinden, ebenso wenig der Umzug und die Veranstaltungen auf dem Schützenplatz.

Im vergangenen Jahr gab es eine Art symbolischen Umzug, bei dem vier junge Männer zumindest die Riesenbratwurst, die sonst zum Festumzug gehört, auf der Strecke durch die Stadt trugen, auf der der Zug unterwegs gewesen wäre. Das wäre auch heuer zulässig. Die gültige Allgemeinverfügung lässt auch durchaus kleine Feiern im privaten Rahmen zu. Die hat es 2020 ebenfalls gegeben. Zusammen mit vielfach geschmückten Häusern war so doch ein Hauch von Kinderfest in der Stadt zu spüren. Es ist wohl zu erwarten, dass es Ähnliches auch in diesem Jahr geben wird.

Ein Sommer ganz ohne Feiern, ganz ohne Kultur soll 2021 aber auch nicht werden. Damit flexibel auf Bestimmungen reagiert werden und so viel wie möglich zugelassen werden kann, fasste der Kultursenat den Beschluss, der Verwaltung mehr Freiheit in ihren Entscheidungen einzuräumen. Ohne einen besonderen Beschluss kann sie nun bei möglichen Lockerungen entsprechende Veranstaltungen in Eigenregie genehmigen oder - falls wieder strengere Regeln gelten - verschieben oder absagen.

Den Kultursommer wird es geben

Was jetzt schon für die kommenden Monate in Aussicht steht, ist ein Neustadter Kultursommer mit Veranstaltungen verschiedenster Art in der Kultur.werk.stadt. Dort begrenzt sich die Zahl der Besucher schon durch den Veranstaltungsort. Es werden Tickets verkauft und der Abstand während der Veranstaltung ist leicht einzuhalten. Auch Kinoveranstaltungen unter freiem Himmel sind möglich.

Bastian Schober (SPD) (der Initiator der "Hundsfrasser Open Air" Events) wollte wissen, ob denn - falls Bestimmungen gelockert werden - nicht doch auch Konzerte, vielleicht mit mehr als 150 Besuchern, möglich wären, vorausgesetzt, dass jemand die erforderlichen Bedingungen stellt. Und auch Dominik Heike (CSU) drängte darauf, so viel zu ermöglichen wie irgend möglich. Mehrere kleine Events sollten doch denkbar sein.

Doch auch da konnte Martin Stingl keine Zusagen machen, die über das bereits Angekündigte hinaus gingen. Er betonte, dass nach seiner Überzeugung derzeit noch Einschränkungen unumgänglich seien.

Wie die Lage in Sachen Corona und Bestimmungen dagegen im Spätsommer oder Frühherbst aussehe, könne derzeit niemand vorhersagen. Aber das Ziel sei, den Menschen so viel an Kultur und sozialen Kontakten zurückzugeben, wie angesichts der jeweiligen Lage möglich. Immer mit dem Ziel vor Augen, dass im kommenden Jahr vielleicht wieder alles seinen normalen Verlauf nehmen kann, was die Neustadter an Veranstaltungen kennen und schätzen.