Leichte Entspannung ja, Entwarnung nicht: Dass die Zahl der Corona-Fälle ganz schnell wieder steigen kann, zeigt aktuell das Klinikum Sonneberg. Lange Zeit waren die Südthüringer Krankenhäuser des Regiomed-Verbunds nur mit einzelnen Covid-19-Patienten befasst. Nun sind in Sonneberg innerhalb weniger Tage 19 mit Corona infizierte Patienten aufgenommen worden, 19 weitere gelten als Verdachtsfälle, berichtete Krankenhausdirektor Michael Renziehausen am Mittwoch in der telefonischen Regiomed-Pressekonferenz. Angesichts dieser Entwicklung werde inzwischen jeder neu aufgenommene Patient als Verdachtsfall behandelt und zunächst isoliert, bis ein negatives Testergebnis vorliege, sagte Renziehausen.

Die Corona-Tests können im Labor des Regiomed-Klinikums Coburg durchgeführt werden, dank der Hilfe der Hochschule Coburg: Die stellte unbürokratisch die nötigen Laborgeräte zur Verfügung. Somit kann Regiomed sein Personal und seine Patienten selbst testen. Vorige Woche erwiesen sich in Sonneberg zwei Patienten als Corona-positiv, die vorher keinerlei Symptome gezeigt hatten. Deshalb wird nun umfangreich unter den Mitarbeitern des Klinikums getestet: 95 Ergebnisse lagen am Mittwochmorgen schon vor, 65 weitere erwartete Renziehausen im Lauf des Nachmittags. Ob jemand in Quarantäne muss, entscheiden die jeweiligen Gesundheitsämter. 26 Mitarbeiter fallen deshalb in Sonneberg aus, auch wenn sie keine Symptome haben. "Kurzfristig lässt sich das kompensieren", sagt Renziehausen.

Trotz dieser akuten Entwicklung in Sonneberg orientiert sich Regiomed inzwischen Richtung "neue Normalität", wie Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke sagt. "Die alte Normalität wird es so nicht mehr geben." Derzeit müssen 50 Prozent der Intensivbetten für Corona-Patienten freigehalten werden. Normalerweise sind die Kliniken aber zu 90 Prozent ausgelastet. "Damit könnten wir aber auf Dinge wie in Sonneberg nicht mehr reagieren", sagt Schmidtke.

"Balance schaffen"

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) habe angekündigt, dass künftig 25 Prozent der Intensivbetten für schwere Covid-19-Fälle bereitgehalten werden müssen. Noch können die Krankenhäuser das leisten, weil sie für jedes freigehaltene Bett entschädigt werden. Diese Regelung gilt aber nur bis 30. September. Dank der Ausgleichszahlungen sei der Konzern Regiomed derzeit "wirtschaftlich im Plan". Aber auch später müsse die Politik müsse "die Balance" herstellen zwischen Pandemie-Vorsorge und Regelbetrieb in den Krankenhäusern, fordert der Hauptgeschäftsführer. Gleichzeitig geht er davon aus, dass die zunehmenden Lockerungen im öffentlichen Leben wieder zu einem Anstieg der Infektionszahlen führen werden. Dann müssten die Kliniken schnell aufnahmebereit sein. Schmidtke: "Wir brauchen jetzt ein atmendes System."

Aber egal, ob neuer Regelbetrieb oder Katastrophenfall: Für akute Erkrankungen wie Schlaganfälle, Herzinfarkte oder Tumorerkrankungen seien die Regiomed-Kliniken immer aufnahmebereit, und die Versorgung der Patienten sei auch gesichert, betont Schmidtke. Es habe Fälle gegeben, dass Patienten nicht kommen wollten, aus Angst, sich im Krankenhaus anzustecken. Aber dort sei die Ansteckungsgefahr "geringer als im öffentlichen Nahverkehr", wie der Hauptgeschäftsführer versichert.

Sykpen übers TV-Gerät

Ob die Besuchsverbote gelockert werden, ist nicht abzusehen. Für alle, die nicht mit dem eigenen Handy oder Tablet Kontakt mit der Familie halten können, will Regiomed Abhilfe schaffen. Im Lichtenfelser Klinikum sei es nun möglich, über die Fernsehgeräte in den Patientenzimmern zu skypen, sagt Geschäftsführer Robert Wieland. Nun werde geprüft, wie das in den anderen Standorten auch ermöglicht werden könnte.

Für die bayerischen Klinikmitarbeiter haben seit letzter Woche die Cafeterien in den Kliniken wieder geöffnet. Der Freistaat Bayern zahlt für alle Klinikbeschäftigten eine Verpflegungspauschale. Regiomed will nun noch was drauflegen: Ab nächstem Mittwoch werde es wieder für alle Beschäftigten unentgeltliches Mineralwasser geben, kündigte Schmidtke an. Diese Vergünstigung war im Herbst eingespart worden. Nun soll es sie wieder geben, und, wie Schmidtke versichert, "nicht nur während Corona, sondern dauerhaft".