Karl-Heinz Hofmann

Welitsch —  Der Gesangverein Sängerrunde Welitsch blickt auf ein außergewöhnlich schweres Jahr 2020 zurück. Durch die lange Proben-Auszeit und den Wegfall von öffentlichen Auftritten durch die Corona-Pandemie bedingt befürchtet die Vereinsführung, dass die Vereinsstruktur in Mitleidenschaft gezogen wird. Finanziell hält sich der Schaden für die Sängerrunde Welitsch durch das Zutun und die speziellen Förderprogramme vom Chorverband und Freistaat Bayern in Grenzen, betonen die beiden Vereinsvorsitzenden Rüdiger Detsch (1. Vorsitzender) und Johannes Scherbel (2. Vorsitzender). Doch wagen sie nicht, mit großer Zuversicht in die Zukunft zu blicken, zu groß sind ihre Befürchtungen, dass sich die von niemandem gewollte Zwangspause negativ auswirkt.

Die Sängerrunde Welitsch ist einer der jüngsten von derzeit 36 aktiven Gesangvereinen in der 800 aktive Sänger zählenden Sängergruppe Frankenwald. Davon sind circa 100 Aktive in Kinder- und Jugendchören. Gerade in den vergangenen Jahren gab es, gegen den sonstigen Trend, in Welitsch einen Aufschwung in der Sängerbewegung. Zum Jahresanfang 2020 berichtete Vorstand Rüdiger Detsch noch voller Zuversicht von zahlreichen geplanten Veranstaltungen und von Einladungen bei befreundeten Chören zu Auftritten. Die Mitgliederentwicklung gab Anlass zu großer Freude. Voller Euphorie konnte man eine positive Mitgliederentwicklung verzeichnen. Denn die Jahre vorher hatte man rückläufige Tendenz.

Die Zunahme an Mitgliedern war zum einen der Auflösung der Eisenbahnsinggruppe Frohsinn Pressig geschuldet - einige Männerstimmen traten dem Männerchor Welitsch bei, wodurch der seit einigen Jahren anhaltende Rückgang an Männerstimmen kompensiert werden konnte. Zum anderen ist es der rührigen und engagierten Damensinggruppe "singAmoll" zu verdanken, dass man Zuwachszahlen zu verzeichnen hatte. Die Damen traten vor einigen Jahren der Sängerrunde mit fünf Sängerinnen bei, heute sind im Frauenchor "singAmoll" immerhin 20 Sängerinnen aktiv.

Gemeinschaft geht verloren

Es sind aber nicht nur die 38 geplanten Singproben, die wegen Corona ausfallen mussten, sondern es musste auch eine Reihe von öffentlichen Auftritten abgesagt werden. Die beiden Vorsitzenden sprechen von mindestens 20 ausgefallenen Auftritten der Damen und die Männer mussten gar auf 40 Auftritte verzichten. Dies sei ein großer Verlust an Gemeinsamkeit, ganz abgesehen vom kulturellen Defizit, was sich negativ auf Brauchtums- und Gesangspflege auswirkt. Die beiden Welitscher erinnern dabei an die schönen beliebten Adventssingen, die jedes Jahr von den Chören des Marktes Pressig abwechselnd in den Gotteshäusern Herz-Jesu Pressig und St. Bartholomäus Rothenkirchen veranstaltet wurden. Es ist alter Brauch der Gesangvereine des Marktes Pressig, in der Adventszeit mit besinnlichen Liedern und Musik, die Leute aus der Hektik des Alltags zu nehmen und sie bei Kerzenschein und festlicher Weihnachtsdekoration im Gotteshaus auf die Weihnachtszeit vorzubereiten.

Es fehlt den Welischer Sängern aber nicht nur die Gemeinsamkeit im Chor, die Vorsitzenden befürchten negative Auswirkungen, die jetzt einfach noch nicht absehbar sind. Dabei denken die Verantwortlichen neben sinkenden Mitgliederzahlen auch an schwindende Motivation zum gemeinsamen Singen. Und das wäre verheerend, ist man sich im 140 Mitglieder zählenden Verein einig. Immerhin hatte man Anfang dieses Jahres 20 engagierte Sängerinnen und 27 motivierte Männer im Chor. "Ein Wiederbeleben zu normaler Zeit nach der Corona-Pandemie erwartet man daher sehnlichst, um größere langfristige Schäden auf das Kulturleben zu verhindern", so Rüdiger Detsch und Johannes Scherbel.