Die Welt lebenswert für künftige Generationen erhalten: Für den Coburger Architektur- und Stadtplanungs-Professor Mario Tvrtkovic gehört das zu den Aufgaben der Wissenschaft.

Im Sommer 2021 kam die Flut. Normalerweise regnet es in Deutschland pro Jahr etwa 500 bis 1000 Liter pro Quadratmeter. Im Ahrtal waren es im Juli fast 150 Liter in nur 24 Stunden. Flüsse und Bäche traten über die Ufer, das Hochwasser flutete Häuser. Menschen starben. In der Region geht es jetzt um den Wiederaufbau, und dabei bringt Tvrtkovic seine Expertise ein. Er ist Professor für Städtebau und Entwerfen an der Hochschule Coburg und einer seiner Forschungsschwerpunkte ist nachhaltiger Städtebau.

Tvrtkovic kennt die Region. Seine Familie kommt aus Köln, das ist etwa 50 Kilometer vom Kreis Ahrweiler entfernt. Dadurch hat er gute Kontakte - sowohl privat als auch zu Kolleginnen und Kollegen aus der Wissenschaft. Außerdem engagiert er sich im Wissenschaftsnetzwerk Scientists for Future (S4F) und ist dort im Koordinationsteam tätig. Das ist ein Zusammenschluss von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aller Disziplinen, die angesichts der globalen Klima- und Nachhaltigkeitskrise Lösungsansätze aus der Wissenschaft in die Diskussion bringen wollen. Für die verwüsteten Region des Ahrtals haben sie mit Kollegen aus der Region ein Konzept vorgeschlagen, wie sich ein schneller Wiederaufbau mit der Energiewende und Zielen der nachhaltigen Entwicklung im Kreis Ahrweiler gestalten lässt.

Professor Tvrtkovic und das Team empfehlen, bei der Neugestaltung der Infrastruktur für Strom und Wärme auf fossile Energieträger zu verzichten. In zwei Schritten könne bis 2030 zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien umgestellt werden, sagt er. Energetische Gebäudesanierung, kombiniert mit nachhaltiger Wärmeversorgung, sei einer der Schlüssel. Der Wiederaufbau des Ahrtals könnte bundesweit zu einer Modellregion für klimaschonende Versorgung werden. red