Besonders zu Zeiten des Klimawandels sei es wichtig, einen gemischten und damit klimatoleranten Wald zu erzielen, so Bernhard Zürner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bad Neustadt (AELF) beim diesjährigen Verbissgutachten der Hegegemeinschaft. Der Weg führte ihn, zusammen mit dem zuständigen Revierleiter Julian Grundhuber (auch AELF), auch in das Jagdrevier von Robert Schmitt nach Sulzthal. Als Vertreter der Grundbesitzer waren Revierleiter Jakob Hahn und für die Jägerschaft Hans-Peter Donislreiter vom Landratsamt Bad Kissingen und Robert Schmitt mit dabei. Treffpunkt war dazu am Predigtstuhl bei der Kreuzkapelle in Sulzthal.

"Wir wollen hier mit offenen Karten spielen, deswegen sind auch Grundeigentümer und Jagdpächter mit eingeladen", sagte Zürner. Die Erhebung werde immer für eine Hegegemeinschaft vorgenommen, auf Antrag könne der Jagdpächter jedoch für sein Jagdrevier ein gesondertes Gutachten bekommen. Auch Donislreiter betonte noch einmal die einvernehmliche Vorgehensweise zwischen Forst und Jagd.

Die besonders geschätzten Baumarten wie Eiche, Edellaubhölzer oder Tanne würden leider von den Rehen besonders stark verbissen, deshalb seien die Daten besonders wichtig. Das Verfahren, durchgeführt von Julian Grundhuber, bildet die Grundlage, die Verbissbelastung im Wald an der aufkommenden Verjüngung beurteilen zu können.

Grundlage für Abschussplan

Anhand der sich ergebenden Zahlen wird dann vom Amt ein Gutachten erstellt, das der Unteren Jagdbehörde eine Empfehlung für den Abschussplan von Rehwild über die nächsten drei Jahre gibt. Um das Verfahren möglichst objektiv durchzuführen, wird über die gesamte Landkreisfläche ein Gitternetz aus Quadraten (Seitenlänge 1,2 Kilometer) gelegt. Möglichst nahe am Mittelpunkt eines jeden Quadranten wird eine Verjüngungsfläche durch einen Aufnahmetrakt näher untersucht. Ein Trakt besteht aus fünf in einer Linie aufgereihten Aufnahmepunkten, an denen immer 15 Pflanzen markiert und begutachtet werden. Vermerkt werden Baumart und Höhe, sowie Verbissart, Leit- oder Seitentrieb. Stück für Stück ergibt sich so ein Bild, das sich wie ein Puzzle zusammensetzt.

Im Landkreis Bad Kissingen liegen 16 Hegegemeinschaften und in jeder sollen 30 bis 40 Trakte aufgenommen werden. Jeder Trakt besteht aus fünf Punkten mit je 15 aufgenommenen Pflanzen, woraus sich in Summe eine Gesamtzahl von rund 42 000 Pflanzen im Landkreis errechnet. Nimmt man Bad Neustadt mit dazu, also den kompletten Amtsbereich, verdoppelt sich die Zahl in etwa. "Diese Zahlen verdeutlichen den Aufwand für unser Personal in diesem Jahr", erläuterte Zürner. Um eine größtmögliche Objektivität und statistisch abgesicherte Werte zu erhalten, sei der beschriebene Aufwand aber zwingend notwendig.

Die zur Markierung benutzten Bänder seien aus Zellmaterial und würden für eine eventuelle Nachprüfung an dem Aufnahmepunkt verbleiben, informierte Grundhuber. "Wir meiden Stellen mit frischem Holzeinschlag und zählen nur den eindeutigen, unmissverständlichen Schalenwildverbiss", so Grundhuber weiter.

Jagdpächter Robert Schmitt führte an, dass er das Jagdrevier Sulzthal II - aktuell mit seinem Sohn Detlev - schon seit 1959 bewirtschaftet. Er hätte bis jetzt noch nie einen übermäßigen Verbiss in seinem Revier gehabt. Mehr Sorgen bereiteten ihm die steigende Beunruhigung des Wildes durch Spaziergänger und Radfahrer.

Die Rede ist von Monokulturen

In der Landwirtschaft könne man trotz noch relativ kleiner Flächen schon von Monokulturen sprechen. Gedanken mache er sich auch über den Wildfleischabsatz, da die Gaststätten aufgrund von Corona geschlossen seien. Wie lange noch, könne niemand vorhersagen. Als Schmitt 1962 die Jägerprüfung ablegte, hätte die Abschusszahl bei 20 Stück Rehwild gelegen, heute hätte sie sich verdoppelt.