Fragt man Paare heutzutage, wie sie sich kennengelernt haben, kommt sehr oft die Antwort: über eine Dating-App oder auf einem Dating-Portal. Der schier unendliche Pool an Singles, die dort auf die große Liebe hoffen, erleichtert die Partnersuche ganz entschieden - und zwar in jedem Alter. Jeder kann entscheiden, wie viel er von sich preisgeben möchte, ohne Gefahr zu laufen, sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen. Doch die Anonymität, die die Partnersuche einerseits so schön einfach macht, birgt andererseits auch Gefahren. Denn nicht jeder, der sich auf einem solchen Dating-Portal anmeldet, hat romantische Absichten - ganz im Gegenteil.

"Love Scamming" oder "Romance Scamming" heißt die moderne Version des klassischen Heiratsschwindels. Erst kürzlich war eine 64-jährige Coburgerin Opfer eines solchen "Love Scammers" geworden. Ihre Internet-Bekanntschaft hatte sich als hochrangiger Militärangehöriger ausgegeben und die Frau überredet, ihm mehrfach hohe Geldbeträge zu überweisen. Ein Telefonberater ihrer Internetbank brachte die Coburgerin schließlich dazu, sich an die Kriminalpolizei zu wenden. Bei der vermeintlichen Geldübergabe am Bahnhofsplatz wurde ein 37-jähriger Mann festgenommen, der laut Polizei kein Einzeltäter sondern Teil einer Gruppe von Betrügern gewesen sein soll.

Liebe macht offenbar wirklich blind, das lässt sich nicht leugnen. Umso besser, wenn in diesem Fall ein Außenstehender wachsam ist und rechtzeitig warnt. Die Banken sind, wie der Sprecher der Sparkasse Coburg-Lichtenfels, Stefan Schneyer bestätigt, bei Betrugsmaschen wie Love Scamming oder auch dem Enkeltrick sehr oft mittendrin und können ihre Kunden im Verdachtsfall ansprechen - dass dabei viel Fingerspitzengefühl gefragt ist, versteht sich bei einem so sensiblen Thema von selbst.

Bei der VR-Bank Coburg werden die Mitarbeiter regelmäßig über neue und veränderte Betrugsmaschen informiert, berichtet Sprecher Markus Witzgall. "Es wird explizit darauf hingewiesen, bei der Abhebung größerer Bargeldbeträge ein wachsames Auge zu haben und den Kunden oder die Kundin gezielt anzusprechen." Auch die Mitarbeiter der Sparkasse werden regelmäßig geschult, wie deren Geldwäsche- und Compliance-Beauftragter Martin Rebhan erläutert. Durch Aushänge im Kassenbereich, Veröffentlichungen auf ihren Social-Media-Kanälen und über die regionalen Medien informiere die Sparkasse ihre Kunden zusätzlich über die verschiedenen Betrugsmaschen.

Kommt tatsächlich ein Kunde mit dem Wunsch, einen außergewöhnlich hohen Bargeldbetrag abheben zu wollen, ist der Bankmitarbeiter vorbereitet. "Wir fragen hier schon ganz konkret nach und weisen auf mögliche Betrugsversuche hin", sagt Markus Witzgall. Natürlich sei dabei ein gewisses Fingerspitzengefühl erforderlich. "Wenn wir beispielsweise von Kunden die Aussage bekommen, dass eine größere Handwerkerrechnung bar bezahlt werden soll, weisen wir auch nochmals darauf hin, dass solche Rechnungen normalerweise per Überweisung beglichen werden. Bestehen Kunden auf der Barabhebung, sind allerdings auch uns die Hände gebunden."

Weil es - abhängig vom jeweiligen Kunden - vielleicht schwierig ist, einen Verdacht gegen den neuen "Lebenspartner" auszusprechen, wurde in Zusammenarbeit mit der Polizei die Aktion "Geldumschlag" ins Leben gerufen. Martin Rebhan erklärt, was dahinter steckt: "Größere Geldbeträge werden in einem verschlossenen Umschlag an möglicherweise betroffene Kundinnen oder Kunden ausgegeben." Auf dem Umschlag, mit dem auch die VR-Bank versucht, ihre Kunden zu warnen, sind Fragen aufgedruckt, die einen möglichen Betrug aufdecken könnten. Gefragt wird zum Beispiel, ob dem Kunden verboten wurde, über den Grund der Abhebung zu sprechen, oder ob das Geld an eine dem Kunden nicht bekannte Person übergeben werden solle. Werden mehr als zwei Fragen mit "Ja" beantwortet, solle sich der Bankkunde sofort an die Polizei wenden.

Falsche Bankmitarbeiter rufen an

Bei der Sparkasse seien tatsächlich durch den Einsatz der Mitarbeiter schon Betrugsversuche vereitelt worden, sagt Martin Rebhan. Details will er aber aus Sicherheitsgründen nicht nennen. Bei der VR-Bank sind den Mitarbeitern bisher zwar weder Love Scamming noch Enkeltrick untergekommen, dafür hat das Eingreifen der Bankmitarbeiter in anderen Fällen geholfen, Straftaten zu verhindern.

"In letzter Zeit treten Telefonanrufe falscher Bankmitarbeiter auf, die sogar mit einer gefälschten Telefonnummer der Bank bei Kundinnen und Kunden eingehen", warnt Witzgall. Hier gehe es darum, durch einen vermeintlichen "Abgleich" an Kundendaten zu kommen. Den "guten persönlichen Beziehungen" zu ihren Beratern sei es zu verdanken, dass die Kunden in solchen Fällen misstrauisch würden und dann direkt bei ihrer Bank nachfragten.

Inzwischen gibt es zahlreiche Online-Betrugsmaschen, wie Phishing-Versuche, die Bankkunden per E-Mail dazu auffordern, persönliche Daten preiszugeben. Oft werde dabei absichtlich Druck aufgebaut und beispielsweise eine Sperrung des Online-Bankings angekündigt, falls nicht sofort gehandelt werde, erläutert Witzgall. Deshalb will er noch einmal explizit darauf hinweisen, dass die Bank niemals per E-Mail oder Telefon dazu auffordere, persönliche Daten herauszugeben. "Insbesondere keine Zugangsdaten zum Online-Banking, die nur dem Kunden bekannt sind, oder etwa Kartennummern, die wir ohnehin in unseren Systemen gespeichert haben."