Wenn die Unwissenheit weicht, kann Inklusion gelingen

1 Min
Maren Wala (2. v. l.) und Lutz Tamaschke (2. v. r.) begleiteten das Projekt. Foto: Johannes Salomon
Maren Wala (2. v. l.) und Lutz Tamaschke (2. v. r.) begleiteten das Projekt. Foto: Johannes Salomon

Schon zum dritten Mal arbeiteten acht Beschäftigte der Werkstatt der Barmherzigen Brüder Gremsdorf eng zusammen mit acht Auszubildenden der Firma Schaeffler in Höchstadt - wobei sich die Rollen Gast u...

Schon zum dritten Mal arbeiteten acht Beschäftigte der Werkstatt der Barmherzigen Brüder Gremsdorf eng zusammen mit acht Auszubildenden der Firma Schaeffler in Höchstadt - wobei sich die Rollen Gast und Gastgeber abwechselten. Beide Seiten stellten fest, dass es sich auf jeden Fall lohnt, immer wieder einmal zusammenzukommen. Das mehrtägige Kennenlernen helfe nämlich, gegenseitige Schwellenängste zu überwinden.
Das diesjährige Kompetenztraining stand unter dem Motto "Lösungsmöglichkeiten von Konflikten". Auf die Wichtigkeit von ehrlicher und objektiver Kritik und der Bereitschaft, damit offen umzugehen, wies die Sozialdienstmitarbeiterin der Einrichtung für Menschen mit Behinderung, Maren Wala, die Teilnehmer hin. Auf diese Weise könnten Hemmungen und Vorbehalte auf der jeweils anderen Seite der beiden beteiligten Gruppen erkannt, verstanden und beachtet werden.
Recht schnell war dann auch der eigentliche Grund der anfangs noch bestehenden Kontaktschwierigkeiten zwischen den Auszubildenden von
Schaeffler und den Beschäftigten aus der Benedikt-Menni-Werkstatt herausgefunden: Unwissenheit. Der Projektleiter vonseiten der Barmherzigen Brüder Gremsdorf, Lutz Tamaschke, stellte jedoch zu seiner Zufriedenheit fest, dass innerhalb der drei Tage eine Gemeinschaft zusammenwuchs, "in der Inklusion gar nicht mehr thematisiert, sondern vielmehr gelebt wurde". Und die Zweifel und Unsicherheiten wären auf beiden Seiten "bedeutend weniger geworden".
Die Teilnehmer konnten dies letztlich nur bestätigen. "Ich war total überrascht, wie schnell wir gegenseitig dazugelernt haben", sagte zum Beispiel ein Auszubildender von Schaeffler. Und eine junge Frau mit Handicap erkannte aufgrund gemeinsamer Erlebnisse, dass "wir alle unsere ganz eigenen Stärken und Schwächen haben". Viele der Teilnehmer waren angetan, welche Fähigkeiten und Fertigkeiten der jeweils andere beim gemeinsamen Abschlusskochen hatte. Und sie erkannten, dass "nur zusammen etwas Leckeres geschafft" wurde - in diesem Falle Spaghetti Bolognese.
Tamaschke ist überzeugt, dass nachhaltige Inklusion nur dann eine wirkliche Chance habe, wenn wir alle uns der Mühe unterziehen, uns wirklich näher kennenlernen zu wollen. Dann könnten wir berechtigte Hoffnung haben, dass solche Begegnungen "Bausteine für eine zukünftige inklusive Gesellschaft" sind. Und dafür - so der Projektleiter - bräuchten wir einen langen Atem und viele Gelegenheiten, um zusammenzukommen. js