Es sind ja durchaus schon Hinweise im Münnerstädter Stadtrat gekommen, deren tieferer Sinn sich dem noch so geneigten Zuhörer einfach nicht erschließen wollte. Der Beitrag von Britta Bildhauer (SPD) a...
Es sind ja durchaus schon Hinweise im Münnerstädter Stadtrat gekommen, deren tieferer Sinn sich dem noch so geneigten Zuhörer einfach nicht erschließen wollte. Der Beitrag von Britta Bildhauer (SPD) allerdings bezüglich der Stabilisierungshilfe hatte eine ganz besondere Berechtigung. Sie bemängelte völlig zu Recht, dass bei der offiziellen Übergabe der Bedarfszuweisungen sämtliche Vertreter der bedachten Kommunen anwesend waren. Mit einer Ausnahme: Bürgermeister Helmut Blank (CSU) aus Münnerstadt.
Er wäre gern hingegangen, saß schon fast im Auto, verteidigte sich der Bürgermeister. Aber ein Gespräch wegen der Mehrzweckhalle sei dann doch bedeutender gewesen. Als Britta Bildhauer nachhakt, dass der Termin wichtig gewesen sei, schließlich hat die Stadt 1,7 Millionen Euro bekommen, lässt sich das Stadtoberhaupt zu der völlig unpassenden Bemerkung hinreißen: "Wir haben den Zuschuss auch so bekommen."
Dem kann man erst einmal nicht widersprechen. Es ist durchaus auch möglich, dass der Bürgermeister verhindert war, er kann sich schließlich nicht zerteilen. Ein gutes Licht wirft die Abwesenheit bei der offiziellen Übergabe aber nicht auf die Stadt. Und so etwas ist ja auch bei weitem nicht zum ersten Mal vorgekommen.
Auch andere Bürgermeister haben Terminüberschneidungen. Genau dafür gibt es Stellvertreter. Zweiter Bürgermeister Andreas Trägner (Freie Wähler) und Dritter Bürgermeister Axel Knauff (SPD) sind mehrheitlich vom Stadtrat gewählt worden. Nur lässt sie Helmut Blank nicht agieren. Man kann es so oder so sehen. Entweder ist der Job eines Bürgermeisters in Münnerstadt so lau, dass man überhaupt keinen Urlaub braucht. Oder aber der Bürgermeister lässt den Vertretungsfall absichtlich nicht eintreten, weil er unter allen Umständen verhindern will, dass einer seiner Stellvertreter, die bekanntermaßen nicht zu seinen engen Freunden zählen, an seinem Bürgermeistersessel sägt, wenn er nicht im Rathaus ist. Wie dem auch sei, Fakt ist: Seit beinahe zwei Jahren hat es keinen offiziellen Vertretungsfall wegen Urlaub des Bürgermeisters im Rathaus gegeben. Das heißt, Helmut Blank war pausenlos im Amt.
Wer so agiert, stößt an Grenzen. Ein Spatenstich für das neue BBZ ohne offiziellen Vertreter der Stadt, eine Ausstellungseröffnung im heimischen Henneberg-Museum, bei der der Bürgermeister durch Abwesenheit glänzt: so etwas passiert dann eben. Dabei hat Helmut Blank auch schon mehrfach seine Stellvertreter in schwere Verlegenheit gebracht. Wenn beispielsweise Andreas Trägner als Stadtrat oder Privatperson eine Veranstaltung besucht, zu der der Bürgermeister nicht erscheint, kann er nicht einfach dessen Position einnehmen. Dafür braucht er den offiziellen Auftrag von Helmut Blank. Damit hier kein falsches Bild entsteht: Die Sache mit dem nicht genommenen Urlaub ist höchst zweifelhaft, aber letztendlich die Entscheidung des Bürgermeisters. Einen Termin kann man mal verpassen und gelegentlich schickt Helmut Blank ja auch einen seiner Stellvertreter offiziell zu einer Veranstaltung. Aber es kann nicht sein, dass wichtige Termine nicht besetzt sind, weil der Bürgermeister verhindert ist und seine Stellvertreter einfach nicht informiert. Denn damit schadet er nicht sich oder seinen Stellvertretern, damit schadet er dem Ansehen der Stadt. Ein Bürgermeister sollte seine Stadt positiv darstellen, dafür wird er ja übrigens auch nicht ganz so schlecht bezahlt. Und außerdem: ab 1. Mai 2020 wird Helmut Blank nicht mehr Bürgermeister von Münnerstadt sein. Es wäre jetzt an der Zeit, ein wenig Frieden zu schließen. Oder wenigstens damit zu beginnen.
t.malz@infranken.de