Eine Rolle Toilettenpapier mit dem Schriftzug "Corona Survivor", eine Darstellung des Covid-Erregers oder irgendwas mit einer OP-Maske - solche Motive dominieren unter den "Corona-Tattoos". Dann hörte Tattoo-Künstler Navid davon, dass es in Moskauer Szenelokalen gerade angesagt ist, einfach den Unterarm zu zeigen, auf dem der QR-Code als Impfnachweis tätowiert ist. Wer macht denn so was? Navid wollte das wissen und fragte auf Facebook, ob jemand an so einem Tattoo Interesse hätte.

"Es haben sich sogar gleich mehrere gemeldet", sagt Navid. Eine war Stephanie Hornung. Sie arbeitet als Telefonistin in einer Arztpraxis. "Ich wollte einfach etwas, das mich an diese Zeit erinnert. Ein Zeichen, dass ich das alles unbeschadet überstanden habe", sagt sie. Die Idee, den Impfnachweis direkt unter der Haut zu tragen, gefiel ihr. Wenn der Nachweis verlangt wird, um irgendwo eintreten zu dürfen, einfach cool den Unterarm präsentieren, "das war der Plan".

Doch so einfach ist das nicht. Wie sich herausstellt, sind die Codes in Russland sehr viel einfacher gestrickt und daher leichter als Tattoo umzusetzen. Schon das Blaupapier, mit dem die Vorlage für das Tattoo auf die Haut übertragen wird, birgt das erste Fehlerrisiko. "Ein kleines Loch, das zufließt oder eine Wölbung der Haut, schon funktioniert es nicht mehr", sagt Navid. Er hat schon einiges probiert, ehe Stephanie Hornung in seinem Studio in Coburg ankam. Ergebnis: "Schwierig bis unmöglich."

Tatsächlich lässt sich auch in der Vergrößerung der Code aus der Tattoovorlage nicht scannen. "Wir versuchen mal, ob es überhaupt funktioniert", schlägt Navid vor und Stephanie Hornung ist einverstanden. Als Test-Code nimmt er den von seiner Visitenkarte, der auf seine Homepage verlinkt. Vorlage ausgedruckt, auf den Arm übertragen und - es funktioniert. Was nun? Stephanie Hornung muss entscheiden. Den Impf-Code, der aber höchstwahrscheinlich nicht gelesen werden kann; gar keinen Code, oder den von Navids Tattoo-Studio, der immerhin funktioniert.

Sie entscheidet sich für Letzteren. "Es geht ja wirklich vor allem darum, mich an diese Zeit zu erinnern", sagt sie. Das macht der Code von Navids Studio auch. Und der funktioniert wenigstens. Nach einer knappen Stunde ist Navid fertig. Gegen Ende verzieht Stephanie Hornung schon hin und wieder das Gesicht. Tätowieren ist nun einmal mit Schmerz verbunden. Das weiß sie, denn es ist nicht ihr erstes Tattoo. "Das erste hat mein Papa gemalt", sagt sie. Es sollte eigentlich auch das einzige bleiben. "Aber dann hat man eben immer wieder Ideen für Motive ...". So kamen immer wieder neue Tattoos dazu. Jetzt eben der QR-Code von Navids Studio. Immer wieder Schmerzen? "Kinder kriegen tut mehr weh", sagt die zweifache Mutter. Navid tupft das frische Tattoo noch einmal ab. Stefanie Hornung zückt ihr Smartphone und macht den Versuch. Tatsächlich, es funktioniert, der Code lässt sich einlesen. Dass sie geimpft ist, kann sie damit nicht beweisen. An die Zeit, in der Corona das Leben auf den Kopf stellte, erinnert sie dieses Tattoo aber schon. Und wenn sie mal nicht daran denken will, kann sie den Ärmel vorkrempeln.

Code auf der Stirn? Fake.

Eine Option, die Melina Sophie, ihres Zeichens Influencerin, nicht hatte, als sie sich einen QR-Code auf die Stirn tätowieren ließ - wie sich herausstellte ein Scherz, mit dem sie ihre 1,8 Millionen Abonnenten auf die Bedeutung nachhaltigen Essens aufmerksam machen wollte. Der Code war nur aufgedruckt und ist inzwischen wieder entfernt.

Navid hat bei der Aktion immerhin etwas gelernt. "Einfachere QR-Codes lassen sich schon so stechen, dass sie auch gescannt werden können. Aber der für den Impfnachweis eben nicht." Den anderen Interessenten, die so einen coolen "Türöffner" unter die Haut haben wollten, hat er abgesagt. "Wenn es nicht auch wirklich ausgelesen werden kann, hat es ja keinen Zweck."

Aber an Ideen für ein Tattoo, das an Corona-Zeiten erinnert, mangelt es im Internet wahrlich nicht. Und wenn es der Spruch ist: "I survived a global pandemic and all I got was this stupid tttoo" (Ich habe eine weltweite Pandemie überlebt und alles was ich bekommen habe war dieses dumme tttoo).