Zu den Öffnungszeiten des Freibads "Aquaria":

Als Kind gab es für mich unausweichliche Termine, die ich das ganze Jahr über herbeisehnte. Verlässliche Daten! Weihnachten und Geburtstag. Ab der frühen Jugend kam dann der 15. Mai hinzu. Dort, wo ich aufwuchs, öffnete das Freibad mit der Zuverlässigkeit einer Schweizer Uhr. Dauerkarte, bis Mitte September, immer offen, nur Badeverbot bei Gewitter.
Als ich nach Coburg zog, war dies anfangs auch so. Heuer begann aber die "Aquaria-im-Freien-Saison" erst am 25. Mai; die erste Schönwetterperiode war bereits abgeebbt. Begründung : technische und personelle Probleme! Ende März waren die letzten Nachtfröste. Ab da hätte die Technik - wenn überhaupt erwünscht - in Schuss gebracht werden können. Personelle Probleme durch Krankheit? Die SÜC hat für ihren Busplan auch ein sofort greifendes Notprogramm mit Ersatzbelegschaft.
Was die SÜC betrifft: Seit das "Aquaria" Tochter der SÜC ist, wird das "Aquaria" - um im Jargon zu bleiben - stiefmütterlich behandelt oder kurz gehalten. Angeblich plädierten die "Aquaria"-Belegschaft selbst für eine partielle Schließung des Freibads an kalten Tagen, um endlich anstehende Überstunden abzufeiern.
Meine Frage: Können Überstunden nicht einfach ausbezahlt werden, mit der gleichen selbstverständlichen Kaltschnäuzigkeit, mit der in der SÜC Vorstandsgehälter regelmäßig "angepasst" werden? Neueinstellungen oder Übernahmen von ausgelernten Fachkräften wären auch eine mögliche Option!
Früher war das Alexandrinenbad eine gemeinnützige Einrichtung zur Aufrechterhaltung der Volksgesundheit. Heute entscheiden wahrscheinlich die über das Bad, die daheim selbst einen Pool besitzen. So wie Landestheater und Büchereien zu beschussende Einrichtungen (für den Geist) sind, so müsste das "Aquaria" eine zu bezuschussende Einrichtung (für den Körper) sein.
Wenn drastisch gespart und Gewinne maximiert werden, warum das "Sommerbad" nicht erst am 21. Juni (Sommeranfang!) öffnen? Der "Event-Fun-Firlefanz" und der neue Luxus-Sauna-Tempel machen da sicher finanziell auch nichts wett. Den Untergang des "Aquaria" wollen wir nicht herbeirufen. Sollte sich aber nach dem 10. September eine Schönwetterperiode ankündigen und der Badchef seine Flexibilität in Sachen längere Öffnung des Freibads umsetzen, das wäre für mich wie Weihnachten.
Martin Kohler
Coburg