Die Infektionszahlen steigen seit Wochen, und nun hat die Welle auch die Regiomed-Krankenhäuser erreicht: Am Mittwoch voriger Woche befanden sich 39 Patienten wegen Covid-19 in Behandlung in den Regiomed-Kliniken, davon sechs auf der Intensivstation, und zwei davon mussten beatmet werden. Derzeit betreuen die Regiomed-Kliniken 50 Covid-19-Patienten stationär, davon liegen drei beatmet auf Intensivstation.

Ein "hochdynamisches Geschehen" sei das, sagt Dr. Georg Breuer. Er ist nicht nur Leiter der Medical School von Regiomed, sondern auch zuständig für die Intensivstation im Klinikum Coburg. In welchem Haus genau die Intensivpatienten liegen, gibt Regiomed nicht bekannt. Aber, das betonten Breuer sowie seine Kollegen Dr. Thorsten Keil (Klinikum Lichtenfels) und Dr. Falk Sommer (Klinikum Sonneberg): Das Behandlungskonzept ist überall das gleiche.

Doch es hat sich verändert seit dem Frühjahr, "weil wir mehr wissen", wie Breuer sagt. Medikamente, die direkt gegen Covid-19 helfen, gibt es immer noch nicht. Aber die Mediziner haben gelernt, wie sie den Verlauf der Krankheit lindern können. Zum einen bei der Beatmung: Galt es vor einem halben Jahr noch als Standard, dass unter künstlichem Koma mit einem Schlauch in die Luftröhre beatmet werden solle, setzen die Ärzte nun auf Atemmasken und erhöhte Sauerstoffzufuhr. Das freilich hat Auswirkungen für sie selbst und die Pfleger. Denn bei der Beatmung über die Maske werden Aerosole freigesetzt, die ansteckend wirken können. Parallel dazu geben die Ärzte Dexamethason, ein Cortikoid, um die Immunreaktion zu hemmen. Studien haben gezeigt, dass so die Überlebenschancen der schwer kranken Patienten steigen. Remdesivir, das Medikament, mit dem auch der US-Präsident Donald Trump behandelt wurde, hilft, die Krankheitsdauer zu verkürzen. "Aber es ist kein Wundermittel", sagt Thorsten Keil. Es müsse zum richtigen Zeitpunkt gegeben werden. Und: Die Überlebenschancen werden dadurch nicht beeinflusst. Wichtig sei bei Covid-19-Patienten außerdem die Thrombose-Prophylaxe. Eine schwere Covid-19-Erkrankung führe zu einer Entzündung des gesamten Organsystems und damit zu einer erhöhten Thromboseneigung, erläutert Keil. "Das war am Anfang so nicht bekannt." Die Erkenntnis wurde aus Obduktionen gewonnen.

Corona ist keine Grippe

Auf keinen Fall sei die Corona-Infektion mit einer Grippe (Influenza) vergleichbar, auch wenn beide durch Viren ausgelöst werden, betont Keil: "Bei einer Influenza-Infektion ist der Patient nach 12 bis 24 Stunden so schwer krank, dass er von sich aus zu Hause bleibt und nichts weiterverbreitet." Bei Covid-19 dauere diese Inkubationszeit, bis sich deutliche Symptome zeigen, fünf bis sieben Tage. In dieser Zeit - mit leichten oder gar keinen Symptomen - könne ein Infizierter weitere Menschen anstecken. "Es ist wichtig, das zu begreifen, und warum es auf die Abstands- und die Maskenregelung ankommt."