Mit einer Gegenstimme beschlossen die Pretzfelder Marktgemeinderäte in ihrer jüngsten Sitzung, dass sie das Wässerwiesenprojekt des Landkreises Forchheim weiterhin unterstützen werden. Begonnen hatte dieses im Juni 2017 und sollte im Mai 2020 enden.

Johannes Mohr und Roland Lindacher von der Ökologischen Kreisentwicklung beim Landratsamt Forchheim stellten das Projekt noch einmal vor und informierten, dass sie beim Bayerischen Naturschutzfonds (BNF) einen Antrag auf Projektverlängerung bis Dezember 2022 gestellt haben.

Die Projektkosten für diese Verlängerung veranschlagten Mohr und Lindacher mit 415 000 Euro. Davon werden 70 Prozent vom BNF getragen und je zehn Prozent vom Landkreis Forchheim, der Oberfrankenstiftung und den acht beteiligten Gemeinden. Das bedeutet, dass die Gemeinden insgesamt 41 000 Euro aufbringen müssen.

Je nach Anteil am Projektgebiet teilen sich die Kosten unter den Gemeinden Ebermannstadt, Forchheim, Kirchehrenbach, Pinzberg, Unterleinleiter, Weilersbach, Wiesenthau und Pretzfeld auf. Mit 561,8 Hektar oder 29,8 Prozent liegt der größte Anteil der Wässerwiesenfläche in der Marktgemeinde Pretzfeld: Das bedeutet für den Markt Kosten in Höhe von knapp 12 500 Euro. Mit dem Projekt sollen im unteren Wiesenttal und den Seitentälern die traditionelle Wiesenbewässerung erhalten, Ökosystemdienstleistungen gesichert, Lebensräume erhalten, Öffentlichkeitsarbeit geleistet und Bewässerungssysteme wieder reaktiviert werden.

Roland Lindacher trug vor, dass durch die Wiesenbewässerung deutliche Ertragssteigerungen für die Landwirte entstehen. Außerdem wird das Klima verbessert, Schädlinge werden bekämpft sowie der Boden und das Flusswasser verbessert.

"Derzeit wird die Landwirtschaft an die Wand gestellt", sagte Johannes Mohr und meinte, dass man wohl im Osten genauer hinschauen sollte, aber nicht die Landwirte in der Fränkischen Schweiz kritisieren. Es müsse anerkannt werden, "wenn alte Werte weitergegeben werden".

Bisher gab es Informationsgespräche, Kartierungen, Recherchen und erste Instandsetzungen. In Pretzfeld gibt es fünf ruhende Wässergenossenschaften, die Interesse an einer Reaktivierung gezeigt haben. Das bestätigte auch Bürgermeister Steffen Lipfert (FW). Lindacher schwärmte vom Reichtum und der Vielfalt der Wässerungen in Pretzfeld, weshalb hier ein Informationszentrum geplant sei. Reiner Ziegler (FW) fragte nach, ob nur reaktiviert werde, falls die Besitzer das möchten. "Das ist ein freiwilliges Projekt, deswegen werben wir. Das einzige, was wir haben, sind Argumente", entgegnete Mohr. Er betonte, dass man niemandem etwas vorschreiben könne.

Anpassung

Gerhard Mühlhäußer (CSU/BB) war der Ansicht, dass in den vergangenen Jahren wenig für Pretzfeld passiert sei und daher der Kostenschlüssel geändert werden müsse.

Lindacher erklärte, dass viel Grundlagenarbeit für die ruhenden Genossenschaften erledigt worden sei. Darauf fragte Mühlhäußer nach, ob Geld in die Pretzfelder Wässergenossenschaften geflossen sei. "Das ist kein Pretzfelder Projekt, sondern ein solidarisches Projekt aus acht Gemeinden. Der Nutzen ist langfristig angelegt und unser Blick geht weiter im Sinn der Nachhaltigkeit", antwortete Mohr. Er könne das Projekt auch ohne die Gemeinde machen.

"Pretzfeld hat sich damals solidarisch gezeigt, weil es das meiste bezahlt hat", so Mühlhäußer Er wolle nur, dass der Schlüssel überprüft werde.