Nach dem Lockdown wurden Weißenohe und Dorfhaus von Touristen regelrecht überschwemmt. "Es war vier Wochen lang Land unter", erinnert Bürgermeister Rudolf Braun. Fast täglich. In normalen Zeiten sind die zugeparkten Straßen auf die Wochenenden beschränkt. Trotzdem ein unhaltbarer Zustand für die Weißenoher, die oft nicht einmal mehr aus ihrer Einfahrt kommen.

Die Straßen sind beidseitig zugeparkt. Auch in Dorfhaus, denn die Touristen parken selbst im Acker und steigen dort aus, um den Kinderwagen aus dem Kofferraum zu holen. Wenn es möglich wäre, würden sie bis zu den Sinterstufen fahren. Nur: "Wir wollen diese Eventtouristen nicht", sagt Braun und meint damit nicht die Wanderer, die gesittet auf den erstellten Wanderparkplätzen ihre Autos parken und durch den Ort zur Lillachquelle wandern, sondern die Touristen, die nur kommen, um so schnell wie möglich am Ziel zu sein, die Sinterstufen fotografieren und dann weiterziehen.

Arbeitskreis soll es richten

Deshalb hat nun Dritter Bürgermeister Thomas Windisch vorgeschlagen, einen Arbeitskreis zu gründen, der sich ausschließlich mit der Parksituation beschäftigt. Die Autos müssen aus dem Ort gehalten werden, denn auch für Rettungsfahrzeuge werde es an solchen Tagen problematisch, zu Patienten zu gelangen. Diese Parksituation jedenfalls sei ein Grund, warum in der schnellen Dorferneuerung in Dorfhaus kein Wanderparkplatz entstehen werde. "Die Bürger wollen nicht noch mehr Autos nach Dorfhaus locken", sagte Bürgermeister Braun, als er die Gemeinderäte nochmals über die Informationsveranstaltung in der Lillachtalhalle zum Thema Dorferneuerung informierte.

Dorfhaus ist in seiner Struktur nicht für den Touristenansturm ausgelegt. Die Straßen sind teils zu eng, ein Spielplatz fehlt. Die einzige Verbindungsstraße zu Weißenohe ist die Dorfhauser Straße. Um diese herum hat sich der Ort entwickelt. Aber auch verändert, zumindest, was die Art des Lebens betrifft. Immer mehr Landwirte haben aufgehört. Das bewirkt den Wandel des eigentlich landwirtschaftlich geprägten Ortes. Häuser in baulich schlechtem Zustand gehören auch zum Ortsbild.

Und Konfliktpotenzial durch das hohe Verkehrsaufkommen und die nötigen Parkplätze für die Wanderer zur Lillachquelle - besonders an Wochenenden und Feiertagen - und auf der anderen Seite die Landwirtschaft, die noch existiert. Diese gesellschaftliche und bauliche Veränderung bewirkt einen schleichenden Identitätsverlust des Altorts. Diese Problematik wurde vom Gemeinderat und dem Amt für ländliche Entwicklung erkannt.

Maßnahmen koordinieren

Der Gemeinderat beantragte deshalb bereits in der vergangenen Legislaturperiode die Aufnahme ins Dorferneuerungsprogramm. Dem ging bereits 2001 eine vertiefte Untersuchung für den Altort Dorfhaus und den Altort Weißenohe voraus. Der barrierefreie Umbau des Weißenoher Plärrers mit der Neugestaltung des Zentralplatzes war ein Ergebnis der Maßnahmen. Ähnliches wird auch für Dorfhaus angedacht.

Wobei der Zentralplatz durchaus auch in privater Hand sein kann und wird, nämlich der Platz beim Gasthaus "Zum Lillachtal".

"Auch Privatmaßnahmen werden gefördert", sagte Braun und erklärte, dass der Zentralplatz nur der zentrale Punkt im Ort ist, aber keinesfalls ein Platz für die Allgemeinheit, falls er einen privaten Eigentümer hat. Wolfgang Kießling, der Baudirektor am Amt für ländliche Entwicklung, hatte alle Gestaltungsmöglichkeiten eines erneuerten Dorfhaus bei einer gut besuchten Infoveranstaltung in der Lillachtalhalle vorgestellt. "Die Bürger dürfen am 24. Oktober im Kloster Langheim ihre Vorstellungen, Wünsche und Überlegungen einbringen", informierte Braun. Auf jeden Fall werde es endlich einen Spielplatz geben, der voraussichtlich hinter dem Feuerwehr- und Gemeinschaftshaus entstehe.

Das wurde bereits vor neun Jahren gebaut, denn die Dorfhauser hatten weder das eine noch das andere. Neben dem Gemeinschaftshaus ist das Haus einer verstorbenen Dorfhauserin, deren Erbe zugunsten des Katastrophen- und Feuerschutzes der Gemeinde zur Verfügung steht. Das Haus ist baufällig und muss abgerissen werden.

Wie der Platz gestaltet wird, ist noch offen. Auch der Backofen am Haus der verstorbenen Wohltäterin wurde saniert. "Die Feuerwehr hat schon des öfteren darin gebacken", sagt Braun. Das Jubiläum fiel heuer wegen Corona aus und soll nächstes Jahr nachgeholt werden.

Straßen werden breiter

Hauptaufgabe wird der Straßen- und Wegeausbau sein. Der Ausbau geht wohl auf Höhe auf der Baumgärten mit der Dorfhauser Straße los und beinhaltet auch die Sanierung der Hüttenbacher Straße und der Waldstraße: Beide werden verbreitert. Alles in Einem: "Es wird eine schnelle Dorferneuerung werden", sagt Braun abschließend. Der Unterschied zu einer kompletten Dorferneuerung ist, dass keine Teilnehmergemeinschaft benötigt wird.