Zum "Pfarrbrünnla", auch "Wasserrädla" genannt, zieht es viele Eltmanner, wenn sie ihren Sonntagsspaziergang oder ihre Walkingrunde antreten. Wenn sie das zur Osterzeit oder gerade jetzt im Advent tun, dann bietet der Waldweg ihnen besondere Impressionen. In Eltmann wird der Wald nämlich vorweihnachtlich geschmückt. Andrea Neuß und ihr Mann hängen - mittlerweile mit Verstärkung - Hunderte von Kugeln an die Bäume entlang des Weges und rund ums "Pfarrbrünnla".

Andrea Neuß ist in Eltmann bekannt und beliebt. Sie ist in einer Gastwirtsfamilie aufgewachsen und heute noch bei vielen nur die "Posthalters-An-drea". Das Zwischenmenschliche liegt ihr am Herzen; so steht sie schon mal gerade jetzt in Corona-Zeiten auf der Straße und singt jemandem ein Geburtstagsständchen, und wenn es drauf ankommt, dann dekoriert sie die gesamte Stadthalle für eine Vereinsveranstaltung aus ihrem schier unerschöpflichen Fundus.

Eines Tages begann sie, die Mariengrotte an der Straßengabelung zwischen der Weingartenstraße und "In den Weingärten" zu Ostern und zu Weihnachten zu dekorieren. Vor 15 Jahren kam sie dann auf den Gedanken, auch ihren Lieblingsweg zum "Wassserrädla" zu Ostern zu schmücken. Der Stadtförster hatte nichts dagegen; sie konnte loslegen.

Dekorationsmaterial hatte sie erst einmal genug. "Aber natürlich geht auch immer was kaputt", erklärt sie während eines Spaziergangs zum "Pfarrbrünnla". Doch inzwischen wissen ja viele, dass sie zweimal im Jahr diese Aktion startet, "und da kommen immer wieder ganze Kartons mit Kugeln oder Ostereiern, auch von den Wertstoffhof-Betreuern".

Im Gegensatz zu früher sind die Christbaumkugeln ja kein "Schatz" mehr, der über Generationen vererbt wird, sondern auch hier bilden sich Modeerscheinungen heraus. So gibt es kein Problem mit Nachschub, "aber wir müssen schon aufpassen, dass uns der Keller nicht überquillt", sagt ihr Mann Jürgen lachend.

Vor fünf Jahren wurde Andrea Neuß am Meniskus operiert, da bekamen die beiden Verstärkung. Seitdem helfen Robert und Roswitha Gehring mit, wenn es mit Schubkarre und Bollerwagen in den Wald geht. "Das ist klasse, der Robert ist nämlich groß und kann weiter nach oben greifen", freut sich Jürgen Neuß mit einem schelmischen Grinsen. Auch zu viert dauert die Deko-Aktion noch drei Stunden, aber dann haben viele Menschen wochenlang ihre Freude.

Immer wieder variiert die Dekoration, denn mal wurde ein Baum entfernt, weil er in den Weg hineinwuchs, dann wieder sind Äste zu weit oben. Heuer stand gegenüber dem "Pfarrbrünnla" plötzlich ein Wildzaun, damit Neuanpflanzungen geschützt werden - prompt hat ihm Andrea Neuß eine Girlande verpasst.

Die Leute freuen sich und Andrea Neuß auch, vor allem in diesem besonderen Jahr, denn solche Aktionen stiften ein Stück Gemeinschaft. Deshalb hat An-drea Neuß ihre Aktivitäten in diesem Jahr auch noch auf den Rathausbrunnen und das kleine Brünnlein am Kindergarten ausgeweitet. An Heiligabend platziert sie an der Mariengrotte wie jedes Jahr eine Krippe, "und zur Christmette stellen wir an den Marktplatz große Windlichter", freut sie sich schon heute.