Sprachen? Einige. Staatsangehörigkeit? Argentinisch. Stimmlage? Sopran. Ja selbst ihre Konfektions- und Schuhgröße gibt Clementina Culzoni auf ihrer Webseite preis. Ihr Alter nicht.
Doch was die schauspielernde Sängerin, deren Rollenalter von 20 bis 50 angegeben wird, am Samstag in der Alten Darre im Stadtturm darbot, war ohnehin zeitlos. So ist Weihnachten eben. Die KIS (Kultur Initiative Staffelstein) holte sich die argentinische Sängerin nun schon zum wiederholten Mal ins Haus. Und nun schon mit wiederholtem Erfolg.


Aus der Heimat

Da stand sie, 1,60 Meter groß, so zierlich wie resolut und singend temperamentvoll. Eine Messe wollte sie singen - kreolisch. "Misa Criolla" ist die Weihnachtserzählung von ihrem Landsmann Ariel Ramirez (1921 - 2010). In ihr werden unterschiedliche kulturelle Eigentümlichkeiten eines an Provinzen reichen Landes in Noten gesetzt, und es spielt eben in der Heimat. Der Schulterschluss aus biblischer Überlieferung und Zutaten aus der Neuen Welt. Das reicht tief in den Begriff "Katholisch" hinein.


Mit drei Begleitern

Doch allein kam die Sängerin nicht. An ihrer Seite Flavio Roces (Trommel), Reiner Armbruster (Klavier) und Jörg Heß am Kontrabass. Eine Instrumentierung, die, lässt man das Bandoneon einmal außen vor, auch auf Tango Nuevo schließen lassen könnte.
Doch ein Kyrie, ein Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei wiesen ganz klar in Richtung einer Liturgie, welche die in Würzburg lebende Argentinierin mittels kleinen Geschichten zu argentinischen Weihnachtsbräuchen vermittelte.


Variantenreiche Stimme

Doch Sopran reicht als Bezeichnung für Culzonis Stimme nur im Sinne eines Näherungswertes. Passagenweise klingt sie wie kurz vor behaucht, Umbrüche in den Tonhöhen gelingen ihr bei Bedarf sofort hell und klar. Auf ihre Combo darf sie dabei zählen. Die lässt der ausdrucksstarken Sängerin den Raum für große Gesten und große Stimme, aber bloßes Begleitung oder Anhängsel ist sie nicht. Auffallend virtuos die zurücknehmende Spielweise von Heß, mit Bass Klangteppich gebend, aber nie übertönend.
Oder das von Armbruster schon beim Anschlag sehr eigentümlich akzentuiert gestaltete Klavierspiel, Spannung und Auflösung scharf voneinander abgrenzend und doch weich gestaltend.


Musik ohne Verstärker

Eindeutig hörbar auch der kluge Entschluss des Ensembles, das Spiel durch Verstärkerverzicht auf Raumgröße abzustimmen. Und wie so oft bei Musik aus Argentinien gab es da auch noch diese gelegentlichen Schwebezustände aus nicht mehr ganz Moll und noch nicht ganz Dur.
Ein reicher musikalischer Abend einer sympathischen Gruppe. Man muss kein Prophet sein um zu behaupten, dass dieses Ensemble wieder nach Bad Staffelstein kommen wird.