Der ehrenamtliche Klimaschutzbeauftragte der Stadt Coburg, Stefan Sauerteig (SPD), bezieht nun ebenfalls zum möglichen Ausbau des Weichengereuths Stellung: Er spricht sich "in aller Deutlichkeit" dagegen aus. Sauerteigs wesentliches Argument: "Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von zirka 33 Litern Diesel pro 100 Kilometer Lkw-Verkehr würden bei zirka 60 An- und Abfahrten werktäglich über das Weichengereuth und die Uferstraße zirka 40 Tonnen an zusätzlichem CO2-Ausstoß im Vergleich zu einer Anbindung über den Südkreisel anfallen. Des Weiteren gilt es auch andere verkehrsbedingte Emissionen, beispielsweise Lärm zu vermeiden", schreibt Sauerteig in einer Stellungnahme zu der laufenden Diskussion um den Ausbau der B4 zwischen Frankenbrücke und Südzufahrt.

Brose-Logistikkonzept

Der Stadtrat hatte diesen Ausbau im Mai 2020 abgelehnt, obwohl die Firma Brose im Vorfeld bekanntgegeben hatte, dass sie ihr Logistikkonzept auf diesen vierstreifigen Ausbau hin ausgerichtet habe. Brose will in der Nähe des Südkreisels ein neues Logistikzentrum aufbauen, das täglich von 100 Lastern angefahren werden soll, die dann natürlich auch wieder wegfahren. Alle Lkw sollen über die Frankenbrücke und die Uferstraße hin- und wieder wegfahren. Damit soll laut Brose die Bamberger Straße vom Lkw-Verkehr entlastet werden.

Zuständig für den Ausbau des Weichengereuth ist der Bund; die Federführung hat das staatliche Bauamt in Bamberg. Das hat schon mitgeteilt, dass es die Straße nicht gegen den Widerstand der betroffenen Kommune ausbauen werde.

Stefan Sauerteig weist darauf hin, dass die bisherigen Straßenausbaumaßnahmen zum Ziel hatten, die Stadt vom Durchgangsverkehr zu entlasten. Ein vierstreifiger Ausbau der B4 im Weichengereuth stelle jedoch eine "neue Belastung für das Stadtklima" dar. "Wir sind uns alle bewusst, dass im Weichengereuth in Sachen Verkehrssicherheit für Kraftfahrzeuge und Radfahrer Verbesserungen herbeigeführt werden müssen. Verschiedene Fraktionen sehen in einer ,intelligenten Dreispurigkeit‘ einen Ansatz, den es weiterzudenken und planerisch zu vertiefen gilt", schreibt Sauerteig. Die Stadtverwaltung habe diese Prüfung zugesagt.

"Offene Diskussion" gewünscht

"Auch für den Anschluss des geplanten Logistikzentrums der Firma Brose wünsche ich mir eine offene Diskussion um die nachhaltig beste Lösung für Stadt, Stadtgesellschaft und Unternehmen. In dieser Phase der Planung darf es von keiner Seite Denkverbote geben. Mit der nötigen Kompromissbereitschaft sehe ich enormes Potenzial, um auch am Eingangstor zur Stadt rund um den Südkreisel zu einer nachhaltig besseren Verkehrsführung zu kommen." Daher appelliere er an alle Beteiligten, "sich für eine Lösung einzusetzen, die auch den Bedürfnissen des Klimaschutzes gerecht wird und einen nachhaltigen Beitrag leistet, die Luft in unserer Stadt sauber zu halten. Das ist nicht zuletzt eine Frage der Glaubwürdigkeit unserer Anstrengungen für den Klimaschutz", schließt Sauerteig. sb