Die Lukaskirche am Ketschendorfer Hang darf nicht abgerissen werden. Ende April hatte das bayerische Landesamt für Denkmalpflege das 51 Jahre alte Gebäude als Baudenkmal eingestuft. Die evangelische Kirche hätte das Gemeindezentrum gerne verkauft, mehrere Interessenten hatte es gegeben. Sie wollten das Gebäude abreißen, um dann auf dem 4300 Quadratmeter großen Grundstück Wohnungen zu errichten. Diese Pläne haben sich mit der Entscheidung des Denkmalschutzes zerschlagen. Bleibt die Frage, was nun mit dem markanten Gebäude passieren soll. Wir hätten da zehn - nicht immer ganz ernst gemeinte - Vorschläge.

1. Stadtmuseum - Der Wunsch nach einem eigenen Museum für die zeit- und kulturgeschichtlichen Schätze, die in den Depots der Stadt Coburg schlummern, ist schon Jahrzehnte alt. Immer wieder kommen Objekte dazu, etwa durch Schenkungen oder aus Nachlässen. Was jedoch fehlt, ist ein ausreichen großes Gebäude, in dem man die Exponate ansprechend präsentieren könnte. Platz dafür wäre in der ehemaligen St.-Lukas-Kirche vorhanden - und als erster kirchlicher Bau des Architekten Hans Busso von Busse (1930 bis 2009) ist die Kirche ja auch irgendwie selbst ein Exponat der Coburger Stadtgeschichte.

2. Proberaum für Coburger Bands -

Ein Großteil der Gebäude auf dem ehemaligen BGS-Gelände im Coburger Norden steht leer. Bei heimischen Bands und Musikern ist die alte Kaserne jedoch sehr beliebt, können sie doch hier ungestört proben. Von den Plänen, ein modernes Klinikum auf dem BGS-Gelände zu bauen, sei das Gebäude, in dem die Bands aktuell proben, nicht betroffen. Das hat Oberbürgermeister Dominik Sauerteig erst im März beteuert und, für den Fall, dass es doch anders kommen sollte, seine Hilfe bei der Suche nach neuen Räumlichkeiten angeboten. St. Lukas wäre groß genug und dicke Wände hat es auch. Da müsste der OB gar nicht lange suchen...

3. Lehrschwimmbecken - Seit vielen Jahren gibt es in Coburg kein Lehrschwimmbecken mehr. Dabei ist Schwimmen lernen für Kinder doch so wichtig. Für einen Neubau kämpft unter anderem die Facebook-Gruppe "Pro Lehrschwimmbad Coburg" und OB Sauerteig hat einen runden Tisch zum Thema angekündigt. Nun, das Klinker-Mauerwerk im Innern der Lukaskirche erinnert doch entfernt an eine Schwimmhalle. Warum also nicht ein Lehrschwimmbecken in St. Lukas einrichten? Hier und da ein bisschen abdichten und dann Wasser rein. Kinder können dort Schwimmunterricht nehmen oder, so der Vorschlag eines Kollegen, "lernen, wie man übers Wasser geht".

4. Trainingshalle für Sportvereine - Bleiben wir beim Sport. Warum sollte man die Räume des Gemeindezentrums nicht als Trainingshalle für Sportvereine nutzen? Mit seiner schlichten und wenig kirchentypischen Gestaltung im Innern, böte sich St. Lukas geradezu an, zum Beispiel für Tischtennisabteilungen. So abwegig ist die Idee auch gar nicht, denn - daran erinnert sich ein Tageblatt-Kollege, der in den 80er Jahren Zivildienst in St. Lukas geleistet hat - Jugendarbeit wurde damals schon groß geschrieben in der noch jungen Kirchengemeinde. Und es gab sogar eine Tischtennisplatte, auf der die Jugendlichen in ihrer Freizeit spielen konnten.

5. Übungsgebäude für die Coburger Feuerwehr - Den Ernstfall wieder und wieder zu üben, ist für die Einsatzkräfte der Feuerwehr essenziell. Mit ihren verwinkelten Ecken und Treppen wäre die Lukaskirche sicher bestens geeignet, um darin Brandbekämpfung oder den Umgang mit der Atemschutzausrüstung zu trainieren. Einen großen Haken hat der Vorschlag allerdings: Wenn die Feuerwehr alle naselang mit Getöse anrücken würde, würden sich die Anwohner bedanken - und der Denkmalschutz vermutlich auch.

6. Heinrich-Bedford-Strohm-Ge-­

denkstätte - Zugegeben, die Idee ist nicht ganz ernst gemeint, aber der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm ist mit St. Lukas tatsächlich schon von der Kirchenweihe im November 1969 an verbunden. Sein Vater, Albert Strohm, war der erste Pfarrer der St.-Lukas-Gemeinde. Unter seiner Ägide war das Kirchengebäude auch errichtet worden. Und selbstverständlich konfirmierte Albert Strohm dort auch seinen Sohn Heinrich. Dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wäre eigentlich auch die Aufgabe zugefallen, St. Lukas beim letzten Gottesdienst am 31. Dezember 2020 zu entwidmen. Doch Corona ließ das seinerzeit nicht zu. Die Entwidmung der Kirche wurde bis heute nicht nachgeholt.

7. Übungsobjekt für Architekturstudenten - Auch wenn der Denkmalschutz entschieden hat, dass die Lukaskirche nicht abgerissen werden darf, irgendetwas muss mit dem Gebäude in naher Zukunft passieren. Allein die dringendsten Arbeiten würden aber schon mit 1,5 Millionen Euro zu Buche schlagen, eine umfassende Sanierung würde ein Vielfaches kosten. Aber vielleicht ginge es ja ein wenig günstiger? Warum nicht mal die Architekturstudenten der Coburger Hochschule fragen? Vielleicht würde ein Architekten-Wettbewerb unter dem Studierenden ganz neue Ansätze bringen, was sich aus dem markanten Gemeindezentrum machen ließe. Und vielleicht würde am Ende sogar ein Geistesblitz dafür sorgen, dass die St.-Lukas-Gemeinde ihre liebgewonnene Kirche weiter nutzen kann.

8. Ausweich-Spielstätte für das Landestheater - Sollte das Globe am Güterbahnhof wider Erwarten doch nicht in der geplanten Zeit fertig werden, könnte das Landestheater die Räume der Lukaskirche für Vorstellungen nutzen - in abgespeckter Form natürlich und vorausgesetzt, Corona lässt Aufführungen vor Publikum wieder zu. Eine Art Bühne ist im Gemeindezentrum schon vorhanden, wie sich eine Tageblatt-Kollegin erinnert. Sie selbst hatte dort anno 1975 einmal bei einer Aufführung des Ketschendorfer Kindergartens mitgewirkt - "als neunte Fee im Märchen Dornröschen".

9. Event-Location - Der englische Begriff ist bewusst gewählt, weil sich dahinter so ziemlich alles verbergen kann: Eine Lasertag-Halle, in der zwei oder mehr Spieler versuchen, auf einem speziellen Parcours Aufgaben zu lösen; ein Escape-Room, bei dem es gilt, sich in einer bestimmten Zeit aus einem verschlossenen Raum zu befreien; eine zweite Kletterhalle für den Deutschen Alpenverein; ein Indoor-Spielplatz für Familien oder - der ganz spezielle Wunsch eines Kollegen - ein riesiges Bällebad für Erwachsene, selbstverständlich mit extra großen Bällen.

10. Sankt-Lukas-Bräu - Craft-Beer hat sich längst einen Platz unter den Lieblingsgetränken erobert. Warum also nicht den Platz im Gemeindezentrum für eine kleine Brauerei nutzen? Ein, zwei Braukessel sollten sich doch dort unterbringen lassen? Das würde auch bestens zum 17.30-Uhr-Läuten der Kirchenglocke passen, die bei manchen alteingesessenen Ketschendorfern nur "das Bierglöckchen" heißt. Und das Bier würde seine Fans finden. uso