Klaus-Peter Gäbelein Die Straßenbezeichnungen in Herzogenaurach wurden in den letzten 100 Jahren mehrfach geändert. Teilweise unterlagen sie dem Zeitgeschmack oder vor allem ab 1930 bzw. nach dem Zweiten Weltkrieg waren es auch die politischen Verhältnisse, die neue Straßenbezeichnungen erforderten. Und dennoch kann man heute manche Straßennamen bisweilen nicht immer auf Anhieb erklären.

Wer kann mit den (verhältnismäßig) einfachen Namen wie "Edergsse", "Kellergasse" und der alten Bezeichnung "Am Rahmberg" etwas anfangen? Eine "waschechte" ältere Dame aus der Innenstadt antwortete vor einigen Jahren auf die Frage nach der Herkunft der Bezeichnung "Am Rahmberg" schlicht und einfach folgendermaßen: "Der Name kommt daher, weil bei starken Regenfällen immer ,su a rahmia Brieh‘ (bräunliches oder milchfarbiges Wasser) den Berg hinabgeflossen ist." Das mag wohl so gewesen sein, aber die gute Frau hatte wohl nicht bedacht, dass zwischen der Bamberger Straße und dem Wiwa-Weiher einst die Tuchmacherrahmen standen , mit denen einst die Tuchmacher ihre gewaschenen Stoffe aufspannten, um sie zu trocknen und in entsprechende Form zu bringen.

Und woher kommt wohl die Bezeichnung "Kellergasse" für das Sträßchen, das heute vom "Kreisl" (dem früheren "Königsplatz") stadtauswärts nach Osten führt? Wo sind denn hier die "Keller", vielleicht sogar die Bierkeller, an die ein echter Franke spontan denkt, wenn er das Wort hört? Hat es hier in dem Schwemmland nahe der Aurach überhaupt jemals Keller gegeben? Gewiss nicht!

Aber es gab vor rund 150 Jahren eine hochgestellte Herzogenauracher Persönlichkeit, die am Domberg in Bamberg Akzente gesetzt hat: den Dompropst und Prälaten Franz Seraph Keller, einen gebürtigen Herzogenauracher (geboren am 20. Oktober 1831). Der Lehrersohn studierte in Bamberg Theologie, wurde bereits in jungen Jahren Domkaplan in Bamberg, danach Militär-Kuratus in Nürnberg und verwaltete anschließend das Amt des Hauspfarrers beim Zellengefängnis in Nürnberg.

In dieser Zeit schrieb er seine Doktorarbeit sowie Predigten über die sieben Schmerzen Mariens, mit denen er sich als glänzender Kanzelredner profilierte. König Ludwig II. berief ihn 1872 als Stadtpfarrer in die Diasporagemeinde in das protestantische Ansbach; schließlich wurde er als Domkapitular in das Amt des Dompfarrers in Bamberg berufen. Hier wirkte Franz Keller 22 Jahre lang und wurde dann Abgeordneter im bayerischen Landtag. Die Stadt Bamberg verlieh ihm für seinen Einsatz zur Förderung der kulturellen und industriellen Entwicklung der Domstadt das Ehrenbürgerrecht.

Ehrenbürger zweier Städte

Eine neue Aufgabe wartete auf ihn, als er von Papst Leo XIII. als Dompropst nach Augsburg berufen wurde (1896). Es folgte seine Berufung zum Dompropst in Bamberg (1902). Hier führte er noch zweimal während der Sadisvakanz des Erzbischofs das Amt des Erzbistum-Verwesers. Im ersten Kriegsjahr (1914) starb Franz Keller, Ehrenbürger der Städte Herzogenaurach und Bamberg, Hausprälat von Prinzregent Luitpold im Alter von 83 Jahren und Träger zahlreicher Orden, infolge eines Magenleidens.

Keller hat Zeit seines Lebens stets an seine Heimatstadt Herzogenaurach gedacht. Er vermachte der Stadt, die damals mit großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, (Niedergang der Tuchmacherei, Probleme mit der Schuhindustrie) 20 000 Mark zum Bau eines Kinderheims unter der Voraussetzung, dass die Stadt den Bauplatz kostenlos zur Verfügung stelle und unter der Bedingung, dass im gleichen Gebäude eine "Handarbeitsschule" für schulentlassene Mädchen unter Führung von katholischen Ordensschwestern gegründet werde.

1500 Mark seiner Ersparnisse gingen schließlich an die Stadt mit der Bedingung, von den Zinsen des Geldes das Grab seiner Eltern und seiner Geschwister instand zu halten.

Sein sehnlichster Wunsch, der Bau des Kinderheims, konnte nach den Kriegswirren von 1914 bis 1918 und den anschließenden Jahren wirtschaftlicher Depression erst unter der Regie von Stadtpfarrer Franz Rathgeber erfüllt werden. Die damalige "Kinderbewahranstalt" wurde am 9. Oktober 1932 ihrer Bestimmung übergeben und ist noch heute eine hervorragende Einrichtung ihrer Art.

Die Kellergasse ist also wesentlich mehr als eine Gasse mit oder für Kellerkinder und schon gar nicht für Besucher von Bier- oder Weinkellern.