Ob "Paunchy Cats" oder "TECnet Zentrum" - in den heimischen Musikkneipen und Kleinkunstbühnen erklingt derzeit keine Musik. Das Coronavirus hat die heimische Musikszene in einen Dornröschenschlaf versetzt. Wie lange dieser andauern wird, weiß derzeit niemand.

Die Veranstalter sind finanziell und ideell getroffen. Doch die anfängliche Schockstarre ist einem pragmatischen und zukunftsorientierten Handeln gewichen, wie eine Umfrage unter heimischen Veranstaltern zeigt.

Gasthof "Zur Linde"

Kalt erwischt hatte es Norbert Czisch vom Gasthof "Zur Linde" im Bad Staffelsteiner Ortsteil Unnersdorf. Vor der Sommerpause wollte er im März noch zwei Konzerte veranstalten. Der 61-Jährige hatte gehofft, dass der Corona-Kelch an ihm vorübergehen würde. Schließlich hatte der Freistaat zu diesem Zeitpunkt nur Großveranstaltungen mit über 1000 Besuchern verboten.

"Im Falle des österreichischen Künstlers Walter Pucher war nicht klar, ob er sein Heimatland Österreich verlassen dürfe", erzählt Czisch. Den finanziellen Schaden durch die Konzertausfälle beziffert er auf 1000 Euro. Umso dankbarer ist er seinen Stammgästen, die in der Krise seinen Außer-Haus-Verkauf von Pizzas und Salaten zu schätzen wissen.

Die sich abflachende Kurve der Neuinfektionen stimmt ihn zuversichtlich, dass es im Herbst mit Konzerten weitergehen werde. Eine längere Pause wäre schwierig für Musiker und Veranstalter. "Man kann Geisterspiele im Fußball abhalten, aber keine Geisterkonzerte", stellt er klar.

"Café Moritz"

Gerhard Löffler, der im "Café Moritz" in Lichtenfels regelmäßig Konzerte organisiert, verweist auf den ideellen Verlust: "Die Musiker haben Freude am Musizieren und werden dieser beraubt." Bis zum 31. August sind Großveranstaltungen verboten. Ab welcher Personenzahl beginnen sie? - das fragen sich derzeit viele Veranstalter kleinerer Konzerte. Löffler wünscht sich diesbezüglich Klarheit. Es sollte eine exakte Begrenzung der Anzahl mit Auflagen und Schutzmaßnahmen geben. Auch der Lichtenfelser hofft, dass es im Herbst wieder Musikabende geben werde.

"TECnet Obermain"

Schwer getroffen von der Krise wurde der Burgkunstadter Kleinkunstverein "TECnet Obermain", der in seinem "TECnet Zentrum" in Burkersdorf regelmäßig Konzerte und Comedy-Abende durchführt. Alle Frühjahrsveranstaltungen mussten abgesagt werden.

Der Verein, der sich durch Mitgliedsbeiträge und Konzerterlöse finanziert, stand kurz vor dem Aus. Nach der Hauptversammlung, die man online abhielt, machte der Vorstand Nägel mit Köpfen. "Mein Stellvertreter Markus Rauch hatte den genialen Einfall, eine Spendenaktion zu starten. Dadurch ist das Fortbestehen bis zum Herbst gesichert", berichtet Vorsitzender Jürgen Bergmann aus Burgkunstadt.

Das Sommerfest im August wird im Verein kritisch gesehen. "Ich habe keine Lust, ein ‚Super-Spreading-Event‘, auf dem sich viele Leute infizieren, mitzuorganisieren", so Rauch. Konzerte mit Musik zum Tanzen hält er in Zeiten des Abstandsgebotes für unmöglich. Veranstaltungen, bei denen es nur um das Genießen von Musik gehe, ließen sich hingegen unter Auflagen, wie Limitierung der Besucherzahl, Hygienekonzepte und Aufnehmen der Kontaktdaten zum Nachverfolgen eines Infektionsgeschehens, durchführen. Wann geht es im "TECnet Zentrum" wieder los? "Sobald die bayerische Staatsregierung es wieder erlaubt. Die Planungen für den Herbst sind bereits gemacht", sagt Bergmann.

"Rösla"

Auch die Burgkunstadter Kleinkunstkneipe "Rösla" hat derzeit geschlossen. Dass die Gesundheitskrise der Musikszene den Todesstoß versetzen könnte, glaubt Betreiber Stephan Herold nicht, der durch seinen Hauptberuf als kaufmännischer Mitarbeiter bei einem Versandhandelsunternehmen finanziell abgesichert ist. Es werde sich in den nächsten Wochen und Monaten einiges bewegen. Dann werde man, so Herold, auch Wege finden, um wieder Live-Musik zu veranstalten. "Für viele Leute und deren Wohlbefinden ist sie einfach viel zu unersetzlich", meint der Konzertveranstalter.

"Paunchy Cats"

Einen Strich durch die Rechnung machte das Coronavirus der Lichtenfelser Musikkneipe "Paunchy Cats". Das "16th Anniversary Konzert" im Mai, zu dem Bands wie die "Babylon Bombs" aus Schweden eingeflogen werden sollten, musste abgesagt werden. Um sich finanziell über Wasser zu halten, wurde eine Spendenaktion gestartet, bei der 1800 Euro zusammenkamen. Außerdem werden Gutscheine und Werbeartikel verkauft. Alsdorf wünscht sich baldige Klarheit von Seiten der Politik, wie es in Sachen Konzerte weitergehen kann.