Bei Voruntersuchungen zum Neubau der Erlanger Schleuse am Main-Donau-Kanal bei Möhrendorf wurden Spuren einer bronzezeitlichen Siedlung gefunden. Die Menschen lebten von Ackerbau und Viehzucht.
Auf Einladung des Wasserstraßen-Neubauamts (WNA) berichteten die zwei Archäologinnen über die ersten Ergebnisse der Ausgrabungen der bronzezeitlichen Siedlungen an der künftigen Neubaustelle der Erlanger Schleuse bei Möhren-dorf. Auf 100 Teilnehmer war man vorbereitet, mehr als 200 kamen. Keine Frage: Das Thema interessierte die Möhrendorfer. Sie wollten wissen, wer vor so langer Zeit an ihrem Ort gelebt hatte und vor allem, wie diese Menschen - unsere Vorfahren - in der Bronzezeit gelebt haben.
Das Guckloch in die Vergangenheit öffneten die Referentinnen Stefanie Berg vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und die Grabungsleiterin Teresa Losert. Anhand von Charts präsentierten sie die einzelnen Schritte der bisherigen Ausgrabungen, die Funde und die damit verbundenen Rückschlüsse auf das Leben unserer Vorfahren in der Bronzezeit, berichtet das WNA.
Den ersten Schritt - erzählte Teresa Losert - bildeten die Sondierungsarbeiten auf dem künftigen Neubaugelände der Erlanger Schleuse. Begonnen habe man im Winter 2019 und die Arbeiten dann im Winter 2020 fortgesetzt. Geschuldet sei diese Unterbrechung der Lage des Grabungsfelds in der Trinkwasserzone. Gearbeitet werden konnte daher nur in der Winterzeit, wenn weniger Trinkwasser benötigt wird.
Bei den Sondierungsarbeiten wurde der Oberboden mit einem Kettenbagger vorsichtig abgetragen. Dabei sei man auf zahlreiche Verfärbungen gestoßen, für den Archäologen untrügliche Beweise menschlich verursachter Strukturen. Diese Verfärbungen, genannt Befunde, wurden sorgfältig freigelegt, ausgegraben, dokumentiert und ausgewertet. Zu jedem Befund wurde die Zusammensetzung seiner Verfüllung ermittelt. Dabei fanden sich Fundstücke wie Keramikscherben, Steinartefakte, Knochen- und Lehmreste.
Insgesamt könne man aus den Befunden und Fundstücken folgende Rückschlüsse ziehen: Etwa 1400 - 1300 v. Chr. siedelten Menschen auf der westlichen Regnitzterrasse. Ein guter Platz, denn die Seebach sicherte die Trinkwasserversorgung, die leichte Erhöhung sorgte für den notwendigen Hochwasserschutz. Die Menschen wohnten in mittelgroßen, zweischiffigen Häusern, Länge etwa zwölf Meter, Breite zwischen fünf und sechs Metern. Sie lebten von Ackerbau und Viehzucht.
Ein Tropfen aus Metall
Gefunden wurden Reste von Reibsteinen zur Herstellung von Mehl und Teile großer Gefäße, in denen vermutlich Getreide gelagert wurde. In zwei Gruben fanden sich Spinnwirtel aus Keramik. Sie dienten als Gewichte für einfache Handspindeln, ein Beweis dafür, dass in der Siedlung Wolle oder Flachs zu Garn versponnen wurde. Ein einziger unförmiger Gusstropfen aus Bronze zeigt, dass die Bewohner der Siedlung bereits Metallobjekte kannten und eventuell sogar selbst verarbeiteten.
Ein Fundstück gibt den Archäologen noch Rätsel auf. Dabei handelt es sich um ein Steinbeil. Es stammt aus der mittleren Jungsteinzeit (Mittelneolithikum etwa 5000 - 4500 v. Chr.) und ist damit deutlich älter als die bronzezeitliche Siedlung. Was also hat ein Steinzeitbeil in der Bronzezeit verloren?