Keine Noten, keine Auslese, kein Frontalunterricht, aber private Kosten. Klingt für den einen gut, macht anderen Angst. Lernt da mein Kind genug? Eltern, die die Entscheidung treffen, ihr Kind auf eine Montessori-Schule zu schicken, müssen sich mit dem Anderssein auseinandersetzen. Sie müssen eine gesunde Portion Vertrauen mitbringen. In erster Linie in ihre eigenen Kinder. Denn eine Notenkontrolle gibt es nicht.

"Aber, was heißt eigentlich ,genug lernen'?," fragt Annett Hamberger, Schulleiterin der Montessori Volksschule in Mitwitz. "Wer Potenzial hat, schafft seinen Abschluss!" Davon ist sie überzeugt, mehr noch: "Unsere Kinder tun sich später im Leben einfach leichter." Ganz nach dem Maria Montessori-Prinzip "Hilf mir, es selbst zu tun!" wird auch in Mitwitz unterrichtet.

60 pädagogische Mitarbeiter (Lehrer, Sozialarbeiter und Erzieher) kümmern sich um 320 Schüler. Der Großteil der Kinder wird jeden Morgen aus Coburg Stadt und Land mit Bussen abgeholt und in die rund 20 Kilometer entfernte Schule gefahren.

Die Sympathien für die Montessori-Pädagogik sind in Coburg groß. Die Montessori-Krippe "Bergwichtel - Haus für das junge Kind" auf dem Gelände der Medau-Schule gilt bundesweit als Vorzeigeeinrichtung.

Die Initiatorin und langjährige Leiterin Andrea Donath ist mittlerweile Vorsitzende der Deutschen Montessori-Gesellschaft und führt ein Kinderhaus in Berlin. Die Eltern der Krippenkinder fordern seit Jahren eine Montessori-Anschlusseinrichtung.

Ein Konzept zur Erweiterung der Krippe um einen Montessori-Kindergarten liegt bereits bei der Stadt Coburg vor. Am 28. März wird der Jugendhilfesenat darüber abstimmen.

Steigende Schülerzahlen

Mit der Schaffung eines Montessori-Kindergartens könnte die Lücke zwischen Krippe und Schule geschlossen werden. Seit 2017 gibt es auch eine Montessori-Fachoberschule in Kronach, die von der Montessori-Schule Mitwitz mitgeführt wird. Doch zurück zur Praxis: Was ist das Besondere an der Schule in Mitwitz, die in den vergangenen Jahren stark expandiert hat? "Der Trend setzt sich fort und wir haben große Ziele", sagt die Geschäftsführerin Gudrun Jersch-Bittermann, unter deren Regie die Schülerzahlen nahezu ums Sechsfache gestiegen sind. Sofort kommt sie ins Schwärmen und erzählt vom "Erdkinderplan", der jetzt in Mitwitz umgesetzt wird.

Konkret heißt das: Die Jahrgangsstufe 7/8 renoviert ein altes Haus, das von der Marktgemeinde gekauft wurde. Die Schüler gestalten den dazugehörigen Garten und bewirtschaften ihn. Ein angrenzenden Waldstück wird als erlebnispädagogisches Erfahrungsfeld genutzt. Zusammen bilden die drei Bereiche ein erlebnis-pädagogisches Zentrum.

Wie muss man sich das vorstellen? "Zur Zeit arbeiten die Jugendlichen an den Kabelschächten für die Elektrik", sagt Gudrun Jersch-Bittermann. "Uns geht es vor allem darum, den Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, allein und selbstständig zu arbeiten, ihre eigenen Erfahrungen zu machen und dabei die Mechanismen der Ökonomie und des praktischen Lebens kennenzulernen."

Die rund 60 Schüler sind in verschiedene Gruppen eingeteilt. Es gibt die Steuerungsgruppe, die Controlling-Kalkulationsgruppe, die Innenausstatter und Einkäufer, die Buchhalter und Planer, die Handwerker, aber auch Marketing-Verantwortliche und einen Verpflegungs- und Erste-Hilfe-Trupp. Insgesamt steht den Schülern ein Budget von 10 000 Euro zur Verfügung.

Maria Montessori erkannte bereits im frühen 20. Jahrhundert, dass eine vor allem kognitiv ausgerichtete Schule und ein ständiges Sitzen nicht den Bedürfnissen von Jugendlichen entsprechen. Aus diesem Grund entwickelte sie den Erdkinderplan. An Lorenz hätte sie ihre wahre Freude: "Es ist schön nicht nur in der Schule zu lernen, sondern auch mal richtig anpacken zu können."