Simone Bastian

Das Wort "Talk" ist wörtlich zu nehmen: Die einführenden Worte der Kandidaten sind schnell vorbei, dann dürfen Fragen gestellt werden. Ramona Brehm hat sich munitioniert und eröffnet den Reigen mit einem Anliegen der Gastronomin Tanja Stadelmeyer: Überbrückungshilfen und Kurzarbeitergeld haben über die Coronabedingten Schließungen geholfen. Aber davon bleibt nichts, wenn diese Hilfen im Nachhinein versteuert werden müssen. Was tun?

Diese konkrete Frage beantwortet Scholz nicht. Er spricht von den Milliarden, die bereitgestellt wurden, um Unternehmen zu retten. Auch auf andere Fragen geht er nur sehr allgemein ein: Was denn die SPD den Menschen im ländlichen Raum zu bieten habe, wo viele Pendler wohnen?, fragt Carsten Höllein, Vorsitzender der Landkreis-SPD. Die Antwort: Investitionen in die Infrastruktur, Pendlerpauschale, sozial verträgliche Klimaschutzabgabe und "wir dürfen auf die digitale Entwicklung hoffen". Also auf Shuttle-Busse zu den Hauptlinien von Bussen und Bahnen. Norbert Tessmer, ehemaliger Coburger Oberbürgermeister, fragt nicht lang, sondern erteilt Aufträge: Wenn schon für 30 Millionen Euro eine Einschleifung für den ICE nach Coburg gebaut wurde, dann müssen in Coburg auch mehr ICE halten als vier am Tag in jede Richtung. "Vergessen werde ich das nicht", verspricht Scholz.

Es bleibt großenteils bei allgemeinen Themen, wenn auch gelegentlich speziell: Gabriele Morper-Marr fordert, dass höhere Gehälter in der Pflege nicht dazu führen dürfen, dass die ambulanten Dienste Leistungen kürzen müssen, weil bei Ausgleichszahlungen nur die Heime berücksichtigt werden, nicht die ambulanten Pflegedienste. Da kann Scholz nur zustimmen und darauf verweisen, dass es zur Finanzierung der Pflege ein "solidarischeres System" brauche. Die privaten Pflegekassen seien schließlich voll.

Drei Minuten vor Schluss beginnt Ramona Brehm mit dem Verabschieden, obwohl es noch Fragen gäbe. Aber für Themen wie "Finanzierung von Jugendverbänden und Beteiligungsstrukturen wie Jugendringen" würde vermutlich die Zeit nicht reichen. Scholz wirkt leicht überrascht, dass es schon vorbei ist, aber nicht unglücklich und sagt: "Tschüs." Mehr nicht.