Quiet please", heißt es in diesen Tagen wieder bei den Australian Open in Melbourne, wenn das Publikum zwischen den Ballwechseln zu viel tuschelt und hineinruft. Die Spieler stehen im Mittelpunkt, nicht die Zuschauer.
Einen, der wie der Schiedsrichter beim Tennis streng um Ruhe bittet, hätte man sich auch am Samstag beim Neujahrsempfang der Stadt gewünscht. Keiner muss den Thesen von Festredner Michael Stoschek beipflichten. Es darf kommentiert und kritisiert werden - aber nicht postwendend. Der Anstand gebührt, den Hauptakteur ausreden zu lassen. Für Widerspruch ist danach noch reichlich Raum, und die eigene Homepage, soziale Netzwerke und die Zeitung garantieren im Nachgang genug Aufmerksamkeit. Das ist auch kein Widerspruch zu dem von Oberbürgermeister Andreas Starke eingangs proklamierten "Jahr der Haltung", in dem Zivilcourage gefordert sei. Schließlich stand am Rednerpult kein Demagoge à la Björn Höcke, der in seinen Ansprachen wesentliche Punkte unserer Demokratie torpediert, sondern ein angesehener, erfolgreicher Unternehmer. Und die Abkehr von der Kernenergie ist keineswegs im Grundgesetz verankert.