7,3 Millionen Euro. So viel hat die Stadt noch nie an Gewerbesteuern eingenommen. Diese Rekordsumme füllte 2007 das Stadtsäckel. Hauptzahler war - wie immer seit Beginn der Produktion - FTE (vormals "der Kufi"). Damals war Klaus Gockler FTE-Geschäftsführer, der sich noch an die Gespräche zusammen mit seinem Finanzchef Willems beim Kämmerer der Verwaltungsgemeinschaft, Klaus Ebert, und Bürgermeister Robert Herrmann (CSU) erinnert. Goldene Jahre. Für Firma und Stadt. Im laufenden Jahr rechnet der Kämmerer Horst Junge gerade mit der Hälfte dieser Summe. "Und da darf nichts passieren", orakelte schon bei der Haushaltsberatung Ende April Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD).


Bürgermeister kennt Situation

Was Hennemann damals meinte, war allen klar: Ein möglicher Verkauf von FTE, wie nunmehr als Fakt angekündigt, drückt zumindest einige Jahre auf den Stadt-Haushalt.
Bei den fünf Verkäufen seit 1993 zuvor zeigte sich jeweils ein deutlicher Rückgang der Gewerbesteuer im Jahr des Verkaufs bzw. in den Folgejahren, die zum größten Teil vom größten Arbeitgeber weit und breit überwiesen wird. Von FTE. Wenn bei einem Eigentümerwechsel der Kaufpreis das Betriebsergebnis belastet, sinkt folglich auch das Steueraufkommen.
Deswegen hatte Hennemann auch lange mit der Idee eines Börsenganges von FTE geliebäugelt, wie er zwischenzeitlich in Betracht gezogen worden war, wodurch frisches Geld in die Firmengruppe gepumpt worden wäre.


Optimistische Perspektiven

Doch zwischenzeitlich hat sich der einstige FTE-Betriebsratsvorsitzende Hennemann mit der neuen Konstellation angefreundet. "Ich sehr mehr Chancen als Gefahren." Von der Produktpalette her passe FTE Automotive bestens in Portfolio des Weltkonzerns aus Frankreich, der in 29 Ländern aktiv ist. "Gerade im Bereich aftermarket (Ersatzteile) ist FTE so gut aufgestellt, dass davon sogar Valeo profitieren kann", weiß Hennemann aus Erfahrung und zollt damit der bisherigen Geschäftsführung höchstes Lob, die "FTE in den zurückliegenden Jahren gut ausgerichtet und aufgestellt hat".
Dies kommt auch im bemerkenswert hohen Kaufpreis zum Ausdruck, der Bain Capital und dessen Anlegern eine saftige Rendite in die Kassen spülte. Das Achtfache des Gewinns (vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen), der für 2016 erwartet wird, hat Valeo hingeblättert, wird aus einer Firmenveröffentlichung der Franzosen deutlich.
Zuversichtlich überwiegt auch bei Hennemanns Nachfolgerin im Betriebsrat, Sonja Meister, nach einer ersten Besprechung mit Vertretern aus der Chefetage des neuen Eigentümers. Die Betriebsratsvorsitzende: "Wir sehen durch diesen Eigentümerwechsel mehr Chancen als Risiken. Aus den Gesprächen haben wir einen positiven Eindruck mitgenommen und sehen der Zukunft optimistisch entgegen."


"Weiche Integration" bei Valeo

So hätten Xavier Dupont, Präsident im Bereich Antriebssysteme, und Personaldirektorin Pruvot zur Frage, ob FTE eigenständig bleibt, oder voll bei Valeo integriert wird, erklärt, dass ihnen als neuer Eigentümer die Motivation der Mitarbeiter besonders wichtig sei, weswegen es nur eine "weiche Integration" geben solle. "Vorerst bleibt alles, wie es ist", teilte Meister mit. "Valeo will FTE keinen Mantel überstülpen. Allerdings wird es künftig auch Richtlinien von Valeo geben, die mit denen von FTE verzahnt werden." Auf jeden Fall versprechen sich die neuen Eigentümer vom Kauf ein weiteres Wachstum, so die Belegschaftsvertreterin.