"Genussregion Oberfranken" heißt es, und das zu Recht. Nach den langen Corona-Monaten sehnen sich viele nach den Biergärten und Gaststätten mit einer deftigen Brotzeit. Dass auch das kulturelle Angebot zu den Genüssen der Region zählt, ist einem im Lockdown schmerzlich bewusst geworden. "Kunst für Genießer - unbekannte Schätze der Plassenburg" nennt sich die neue Reihe. Sie soll eine Einladung sein, mal wieder hochzugehen und in der Fülle des Angebotes viele Schmankerl zu entdecken.

In den letzten zwei, drei Jahren ist viel geschehen im Zinnfigurenmuseum. Neue Abteilungen sind aufgebaut worden, zum Beispiel eine große Schau mit Manga-, Star-Wars- und Fantasy-Figuren im Eingangsbereich - Figuren, die weltweit ihren festen Platz in der Pop- und Medienkultur haben. Dazu passte die interessante Sonderausstellung "Mensch, Monster, Maschine", die wegen Corona nur kurze Zeit zu sehen war, doch nach der Wiederöffnung um einige Wochen verlängert werden soll. Außerdem ist eine größere Zahl von Dioramen, die im Depot geschlummert haben, aufwendig restauriert worden. Sie sollen in den nächsten Monaten jeweils separat der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Das Deutsche Zinnfigurenmuseum ist ein gigantischer Schatz, um den viele Städte Kulmbach beneiden: 300 000 Einzelfiguren, 150 Schaukästen, auf fünf Etagen verteilt. Zu Unrecht steht er bei manchen im Ruf, bärtig und verstaubt zu sein und sich in monumentalem Schlachtengetümmel zu erschöpfen.

Mit unserer Serie wollen wir dagegenhalten: Es sollen zunächst Kleinformate vorgestellt werden, an denen man leicht vorübergeht. Viele von ihnen sind witzig, reizend, liebenswürdig - einfach charmant. Fast immer erzählen sie eine amüsante Geschichte oder greifen heitere Bild-Motive von Malern wie Carl Spitzweg oder Adolf von Menzel auf.

Man kann sicher sein, dass auch Kinder ihren Spaß an haben, wenn man ihnen die Szenen aufschlüsselt. Kurzum: Die ausgewählten Bilder sollen Appetithäppchen auf mehr oben in der Plassenburg sein.

Folge 1: Wer sitzt hier ein?

Unverkennbar ein Klosetthäuschen, mit einem herzigen Loch wie aus dem Bilderbuch. Zwei Männer mit dringenden Bedürfnissen, doch das Plumpsklo ist besetzt. Der eine klopft verzweifelt an die Tür, der andere versucht, gekrümmt, auf einem Bein tanzend, das Unvermeidbare aufzuhalten. Damit es schnell losgehen kann, hat er seine Mütze und den Rock schon auf einer Stange daneben abgelegt. Unverkennbar sind es Bayern, ausgestattet mit urbayerischen Attributen wie Sepplhut mit Pfauenfeder, weißblau geringeltem Short und rot gestreiftem Livree. Doch wer sitzt ein? Wer wird wie heraustreten?

Zweifellos ist die Szene von Carl Zuckmayers Komödie "Hauptmann von Köpenick", unsterblich verfilmt mit Heinz Rühmann in der Titelrolle, inspiriert worden. Dort riegelt sich der Schuhmacher Wilhelm Voigt im Klo des Schlesischen Bahnhofs von Berlin ein, um die Hauptmannsuniform anzuziehen, die er kurz vorher auf dem Trödelmarkt erworben hat. Draußen aber steht ein Bahnbeamter herum, für den es allerhöchste Eisenbahn ist, aufs Töpfchen zu kommen. Er rüttelt verzweifelt, beschimpft den Langweiler drin.

Doch dann tritt Voigt in der Hauptmannsuniform heraus. "Haben Sie gedient?", schnauzt er den Mann an. - "Jawoll, Herr Hauptmann. - "Dann haben Sie auch gelernt, sich zu beherrschen!"

Um sich einen Spaß mit den Bayern zu machen, wird die Szene von der Spree an den Weißwurst-Äquador verlegt. Gestaltet hat die Miniatur ein waschechter Preuße, der bekannte Berliner Zinnfigurenherausgeber Werner Scholtz.

Den Spott locker vertragen

Wir hiesigen Franken, Jung-Bayern, die einst der preußischen Krone gedient und erst 1810 dem Königreich Bayern zugeschlagen worden sind, vertragen natürlich locker den Spott. Wir schätzen unsere Berliner Freunde, wie man ferne Verwandte, Vettern und Nichten halt so schätzt ...

In der nächsten Folge geht es um Preußens tollkühnes Fräulein.