Berufstätige Eltern sind oftmals auf die Betreuung ihrer Kinder in Krippen und Kindergärten angewiesen. Auch eine Frage der Verantwortung: Was kostet die Betreuung, wer bezahlt sie und was macht der Staat, um Eltern zu entlasten?

"Generell muss sich die Gesellschaft weiter öffnen", sagt der Stettfelder Jürgen Melber, Schulleiter der Caritas-Fachakademie für Sozialpädagogik Bamberg. "Erwerbstätigkeit bietet soziale Teilhabe, erhöht die Zufriedenheit und trägt zur Verbesserung der Lebensqualität bei." Die Frage nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie stellten sich beide Elternteile, es gehe auch um Gleichberechtigung. Das lasse sich nur mit einem entsprechenden Angebot an Kinderbetreuungsplätzen realisieren.

Vollständige Gebührenfreiheit?

Die Freien Wähler haben im vergangenen Wahlkampfjahr eine vollständige Gebührenfreiheit für Kitas in Aussicht gestellt, davon ist der Staat aber noch weit entfernt. Der Fränkische Tag wollte von Jürgen Melber wissen, ob er die Gebührenfreiheit für umsetzbar hält. "Natürlich ist das ein Ziel", sagt der Stettfelder. "Eine Bertelsmann-Studie hat gezeigt, dass gerade einkommensschwache Familien bei den Kita-Beiträgen überproportional belastet sind."

Die Beitragsfreiheit dürfe aber nicht zu Lasten der Qualität führen. "Personelle Ausstattung, mehr Zeit für Leitungsaufgaben und Pädagogik, verbesserter Betreuungsschlüssel, tarifliche Vergütung in der Ausbildung und bessere Bezahlung von Erzieherinnen und Erziehern, Behebung des Fachkräftemangels sind nur ein paar Beispiele dafür, was bei der Verteilung von Geld mitbedacht werden muss", erklärt Melber.

Kindergartenpflicht?

Wäre eine Kindergartenpflicht (ähnlich der Schulpflicht) ein Schritt in die richtige Richtung? "Kitas, Krippen und Kindergärten sind die erste Stufe eines Bildungssystems, in dem die Kinder Grundlagen fürs Leben lernen. Dennoch sehe ich eine Kindergartenpflicht eher skeptisch", sagt Melber. " Ich meine, ein qualitativ gutes Betreuungsangebot in Kitas, in dem Eltern das Vertrauen haben, dass es ihren Kindern gut geht, erhöht die Akzeptanz und die Einsicht von alleine, dass es für die Entwicklung der Kinder förderlich ist, eine Kita zu besuchen." al