Stammtischrunden im Wirtshaus um die Ecke, über denen dichte Rauchschwaden hängen, und die wöchentliche Skatrunde, bei der neben dem Bier die Schachtel Zigaretten immer griffbereit parat liegt. Selbst in den Restaurants blieb die Kippe nicht aus. Ein vergilbter Schleier hängt über diesen Szenen, die heute gefühlt Jahrzehnte zurückliegen. Der abendliche Besuch in der Stammkneipe, er war für Liebhaber der Glimmstängel anders nicht vorstellbar, und die Nicht-Raucher kannten es nicht anders.

Dabei ist sie gerade einmal zehn Jahre her, die Revolution der Kneipenkultur. Das bayerische Volk entschied sich mit 61 Prozent für ein Rauchverbot in der Gastronomie. Die Neufassung des Gesundheitsschutzgesetzes trat am 1. August 2010 in Kraft. Der Rauch verzog sich schlagartig. Seit zehn Jahren ist die Luft wieder rein.

In den einstigen Raucherkneipen

Die Empörung bei den eingefleischten Rauchern war auch in Kronach groß - und viele von ihnen können sich bis heute nicht so recht mit dem Rauchverbot in ihrer Stammkneipe arrangieren, wie ein abendlicher Besuch in den örtlichen Lokalen zeigt. Die beiden FT-Reporter müssen nicht lange suchen: An diesem lauen Sommerabend hat es die Gäste im Lichtblick in den Biergarten verschlagen. Wir setzen uns zu zwei Männern an den Tisch, die genüsslich ihre Zigarette rauchen. "Es blieb uns nichts anderes übrig. Wir mussten uns damals daran gewöhnen", sagt der Rechte achselzuckend und nimmt noch einen tiefen Zug. "Ich habe früher in Italien gearbeitet, dort durfte schon Jahre vorher nicht mehr in den Bars geraucht werden", erklärt der andere. Für ihn sei das Ende der geselligen Raucherei darum nicht so wild gewesen. "Für die Kneipen war das allerdings schlimm", erinnert er sich. Nachdem sie zum Rauchen nach draußen gehen mussten, seien viele der örtlichen Stammtische zu Gaststätten weiter außerhalb der Stadt abgewandert, wo das mit den Vorschriften noch nicht ganz so eng gesehen wurde. Überlebt hat das Lichtblick trotzdem - und auch die meisten Stammgäste sind geblieben. "Aber die Stimmung hat sich verändert. Die Geselligkeit ist weg!", sagen die Männer, bevor sie sich in die Nacht verabschieden.

Lange bleiben wir jedoch nicht alleine: Wir nehmen Blickkontakt zu einem Biker-Pärchen auf, das wir bereits aus dem Augenwinkeln als eifrige Raucher ausgemacht haben. Ute und Fred Hofmann kommen aus Hessen, "wo man in kleinen Kneipen und Nebenräumen noch rauchen darf". Nach Kronach kommen sie regelmäßig, um Familie und Freunde zu besuchen. "Aber nur noch im Sommer, wenn wir eh draußen sitzen", betont Fred. "Ich wüsste nicht, was wir im Winter in Bayern sollen."

Fred und Ute gehören der Kuhlen Wampe - einem antifaschistischen Motorradclub-Verband - an und kommen dementsprechend viel in Deutschland herum, um andere Clubs zu besuchen. Sie erinnern sich an die ersten Monate nach der Einführung, als jeder Raucher einen Stapel Mitgliedskarten für sogenannte Raucherclubs hatte. "Natürlich nervt das Rauchverbot", erklären sie. Nichtsdestotrotz besuchen sie weiter die befreundeten Clubs, in denen nicht geraucht werden darf. "Rücksicht nehmen wir trotzdem auf unsere Freunde."

Wo es sich jedoch vermeiden lässt, macht das Paar um das Rauchverbot einen großen Bogen: Seit 40 Jahren ist der 61-Jährige in der Gastronomie tätig. "Seit dem Rauchverbot haben wir nur noch Kneipen und keine Restaurants mehr betrieben." Wo öffentlich gegessen wird, dürfe auch in Hessen nicht mehr geraucht werden, erklärt Fred. Mit dem Rauchen wegen des Verbots aufzuhören - dieser Gedanke ist ihnen nie gekommen.

Ortswechsel. Im Limerick Pub ist an diesem Abend nicht viel los, Barkeeper Olli hat darum Zeit, sich zu uns zu setzen und seine Rauchergeschichte zu erzählen. Tatsächlich war der 37-Jährige starker Raucher. Selbst seine damalige Lebensgefährtin, eine radikale Glimmstängel-Gegnerin, konnte ihn nicht zum Aufhören bewegen. "Ich habe es ihr versprochen, aber immer heimlich weitergeraucht", gibt er lächelnd zu. Die Freundin ging, die Sucht blieb noch ein paar Jahre länger. "Du musst von dir aus aufhören wollen", erklärt er rückblickend.

Rauchfrei und tolerant

Inzwischen ist Olli seit sechs Jahren rauchfrei. Von einen Tag auf den anderen habe er aufgehört - und laut eigener Aussage auch kein Verlangen mehr nach dem Nikotinkick. Dass in den Bars und Gaststätten sowieso nicht mehr geraucht werden durfte, kam dem 37-Jährigen damals zwar entgegen. "Es würde mich jetzt aber auch nicht stören, wenn wieder geraucht werden dürfte." Bierselig kann man eben auch ohne Kippe sein.

Wie er jedoch so übers Rauchen spricht, werden alte Erinnerungen wach. Stundenlange Lan-Partys mit den Kumpels in der Spielkiste. Undenkbar sei es da gewesen, dass die Raucher eine Zockerpause machen, um mal schnell vor der Tür eine Lulle durchzuziehen. Es sei eben eine andere Zeit gewesen, damals. "Anfangen würde ich trotzdem nicht mehr." Während er das sagt, schweift sein verklärter Blick an uns vorbei in die Ferne. Einen Moment lang ist Olli still, überlegt, und fügt dann hinzu: "Das war schon eine tolle Zeit damals."