Veronika Schadeck Kreis Kronach  —  Ob wirtschaftlich, sportlich oder privat: Das Coronavirus legt nicht nur den Alltag, sondern auch das Vereinsleben lahm. Oftmals fehlt nicht nur ein Stück Geselligkeit, sondern die Vereine haben auch finanzielle Einbußen zu verzeichnen. Das sind Gelder, die beispielsweise für Jugendarbeit, Anschaffungen oder für die Rückzahlung von Krediten benötigt werden.

Ein Beispiel ist der 1. FC Stockheim. Als Vorstand und Mitglieder vor zwei Jahren mit den Planungen für ihren Kunstrasenplatz begonnen haben, hat niemand daran gedacht, dass ein Virus den Sportbetrieb zum Erliegen bringen könnte. Ihr Kunstrasenplatz, der einmalig im Landkreis ist, wurde vor wenigen Monaten fertiggestellt. Im September und Oktober, so erzählt der Kassier und Mitglied des Projektteams, Daniel Weißerth, wurde dieses Spielfeld bereits für Trainingseinheiten genutzt. Der Kunstrasenplatz wurde gut angenommen. Im Zuge des zweiten Lockdowns wurden nun sämtliche Buchungen für November und Dezember storniert.

Auch für die ersten drei Monate 2021 liegen bereits Anfragen und Buchungen für die Nutzung des Kunstrasenplatzes durch andere Vereine vor. Ob diese abgesagt werden, hänge von weiteren Entscheidungen der Politik ab.

Für den 1. FC Stockheim bedeuten die Stornierungen finanzielle Einbußen von bisher rund 1200 Euro. Der gesamte Finanzierungsplan verschiebe sich nun um ein paar Monate, so Weißerth. Die ganze Situation sei sehr bedauerlich, zumal der Kunstrasen nicht nur dem 1. FC Stockheim, sondern allen Vereinen, sozialen Einrichtungen und Schulen in der Region zur Verfügung steht. Er soll nicht nur für Trainingseinheiten im Herren- und Damenfußball, sondern auch für Nachwuchsarbeit genutzt werden. Bedauern äußert Weißerth, dass Armin Eck mit seiner Fußballschule - er wollte während der Herbstferien mit seinen Kids dieses Spielfeld nutzen - eine Absage erteilt werden musste. Weißerth geht davon aus, dass vor April 2021 keine regulären Trainingseinheiten stattfinden können. Er hofft jedoch darauf, dass schon bald wieder Kinder und Jugendliche unter Beachtung eines Hygienekonzepts Fußball trainieren können. Denn, so sagt er, dieser Sport findet im Freien statt und ist mit viel Bewegung, Teamgeist sowie frischer Luft verbunden. Das sind Attribute, die zu einer gesunden Entwicklung eines Kindes beitragen.

Seit Anfang November ruht der Schießsportbetrieb nun wieder bei der Privilegierten Schützengesellschaft in Ludwigsstadt, erklärt der Zweite Schützenmeister Frank Ziener. Auch sein Verein musste sämtliche Veranstaltungen, die nach dem 15. März 2020 geplant waren, absagen. Vor allem der Verzicht auf das "Ludwigsstädter Vogelschießen", das zu den zweitgrößten Schützenfesten im Landkreis zählt, tat weh. Denn: "Das Vogelschießen ist die große gemeinsame Veranstaltung, die alle zusammenbringt!" Viele "Ludschter" richten ihren Urlaub danach. Ein "Vogelschießen light" wäre weder für ihn noch für seine Vorstandsmitglieder eine Alternative gewesen, denn das wäre nicht das Gleiche gewesen.

Ziener weist darauf hin, dass die Schützengesellschaft ihre Ausgaben über ihr Schützenfest und über die Bewirtung im Schützenhaus finanzieren. Diese Einnahmen fehlen nun. Deshalb habe die Gesellschaft auch die Rückzahlung ihres Darlehens für den Umbau des Schützenhauses aussetzen müssen. Eine Baumaßnahme am Schützenplatz wurde verschoben.

Und was den Schießsport betrifft: Hier sei ein Hygienekonzept für die Schießstände ausgearbeitet worden. Jeder Schütze konnte sich bis November online einen Schießstand reservieren. So war sichergestellt, dass nicht zu viele Leute gleichzeitig im Raum waren. Gemeinsame Trainingseinheiten gab es aber seit März nicht mehr.

Entspannt und traurig zugleich

Der Nordbayerische Musikbund, Kreisverband Kronach, versucht ein klein wenig, der Corona-Krise zu trotzen. So werden die aktiven Musiker in einer Aktion aufgerufen, in der Vorweihnachtszeit jeden Sonntag um 17.30 Uhr auf dem Balkon ein Lied zu spielen, um die Bevölkerung zumindest ein klein wenig musikalisch auf die Vorweihnachtszeit einzustimmen, teilt Wolfgang Müller mit.

"Für mich war es ein entspanntes, aber auch ein trauriges Jahr", fasst der Kreisvorsitzende für den Landkreis Kronach zusammen. Es gab keine Konzerte, keine Musikfeste und keinen Gemeinschaftschor im Landkreis. Es sei ein großes Stück kulturelles Leben verloren gegangen. Die Anzahl der Musikproben hielt sich bei den Musikvereinen im Frankenwald nach den Lockerungen des ersten Lockdowns in Grenzen. Wenn ein Musikverein trotzdem Musikstücke einstudierte, mussten umfangreiche Hygieneregeln beachtet werden. So wurde ein Abstand von zwei Metern verlangt. Das Kondensat musste in ein mit Folie ausgekleidetes verschließbares Gefäß aufgefangen werden, das nach jeder Unterrichtseinheit geleert wurde. All das war mit einem Riesenaufwand verbunden, so Müller. Sollten noch mehrere Monate lang keine Proben und Konzerte stattfinden können, so befürchtet Müller, dass den Blaskapellen aktive Musiker wegbrechen.

Dass sich wegen der Corona-Krise weniger Bürger für die Feuerwehr begeistern können, hält Kreisbrandrat Joachim Ranzenberger eher für unwahrscheinlich. Denn: "Die Leute wollen helfen." Übungen und Ausbildungen wie beispielsweise zum Maschinisten, Atemschutzgeräteträger und Leistungsprüfungen etc. lägen jedoch auf Eis. Und: "Es fehlen auch die sozialen Kontakte und die Kameradschaft!"