Wenn's mal wieder länger dauert, muss das nicht unbedingt negativ sein. Eigentlich sollte der Geburtstagsfilm nur ein paar Minuten lang werden. Aber die Stadt Münnerstadt hat derart viele historische Persönlichkeiten in ihrer Geschichte aufzubieten, dass der Film eine knappe halbe Stunde lang geworden ist. Rund zweieinhalb Monate haben Regisseur Rüdiger Wolf und sein Team dafür benötigt. Eine Zeit, die alle Beteiligten nicht so schnell vergessen werden. "Ich habe die Stadt in den letzten Monaten schätzen und lieben gelernt", sagte Rüdiger Wolf. In einer von ihm bevorzugten Mischung aus Laien- und Profidarstellern ist ein Streifen entstanden, der ganz gewiss kein Imagefilm ist. Es ist ein kurzweilige Entschädigung für eine ausgefallene Geburtstagsfeier und nicht zuletzt wegen der vielen bekannten Gesichter auch ein Stück Zeitgeschichte.

"Gute Mischung"

Der Film sei auf verschiedene Weise von Corona geprägt, sagte Bürgermeister Michael Kastl (CSU) vor der Uraufführung. Die 1250-Jahrfeier im letzten Jahr ist ins Wasser gefallen und am eigentlichen Tag der ersten urkundlichen Erwähnung, am 28. Dezember, sei gar nichts möglich gewesen. So sei die Idee mit dem Film entstanden. "Kein Imagefilm, sondern was ganz Eigenes", betonte das Stadtoberhaupt, mit Blick auf die Laien- und Profidarsteller. Rüdiger Wolf sei auch als Künstlermanager tätig gewesen und habe tolle Schauspieler gefunden. "Das ist eine gute Mischung."

Der Bürgermeister war bis dahin der einzige, der den Film in einer Rohfassung gesehen hatte. "Mir persönlich gefällt er", sagte Michael Kastl.

Der Film wird nicht nur auf der Homepage der Stadt und den sozialen Medien zu sehen sein, er wird auch auf DVD gepresst, kündigte der Bürgermeister an. Dafür wird ein kleiner Kostenbeitrag erhoben, der aber auch wieder für einen guten Zweck verwendet wird. Corona sei nicht nur der Grund des Filmes, das Virus habe auch die Filmaufnahmen begleitet, weshalb der Streifen auch etwas anders geworden ist, als ursprünglich geplant. Die große Party am Ende wird durch eine Online-Party ersetzt. Michael Kastl dankte allen, die am Film mitgewirkt haben, den Laiendarstellern, dem Stadtrat, der den Beschluss gefasst hat, und Rüdiger Wolf, dem der Film ein paar Nerven gekostet habe. So war die Drohne beispielsweise in einer Antenne auf dem Dach eines Hauses hängen geblieben.

Ein Anruf mit Folgen

Anfang November habe er einen Anruf von Kilian Düring bekommen, erinnerte Rüdiger Wolf an die Anfänge. Die Kreativkraft für Stadtmarketing und Tourismus habe nachgefragt, ob er Zeit habe, eine Film zu produzieren. "Einen Film zum Geburtstag konnte ich mir erst nicht vorstellen", gestand er ein. Über Nacht sei dann aber die Idee gereift. Am Ende sei der Film etwas länger geworden.

Der Film lebt garantiert nicht nur durch uns, der lebt durch Münnerstadt", betonte der Regisseur, der viele schöne Erfahrungen bei den Dreharbeiten gesammelt hat. Laien mit Profis zusammenzubringen, sei sein Markenzeichen. Wichtig sei ihm gewesen, alle drei Bürgermeister mit ins Boot zu holen. Rüdiger Wolf erinnerte an Darsteller, die spontan hinzugekommen sind. "So viele Ideen wären nicht möglich gewesen, wenn wir nicht als Team gearbeitet hätten." Besonders hob er Kilian Düring und Kulturmanager Nicolas Zenzen hervor sowie Hans-Ulrich Seufert und Katja Horling aus seinem Filmteam.

Die Geburtstagsfeier steht im Mittelpunkt des Films. Zu der lädt Bürgermeister Michael Kastl Personen aus der Geschichte Münnerstadts ein, die allesamt aus der Zeit gefallen sind. Die Familie Vait aus dem Heimatspiel, Johann Freiherr von Lutz, Tilman Riemenschneider, Veit Stoß, Johann Philipp von Schönborn, Nikolas Molitor, Graf Berthold VII von Henneberg, Kaiser Ludwig, der Bayer, die Augustiner und auch der Bildhäuser Haufen, der sich im Gasthaus zum Bären gegründet haben soll - sie alle werden zur großen Geburtstagsparty eingeladen, die dann wegen Corona nur Online stattfinden kann, wobei die drei Bürgermeister zusammen im Rathaus feiern.

Ab Freitag im Netz

Es ist ein Film über Münnerstadt, man muss sich schon ein wenig mit der Stadtgeschichte auskennen, um die Zusammenhänge und manch versteckte Anspielung zu verstehen. Es sollte ja ein Geburtstagsfilm für die Münnerstädter werden, weshalb auch etliche Einheimische mitwirken. Manche Laiendarsteller sind von den Profis kaum zu unterscheiden. Wer sich gar nicht mit der Geschichte auskennt, kann sich an den herrlichen Luftaufnahmen in der Altstadt erfreuen. Der Film ist ab Freitag im Netz (www.muennerstadt.de), zur Erinnerung hat Rüdiger Wolf der Stadt die Filmklappe geschenkt.