Veronika Schadeck

Steinbach/Wald/Coburg —  Zum Jahreswechsel verstarb der ehemalige Geschäftsführer und Gesellschafter der Wiegand-Glas Unternehmensgruppe, Konrad Wiegand, im Alter von 83 Jahren. Für sein Lebenswerk wurde er unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, er ist zudem Ehrenbürger der Gemeinden Steinbach am Wald und Großbreitenbach. Mit ihm verliert die Region eine herausragende Unternehmerpersönlichkeit und einen großartigen Menschen.

Obwohl Konrad Wiegand seinen Lebensmittelpunkt in den letzten zwei Jahrzehnten in Coburg hatte, fühlte er sich bis zu seinem Tod als Steinbacher. Wiegand gehört zu den Persönlichkeiten, die mit ihrem unternehmerischen Denken und Weitblick nicht nur Hunderte von Arbeitsplätzen sicherte, sondern auch mit seinem sozialen Engagement die Heimatgemeinde entscheidend prägte.

Vor knapp vier Jahren feierte er seinen 80. Geburtstag. Dies nahm er zum Anlass, um in einem Gespräch über sein erfülltes Leben zu sprechen. Dabei wurde klar, dass für Konrad Wiegand das Erbe "Wiegand-Glas" eine Verpflichtung war. Sein Tun und Handeln war geprägt von Traditionsbewusstsein, Weitblick und von der Verantwortung gegenüber seiner Familie und seinen Mitarbeitern. Für ihn galt sein ganzes Leben lang: "Das Leben ist nicht ein Aneinanderreihen von Vergnügen, sondern die Erfüllung einer Pflicht."

Nach seiner Kindheit in Gießübel/Thüringen, der prägenden Internatszeit im Schloss Gaienhofen am Bodensee und der anschließenden Ausbildung zum Volkswirt in Nürnberg mit anschließender Promotion übernahm er 1965 zusammen mit seinem Cousin Joachim Wiegand das Unternehmen in Steinbach am Wald von den Vätern. Die unternehmerische Leistung, visionäre Tatkraft und der unermüdliche Einsatz legten den Grundstein für das, was das Unternehmen heute ist. Verantwortung für die Mitarbeiter war dabei immer ein zentraler Aspekt seines unternehmerischen Handelns.

Nach vielen erfolgreichen Jahren kam mit dem Fall der Mauer eine weitere große Herausforderung mit dem Erwerb des ehemaligen VEB-Glaswerks in Großbreitenbach. Es entstand im März 1990 deutschlandweit eines der ersten Joint-Venture-Projekte in Thüringen. Es war eine bewegende Zeit im Leben von Konrad Wiegand mit vielen schlaflosen Nächten und langwierigen Verhandlungen mit der Treuhand. Die Mitarbeiter im Großbreitenbacher Glaswerk mussten sich zudem erst an das neue System und an neue Technologien gewöhnen.

Bei all seinen unternehmerischen Tätigkeiten vergaß Wiegand es nicht, sich für seine Gemeinde auf sozialer und kultureller Ebene zu engagieren. So unterstützte er viele Vereine und Projekte. Auch das Steinbacher Wahrzeichen - der Glasobelisk - trägt seinen Stempel. Im Jahr 2004 wurde er für seine herausragenden Verdienste um die Gemeinde Steinbach am Wald sowie in 2008 in Anerkennung der Verdienste um das Ansehen der Stadt Großbreitenbach durch die wirtschaftliche Umgestaltung und Weiterentwicklung der Großbreitenbacher Glasindustrie jeweils zum Ehrenbürger ernannt.

Nach seinem Eintritt ins Rentenalter blieb Konrad Wiegand weiterhin eng mit dem Unternehmen verbunden. Auch wenn er aus der aktiven Unternehmensleitung ausgestiegen war, verfolgte er immer mit großem Interesse die weitere Entwicklung des stetig wachsenden Unternehmens. Unter der Führung seines Sohnes Oliver Wiegand und seines Neffen Nikolaus Wiegand erfüllte es ihn mit Stolz zu sehen, wie die Wiegand-Glas Unternehmensgruppe zu einem Global Player wurde.

Bei der Frage an seinem 80. Geburtstag, woher er denn die Kraft nahm, sein Unternehmen erfolgreich zu führen und auf Kurs zu halten, antwortete er, dass er diese aus seinem Glauben gewonnen habe. In der Kirche könne er innehalten und habe Mut gefunden.

Neben seiner unermüdlichen Tatkraft für das Unternehmen zeichneten Konrad Wiegand sein Engagement für die Menschen aus. Er unterstützte nicht nur finanziell, sondern mit persönlichem Einsatz ein SOS-Kinderdorf sowie durch die Ingrid-Wiegand-Stiftung in der Deutschen Stiftung Denkmalschutz den Gebäudeerhalt der Schlosskirche in Letzlingen und damit die Zukunft dieser Kirche.

Mit bemerkenswerter Hingabe kümmerte er sich liebevoll über nahezu 30 Jahre um seine kranke Frau Ingrid Wiegand.