"Der konjunkturelle Erholungsprozess in unserem Wirtschaftsraum Coburg ist in weiten Teilen ins Stocken geraten. Die Aufholbewegung, die nach dem pandemiebedingten Absturz im Frühjahr 2020 bis in den Herbst hinein zu beobachten war, hat sich nicht fortgesetzt", ist die Quintessenz der IHK-Konjunkturumfrage zum Jahresbeginn 2021. Die staatlichen Corona-Unterstützungsleistungen müssten differenzierter und zielgerichteter stattfinden, um an den wirklich relevanten Stellen zu greifen, heißt es weiter in einer Pressemitteilung der IHK zu Coburg.

Wichtiger denn je sei jetzt ein von der Politik zu erarbeitender Gesamtfahrplan mit klarer Öffnungsstrategie und Zukunftsperspektive, kommentiert IHK-Präsident Friedrich Herdan die Ergebnisse dieser Konjunkturumfrage.

Noch immer ist die Wirtschaft weit entfernt vom Vorkrisenniveau. Derzeit bezeichnen 27 Prozent aller Unternehmen ihre wirtschaftliche Lage als "gut". Das sind 14 Prozent weniger als vor einem Jahr. Als "schlecht" bewerten aktuell 44 Prozent der Unternehmen ihre Lage, das sind zwölf Prozent mehr als in der Vorumfrage.

Die Verschärfung und Verlängerung des Lockdowns schlägt sich auch auf die Geschäftserwartungen der regionalen Wirtschaft nieder. Stellt man positive und negative Erwartungen gegenüber lag die Zuversicht bei der Herbstumfrage noch auf -6 und sank auf -18 Punkte.

Der IHK-Konjunkturklimaindikator, der die aktuelle Geschäftslage und Geschäftserwartungen abbildet, sinkt um zwölf auf 82 Punkte (langjähriger Durchschnitt: 114).

Industrie gesamt

In Coburgs exportorientierter Industrie hat ein zaghafter konjunktureller Erholungsprozess eingesetzt. Im Gegensatz zum ersten Lockdown im Frühjahr 2020 blieben im zweiten Grenzen offen und Lieferketten besser intakt. Die Betriebe berichten von punktuell leicht ansteigenden Auftragseingängen. Derzeit bezeichnen wieder 27 Prozent der Unternehmen ihre wirtschaftliche Lage als "gut". Exakt genauso viele Unternehmen bewerten ihre Lage als schlecht. Mittlerweile berichten 14 Prozent der Industrieunternehmen sogar von finanziellen Engpässen.

Die Geschäftsaussichten haben sich wieder eingetrübt. Die große Mehrheit der befragten Unternehmer rechnet mit sinkenden Umsätzen im Jahresverlauf im Vergleich zu 2020.

1. Maschinenbau Die Ordereingänge im Maschinenbau bleiben auf niedrigem Niveau. 50 Prozent der Befragten berichten von nicht mehr ausreichender Kapazitätsauslastung und Kurzarbeit.

Auf die kommenden Monate blicken die stark exportlastigen Maschinenbauer zweckoptimistisch, wenngleich ein hohes Maß an Unsicherheit bezüglich der globalen Wirtschaftsentwicklung bestehen bleibt. Ein Drittel der befragten Unternehmen hofft auf einen besseren Geschäftsverlauf.

2. Automobilzulieferer und Vorleistungsgüterindustrie Die Nachfrage heimischen Automobilzulieferer und Vorleistungsgüterproduzenten bewerten mit 37 Prozent (+4 Prozentpunkte gegenüber Vorumfrage) ihre Lage als "gut", 21 Prozent bleiben unzufrieden (-17 Prozentpunkte gegenüber Vorumfrage). Auch die Kapazitätsauslastung hat sich entwickelt (voll: 47 Prozent; befriedigend: 21). Der Anteil der Befragten, die ihre Auslastung als nicht ausreichend bezeichnen, ist von 63 auf 32 Prozent gesunken. Von weiterer Erholung gehen die heimischen Branchenvertreter eher nicht aus. Somit sackt der Saldo mit -20 Punkten deutlich ab.

3. (Polster-)Möbelindustrie Den Gebrauchsgüterproduzenten machen die aktuellen Corona-Beschränkungen stark zu schaffen. Durch die Schließung des Möbelhandels fallen für die Betriebe in der umsatzstärksten Zeit des Jahres die maßgeblichen Absatzkanäle weg. Viele Möbler zehren noch vom Auftragspolster aus dem vergangenen Jahr. Aktuell berichten 22 Prozent von noch guten Geschäften, ein Drittel ist unzufrieden. Die Geschäftsaussichten für die kommenden Monate sind im negativen Bereich (per Saldo - 43 Prozentpunkte).

4. Versicherungs- und Finanzgewerbe Die Unternehmen des regional starken Versicherungs- und Finanzgewerbes sind gut bzw. befriedigend ausgelastet. 75 Prozent der Branchenvertreter konnten ihre Geschäftslage nochmals verbessern.

Die Sorge vor Rezession und Insolvenzen prägt jedoch den Ausblick auf die kommenden Monate für ein Viertel der Befragten.

5. Unternehmensnahes Dienstleistungsgewerbe Das unternehmensnahe Dienstleistungsgewerbe profitiert teilweise von der leichten Erholung in der Industrie. 56 Prozent der Betriebe melden gute Geschäfte, ein Drittel der Befragten zeigt sich aber unzufrieden.

Die Branchenmehrheit erwartet gleichbleibende Geschäfte.

6. Einzelhandel Der Mitte Dezember verfügte "harte Lockdown" hat den stationären Einzelhandel mitten im Weihnachtsgeschäft und damit in der umsatzstärksten Phase des Jahres massiv getroffen. Drei Viertel der Branchenvertreter berichten von Umsatzeinbrüchen. Fortsetzung und Verschärfung des Lockdown sowie fehlende Öffnungsperspektiven sorgen für große Unsicherheit in der Branche.

7. Großhandel Auch im Großhandel hat sich die aktuelle Geschäftslage eingetrübt, denn die Grossisten hängen sowohl vom privaten Konsum als auch von den konjunkturellen Entwicklungen in anderen Wirtschaftssektoren ab.

8. Tourismus Das Hotel- und Gaststättengewerbe verzeichnet seit Frühjahr 2020 massive Umsatzeinbrüche. Die Branche ist durch erneute pandemiebedingte Einschränkungen bzw. Schließungen wieder außerordentlich hart betroffen. 90 Prozent der Befragten beurteilen ihre Geschäftslage als schlecht. Im Vergleich zur Vorumfrage sank der Saldo um 50 auf -85 Punkte. Ohne klare Öffnungsperspektiven blickt die Tourismusbranche in der Region Coburg mit großer Sorge auf die kommenden Monate. red