Dass in Kulmbach diskutiert wird ("viel mehr als früher"), findet Oberbürgermeister Ingo Lehmann (SPD) gut. Mitunter gebe es aber "wilde Diskussionen", zum Teil entfacht von CSU und WGK. Deswegen wolle er einiges geraderücken, sagte Lehmann am Samstag beim SPD-Ortsvereinstreffen mit Corona-Abstandsregeln in der Stadthalle.

"Wir sind alle stolz auf dich und drücken dir die Daumen, dass du Kulmbach in eine gute Zukunft führst", erklärte SPD-Landtagsabgeordnete Inge Aues. Und die Genossen begrüßten den neuen OB mit Applaus bei der ersten Versammlung nach dem Wahlsieg im März.

Lehmann, der sich überraschend gegen Amtsinhaber Henry Schramm (CSU) durchgesetzt hatte, lobte das Wahlkampfteam der SPD: "Wir waren eine schlagkräftige Truppe. Wir hatten nicht so viel Geld wie die anderen, aber wir haben zusammengehalten." Er sei zufrieden, wie das erste halbe Jahr seiner Amtszeit gelaufen ist. "Man kann nicht alles an einem Tag bewältigen", sagte er.

Falsche Information

CSU und WGK seien schief gewickelt, wenn sie unterstellten, die Stadt Kulmbach oder der OB seien bei aktuellen Projekten nicht am Ball: "Das ist falsch." Zum Beispiel der Uni-Campus: Für den Kauf des Güterbahnhofsgeländes, das der Kulmbacher Brauerei gehört, brauche die Immobiliengesellschaft des Freistaats Bayern (IMBY) zunächst eine Aufstellung über den Raumbedarf und eine Kostenschätzung der Universität Bayreuth. "Wir sind hier Zaungast", sagte Lehmann. "Aber natürlich bin ich dauernd mit den Akteuren im Gespräch, mit Professor Stephan Clemens von der Uni Bayreuth, mit Brauereichef Markus Stodden und mit André Zimmermann von der IMBY-Regionalvertretung Oberfranken. Da muss ich doch nicht jedes Mal einen Ortstermin machen."

Das Manöver von CSU und WGK sei gescheitert, so Lehmann: "Ihr Kartenhaus bricht zusammen." Zum Einsturz gebracht durch MdL Rainer Ludwig (Freie Wähler), der die eigenen Leute nach deren Baustellenbesichtigung in der alten Spinnerei deutlich kritisiert habe (die BR berichtete am 10. Oktober).

Genauso durchsichtig sei der Versuch, den schleppenden Fortgang des Grünen Zentrums in den Spinnereihallen an der Heinrich-von-Stephan-Straße ihm anzulasten, meinte Lehmann: "Die Verträge wurden vor meiner Zeit geschlossen." Der private Investor, der das Gebäude von der Stadt gekauft hat, müsse nun einen genehmigungsfähigen Bauantrag vorlegen.

Angebot verbessern

Zur Diskussion über die Erschließung der Plassenburg sagte Lehmann: "Mit mir und mit der SPD kann man über alles sprechen, aber nicht über die grundlose Zerstörung des Buchwalds." Allein wegen einer neuen Zufahrtsstraße kämen auch nicht mehr Leute. Man müsse überlegen, wie die Burg belebt werden kann. "Das Angebot muss stimmen. Das ist entscheidend", betonte der OB. "Hochkommen kann man auch jetzt schon, der Buspendel funktioniert." Daneben gebe es "viele weitere Themen, die wir abarbeiten müssen", sagte Lehmann und nannte unter anderem die Umgestaltung des Kaufplatzgeländes: "Ich gehe davon aus, dass es einen Architektenwettbewerb geben wird." Ferner brauche Kulmbach bezahlbaren Wohnraum, und die Städtebau GmbH überlege, auch in der Tilsiter Straße zu bauen. In Arbeit sei die angekündigte Altstadtsatzung, die in die Fortschreibung des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) reingepackt wird.

Weiter kündigte Lehmann an, dass das Radwegekonzept demnächst vorgestellt wird: "Wir müssen der Entwicklung gerecht werden, dass das Fahrrad stärker als früher genutzt wird." Auch der ÖPNV müsse verbessert werden - unter anderem durch einen Bus, der später am Abend fährt. Hier sei man mit der Firma Schütz im Gespräch.

Für Transparenz und Ehrlichkeit

Grundsätzlich stellte der Oberbürgermeister fest: "Die Bürger haben einen Anspruch darauf, dass jede Entscheidung erkennbar und nachvollziehbar ist und dass es keine Mauscheleien gibt." Er stehe für Transparenz und Ehrlichkeit. "Taschenspielertricks sollen der Vergangenheit angehören."

Für ihren Einsatz und ihre Treue zum SPD-Ortsverein zeichnete Lehmann eine Reihe von Mitgliedern aus.

Ein Bundestagskandidat der SPD für die Wahl 2021 soll am 21. November in Kulmbach nominiert werden. Der SPD-Ortsverein Kulmbach entsendet zehn Delegierte: Inge Aures, Theresa Weith, Elisabeth Weith, Heike Schweens, Pauline Schweens, Ingo Lehmann, Matthias Meußgeyer, Hans Werther, Mattias Hahn und Daniel Ferch.