Zum Thema "Religionsunterricht und Corona - wenn das Infektionsrisiko plötzlich zur Nebensache wird": In der Corona-Krise sind wir für jeden Tag dankbar, an dem unsere Kinder in die Schule gehen können - schon rein vom sozialen Aspekt gesehen, vom bildungstechnischen ganz zu schweigen. Freundschaften, Familie, das ganze soziale Miteinander bleibt in dieser Zeit auf der Strecke.

In dem Schulalltag wird der Kontakt zueinander auf ein Minimum reduziert. Es dürfen nicht die gleichen Wege gegangen werden, die Pausenhöfe sind getrennt. Eine Vermischung der festen Klassenverbände soll strikt vermieden werden.

Das klappt ganz gut - bis auf den Religionsunterricht. Da dürfen die Eltern entscheiden, ob Klassen vermischt werden sollen, wegen unterschiedlicher Religionen? Warum gibt man mit dieser Regelung einem einzigen Elternteil die Macht, aus fehlender Weltoffenheit und Toleranz, andere Kinder einem unnötigen Risiko auszusetzen und ihre Lernentwicklung zu gefährden? Beschlossene Coronamaßnahmen und akribisch ausgearbeitete Hygienekonzepte werden hierfür über den Haufen geworfen. Ist dies durch den Glauben an unseren einzigen gemeinsamen Gott vertretbar?

Welche Werte sollen unseren Kindern denn da vermittelt werden? Vor Gott sind alle gleich, außer im konfessionsübergreifenden Religionsunterricht? Wäre es nicht sinnvoll, Klassen in der Pandemie für eine gewisse Zeit nicht zu vermischen? Dadurch könnte die Gefahr von mehr Quarantäneklassen im Fall der Fälle vermindert werden.

Es wäre wünschenswert, wenn Engstirnigkeit und Egoismus beiseite geschoben werden und wir unseren Kindern ein offenes Miteinander und Zusammenhalt in einer schwierigen Situation vermitteln können. Warum soll getrennter Religionsunterricht höhere Bedeutung haben als das nachdrücklich betonte Abstandsgebot, die Kontaktbeschränkungen und die Gesundheit unserer Kinder?

Petra Thimm, Hollfeld