"Drei Dörfer ein Verein - so sollte es auch mit der Umgehung sein", stand auf einem der zahlreichen Plakate zu lesen. Ein deutliches Signal über die Landkreisgrenze hinweg sandten am Samstagnachmittag mit diesem Reim die Anwohner am oberen und unteren Berg im Burgkunstadter Ortsteil Mainroth.

Adressat war der Gemeinderat von Mainleus, der heute Abend über die geplante Umgehung abstimmt. Diese soll Mainroth sowie die zwei Dörfer Rothwind und Fassoldshof, die zu Mainleus gehören, vom Verkehr entlasten. Sollte sich der Markt Mainleus aus dem Vorhaben ausklinken, dann könnte das dem Vorhaben den Todesstoß versetzen. Die Sorge ist nicht unberechtigt, war doch kürzlich in der Rothwinder Bürgerversammlung von den dort anwesenden Bürgern die Umgehung abgelehnt worden.

Etwa 100 Teilnehmer

Aus diesem Grund trommelte man im Nachbarort Mainroth noch einmal kräftig für die Umgehung. Rund 100 Bürger hatten sich mit Transparenten am Straßenrand versammelt, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließen. "Lärm und Gestank macht uns krank" oder "Ja zur Umgehung. Habt ein Herz für Schulkinder", lauteten zwei der Slogans. Im Falle einer Ablehnung befürchten die Mainrother irreparable Schäden am bislang guten Miteinander zwischen den drei Orten, die bis zur Gemeindegebietsreform in den 1970er Jahren eine Gemeinde gebildet hatten.

"Ich befürchte, dass sich die Dörfer zerstreiten. Umso mehr ziehe ich meinen Hut vor dem Mainleuser Bürgermeister Robert Bosch, der sich öffentlich zur Umgehung bekannt hatte", meinte Franz Ultsch (66) aus Mainroth. Er hatte zudem darauf hingewiesen, dass auch nach der Trennung das gute Miteinander und die Zusammenarbeit zwischen den Dörfern weiter stark ausgeprägt seien. Davon zeugten, so der Redner, landkreisübergreifende Vereine wie der Obst- und Gartenbauverein Mainroth und Umgebung oder die Spielgemeinschaft Rotmain.

Nur bei geschlossenem Fenster

Wie es sich lebt, wenn sich eine Blechlawine nach der anderen durch den Burgkunstadter Ortsteil schlängelt, das schilderten die Anwohner im Gespräch mit der BR. Schallschutzfenster dämpfen im Haus, in dem Tanja Mahn wohnt, die Geräuschkulisse. Im Sommer bei offenem Fenster schlafen - das gehe nicht. "Weil es sich dann anfühlt, als würde der Laster durchs Schlafzimmer rauschen", klagte die Anwohnerin.

Bei Daniel Petterich ist es das Bürofenster, das geschlossen bleiben muss. "Wenn ich es zum Lüften aufmache, dann verstehe ich meine Gesprächspartner am anderen Ende der Telefonleitung nicht mehr", sagte der 31-Jährige, der ein Elektro-Planungsbüro betreibt. In Zeiten von Corona hat er seine persönlichen Kundenkontakte eingeschränkt und ist auf Videokonferenzen umgestiegen. Die seien nur bei geschlossenem Fenster möglich.

Manuel Fassold befürchtet, dass ohne Umgehung der Ortskern aussterbe. Zum Beweis zeigt er ein leerstehendes Haus. Der Lärm und Dreck der Fahrzeuge sei unerträglich. Die junge Generation würde es stärker in die Neubaugebiete Mainroths ziehen, so der 29-Jährige.

"Für kleine Kinder der Horror"

Nicole Graß hat ein Haus von ihren Eltern geerbt. Darin könnten einmal ihre Söhne Nicolai und Marius mit ihren Familien leben. "Für kleine Kinder wäre das der Horror. Sie haben keine Möglichkeit zum Spielen", sagte Nicolai. An einer Bundesstraße mit einem täglichen Verkehrsaufkommen von 9000 Fahrzeugen habe man "null Lebensqualität", klinkte sich Vater Stefan ein. Die Mainrother machen sich aber auch Sorgen um die Kinder im Ort. Vor allem an der Kuppe des Dorfberges sei es schwer für die Kleinen, den Verkehr zu überblicken, gab Tanja Mahn zu bedenken. Die Mutter eines elfjährigen Sohnes beklagte, dass es keine Ampeln und Zebrastreifen gebe. Zudem befänden sich unter der Kuppe mehrere Felsenkeller, die bereits zu einem Loch in der Straße geführt hätten. Sie und andere Mainrother befürchten, dass sich aufgrund des stetig zunehmenden Schwerlastverkehrs die Problematik noch verschärfen werde.

Rothwinder demonstriert mit

Mit Max Mahr hat sich auch ein Rothwinder unter die Demonstranten gemischt. Den Gegnern der Umgehung in Rothwind und Fassoldshof wirft er vor, sich egoistisch zu verhalten. "Sie wohnen am Ortsrand oder hoch droben am Berg. Sie sollten Mitgefühl mit den Betroffenen zeigen, die unter dem Verkehr zu leiden haben", sagte der 64-jährige.